Revocation – Es ist irgendwie ein natürlicher Prozess

Existence Is Futile“ ist ein unglaubliches Label-Debüt! In einem Genre, das momentan mehr und mehr in einer „Oldschool“-Welle mit Ideen von vor über zwanzig Jahren zu stagnieren droht, mischt ein verspieltes Trio aus Boston neue, eigene Impulse aus allen möglichen Genren des extremen Metals ein und zeigt trotz aller Technik und Progressivität ein gutes Händchen für gute, eingängige Songs! Grund genug für mich, der eigentlich mit dem Thrash Metal wenig anfangen kann, ein paar Fragen an Gitarrist/Sänger/Songwriter Dave zu schicken. Und auch wenn das Interview nun knapp ein halbes Jahr nach Album-Release erst erscheint, weil ich zu trödellig war, bekommt es doch wieder eine gewisse Relevanz auf Grund der frisch angekündigten Tour mit Dying Fetus, Origin, Man Must Die und Beneath The Massacre. Da die Band aktuell viel auf der Straße unterwegs ist, ist das Interview zwar nicht so ausführlich ausgefallen, aber immer noch ein interessantes Häppchen geworden!


Hey Dave, wie geht es dir? Nachdem es richtig gut tut, eine Thrash Metal-CD zu hören, die nicht auf der Oldschool-Welle mitreitet oder die nächsten Machine Head werden will, bin ich froh mit dir ein Interview machen zu können! „Existence Is Futile“ ist ein erfrischendes Stück Musik nicht nur für den Thrash-Fanatiker! Soweit ich weiß hat die Scheibe viele gute Kritiken bekommen, oder? Bist du zufrieden mit den Reaktionen von Fans und Magazinen? Gab es auch schlechte Kritiken?

Hey Christian! Mir geht es gut, danke! Yeah, „Existence“ hat viele gute Reviews und Rückmeldungen von Fans und Presse bekommen. Es ist super, so ein Killer-Feedback auf unseren Einstand bei Relapse zu bekommen! Natürlich gibt es immer ein paar Leute, die Mist reden, wenn etwas neues raus kommt und sich ein „Hype“ entwickelt, aber uns kümmert das wenig. Es macht sogar irgendwie Spaß all die haltlosen Kritiken zu lesen, die keinen Sinn machen.

Nun fangen wir aber mal von Vorne an: Deine Band hat unter dem Namen CRYPTIC WARNING angefangen. Warum habt ihr euren Namen geändert und in wie weit hat dies Einfluss auf euren Stil gehabt? Was war der Grund, dass ihr euren Style in technischeren, progressiveren Sound geändert habt? (Um ehrlich zu sein, ich kenne CRYPTIC WARNING gar nicht, aber ich verlasse mich auf die Infos von Metal-Archives.com, haha!)

Yeah, wir haben als CRYPTIC WARNING angefangen, als wir gerade mit der High School angefangen haben. Wir haben dann unseren Namen geändert, weil unser Material sich immer weiter entwickelt und ziemlich weit von dem oldschool Vibe von CRYPTIC WARNING entfernt hat. Außerdem haben wir uns irgendwie aus dem Namen rausgewachsen gefühlt und wollten frisch neu starten. Ich bin mir gar nicht sicher, warum wir unseren Sound geändert haben. Es ist irgendwie ein natürlicher Prozess gewesen denke ich. Dass wir uns als Musiker weiterentwickelt haben hat da wohl irgendwie was damit zu tun.

Existence Is FutileWas sind deine Haupteinflüsse in der Musik? Ich höre technische, progressive Elemente, Death Metal, Black Metal, ein paar traditionelle Thrash-Parts und wenn ich mich nicht komplett irre auch leichte Einsprengsel aus dem Crust/Punk…

Ja, so ziemlich von allem was du genannt hast. Wir alle lieben und sind von vielen verschiedenen Arten Musik inspiriert, auch von Genren außerhalb des Metals wie Klassik oder Jazz, alles wird verbogen und verschmolzen um unseren Sound zu kreieren. Für mich ist der Song „Pestilence Reings“ vom neuen Album mit einen starken Punk/Crust-Feeling zusammen mit unserem Metal-Style momentan auch mein Lieblingssong zum live spielen.
Ich denke viele Bands scheuen davor zurück diese beiden Stile zu mischen, weil sie vielleicht denken, dass einige Riffs nicht „technisch“ genug sind oder so was, aber wir mögen den Kontrast zwischen den technischen und den crustigen Riffs.

