Mastabah – Quintessence of Evil

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Bitte anschnallen, lieber Leser, denn wir begeben uns nun auf eine krasse Fahrt für Extremisten und Puristen! Wer Bands wie Brodequin, Liturgy, Resection oder Last Days Of Humanity liebt, sollte nun weiter lesen. Alle anderen, die mit den gerade genannten Extrem-Böller-Bands nichts anfangen können, werden wohl auch mit dem extremen Gebräu von MASTABAH erst recht nichts anfangen können. Denn was das relativ junge Quartett (gegründet 2004) aus Polen hier abliefert, stößt sicherlich einigen Leuten direkt vor den Kopf! Zum einen dürfte die durchwachsene Produktion den ein oder anderen Fan moderner Klänge sehr abschrecken. Die Gitarren sind stellenweise etwas mager und drucklos herausgearbeitet wo hingegen die Drums so überproduziert sind, dass sie an vielen Stellen nach Drumcomputer klingen. Hätte mir nicht Schlagzeuger Goro die Promo von „Quintessence Of Evil“ zugeschickt, hätte ich hinter dem Namen in der Bandinfo ähnlich wie bei den ersten Fleshless-CDs und deren „Roland“ einen Drumcomputer erwartet. Ich sage nur: unmenschlich, was dieser Typ da abzieht, dagegen sind Jon Engman oder Chad Walls (beide (ex)-Brodequin) fast noch langsam!
Zum Glück gehen MASTABAH auf ihrem zweiten Album auch schon mal etwas vom Gas runter. Denn wenn Goro in wirklich inhumane Tempi abdriftet, geht an manchen Stellen schon etwas die Kraft aus dem brutale Tritt in die Fresse und manches Mal passt auch einfach das stellenweise sehr puristische Riffing nicht mehr so recht zu den High-Speed-Orgien, wie in „Revelation„, was etwas sehr unter den krassen Blastbeats leidet. In den Midtempo-Parts können die Polen dafür fast immer Punkten! Hier sind die oftmals simplen Riffs richtig effektiv, erschaffen entweder richtig dicken Groove oder auch richtig schön düstere, böse Atmosphäre.
Wenn die Mischung zwischen den wohl krassesten Blastbeats von Menschenhand und Feeling richtig abgestimmt ist, kommen super Songs wie „Hunger„, „The Show“ oder „Humanity Is A Lie“ dabei rum.
An ein paar Stellen gibt es zwar leichte Parallelen zu Cryptopsy zu „And Then You’ll Bag„-Zeiten oder The Dillinger Escape Plan, wenn die Riffs etwas dissonanter werden, wie in „Blind“ oder „Rotting Reality„, das auch einen fast epischen Part in Richtung Nile hat. Dennoch fällt es mir sonst sehr schwer MASTABAH mit einer bestimmten Band zu vergleichen. Die Riffs sind etwas zu „verspielt“ und stellenweise viel „melodischer“ (besonders in „Fleshart“ oder „Revelation„), als bei Brodequin, erst recht als bei LDOH. Der Gesang ist lange nicht so krass wie bei den beiden Bands, sondern aggressiv und variabel genug, um ebenfalls ein deutlicher Pluspunkt der Band zu sein. Und das Drumming ist sowieso mit KEINER Band zu vergleichen, die einen realen Schlagzeuger hat. Dann schon eher mit Truppen wie Fuck… I’m Dead, die bewusst auf Hyperspeed Drumcomputer setzen.
Quintessence Of Evil“ ist an vielen Stellen sicher noch ausbaufähig und für manchen extrem harte Kost. Besonders muss sich Goro vielleicht an manchen Stellen doch noch eine Nummer mehr zurücknehmen, um nicht zu viel Härte aus den Songs zu nehmen und nicht alles zu sehr nach Presslufthammer klingen zu lassen.
Doch der Weg ist richtig und mir sagt diese eigenwillige Mischung zu! Allen Geschwindigkeits-Extremisten kann ich MASTABAH nur ans Herz legen. Wenn kleinere Unstimmigkeiten im Songwriting beim nächsten Album noch ausgebügelt werden, sind sicherlich auch mehr als vier Punkte drin!

[rating:4]

Infos:
Wyrm Records – 11.01.2010
CD – 9 Lieder / 31:57 Min.