Wegen der starken Black Metal-Elemente ist „Across Forests And Fjords“ sehr hervorstechend auf eurem Album. Mögt ihr die Natur von Norwegen wirklich so sehr? Oder habt ihr den Titel nur gewählt, damit er zum Black Metal Sound passt? Wie kam es, dass dieser Song ein Instrumental ist? Wolltest du nicht wie ein Pandabär schreien? Haha! Im Ernst: Es gibt nur wenige Instrumentals im Metal und die meisten funktionieren nicht wirklich als „richtiger“ Song, verstehst du was ich meine? Aber „Across Forests And Fjords“ ist unter diesen Songs herausragend!

Danke, freut mich, dass der Song dir gefällt! Um ehrlich zu sein haben wir den Namen ausgewählt, weil wir dachten, er passt gut zu dem Black Metal Sound. Als wir den Song gejammt haben, kamen uns diese Bilder in den Kopf, dass man durch tiefen Schnee und über ein enorm bergiges Terrain wandert, also haben wir uns entschlossen dem Song einen grimmigen und frostigen Titel zu geben.

Wie läuft bei euch das Songwriting ab? Alle Instrumente klingen sehr gleichberechtigt innerhalb der Lieder.

Ich schreibe die Riffs und mache die meisten Arrangements und Anthony macht normalerweise viel mit den Texten, auch wenn ich die Lyrics zu einigen Songs auf der neuen PLatte beigesteuert habe. Ich bin sehr bestimmt was meine Songs angeht und so ist es großartig dass Phil und Anthony mich mit ihrem Input unterstützen und eine andere Wendung an bestimmten Stellen geben. Meist endet Phil darin, dass er wie natürlich das spielt, was ich für die Drums im Kopf hatte und Anthony ist auf der gleichen Seite, wenn es um die Bassspuren geht.

Ich habe da eine These: Vor einigen Jahren was das Äquivalent zu DEATH im Death Metal CORONER im Thrash Metal. Heute würde ich sagen, dass es DECREPIT BIRTH und REVOCATION sind. Was sagst du zu diesem Statement?

Ich fühle mich sehr geehrt!

Was denkst du über modernen Thrash Metal und den Trend zum alten Bay Area Sound?

Es ist cool, dass Bands Tribut an den oldschool Sound zollen und damit die nächste Generation von Kids an den Thrash Metal bringen. Wo ich das gerade gesagt habe fällt mir auf, dass ich die meiste Zeit viel EXODUS oder FORBIDDEN höre, haha!

Kannst du mir sagen, wer das Artwork für die „Empire Of The Obscene“ gemacht hat? Es sieht ein Bisschen nach Dan Seagrave aus…

Par Olofsson hat das Cover gemacht. Wie denken es ist großartig und hat total die ausgelaugte und apokalyptische Szenerie erschaffen, die wir wollten.

Da „Empire Of The Obscene“ noch von euch selber veröffentlicht wurde, würde ich gerne wissen, wie ihr in Kontakt zu Relapse Records gekommen seid. Seid ihr zufrieden mit ihrer Arbeit für euch? Werden sie auch euer Debüt wiederveröffentlichen, wie sie es z.B. für OBSCURA gemacht haben?

Ich habe eine Kopie von „Empire“ zu einem Typen gegeben, der in der Mailorder-Abteilung gearbeitet hat und von da aus hat es seinen Weg bis zum Oberboss gemacht. Alle Leute dort waren ziemlich angetan und so war das Gerede schon ziemlich groß noch bevor das Teil auf dem Tisch des Chefs lag. Nachdem sie uns live ausgetestet hatten, haben sie sich entschlossen den Abzug zu drücken und der Rest ist Geschichte. Soweit läuft alles gut, auch wenn wir nicht wissen, ob sie Pläne für ein Re-Release haben. Also denke ich, wir müssen abwarten und schauen, was passiert.

Was sind eure Pläne für die Zukunft? Schreibt ihr neue Songs für die nächste Scheibe? Kommt ihr bald nach Europa? Soweit ich weiß sollt ihr ja auf dem Neurotic Death Fest in den Niederlanden spielen. Gibt es noch andere Termine?

Wir schreiben und arbeiten konstant an neuen Songs, aber im Moment sind wir noch nicht sicher wann wir eine neue Scheibe aufnehmen werden. Soweit hat sich das neue Material schonmal als ziemlich vielschichtig herausgestellt, ist aber zugleich sehr heavy. Wir haben gerade eine volle Europa-Tour mit Dying Fetus, Origin, Beneath The Massacre und Man Must Die angekündigt! Wir können es kaum erwarten rüber zu kommen und zu rocken!

Danke für deine Zeit und Antworten! Sorry für meine lange Verzögerung mit den Fragen, ich hoffe, mein Interview hat dir dennoch etwas Spaß gemacht, haha! Bitte hinterlasse die letzten Worte an unsere Leser!

Danke für das Interview, wir sehen euch bald!


Interview: Chris (Necroslaughter) / Dave (Gitarre/Gesang @ Revocation) · 04.02.2010 / 11.02.2010

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Alle von Relapse Records (Medien-Pool)