Campaign For Musical Destruction #15

 

Eigentlich bin ich mit diesem Review mal wieder etwas zu spät! Denn wie ich meinem Gitarristen erfahren habe, ist das CFMD #15 bereits komplett ausverkauft und ich konnte über ihn wohl eines der wenigen Restexemplare bekommen, das noch in irgendeiner Kiste beim Gerste aufgetaucht ist, der diese Ausgabe auch fast komplett im Alleingang gemeistert hat. Darum kann man diesen Artikel hier mehr als einen Appetizer und Hinweis auf die nächste Ausgabe des antimusikalischen Magazins sehen, an der meines Wissens nach schon fleißig gearbeitet wird, und Mitte diesen Jahres erscheinen soll.
Doch der Umstand, dass die noch aktuelle Ausgabe des CFMD vergriffen ist, freut mich doch irgendwie! Gerade in modernen Zeiten, wo die Leute als Informationsmedium das Internet bevorzugen und nicht mehr bereit sind für so ein liebevoll gestaltetes Fanzine ein paar Euro auszugeben, hat das Fanzinesterben schon so einige Magazine hingerafft. Umso mehr freue ich mich, dass das CFMD immer noch Anklang bei den Fans findet und hoffe natürlich, dass es noch lange so weitergeht!
Aber nun zum Inhalt des kleinen „Rundbriefs“, der in schön zusammenkopierten und zusammengetackerten DinA4-Seiten erscheint. Mit gerade mal 22 Seiten ist das Zine vergleichbar dünn, doch der Platz wird so weit wie möglich ausgenutzt, was sicherlich an manchen Stellen auch das Lesen anstrengend macht. Ich lese den gesamten Tag viel und leider zu viel am Bildschirm (alleine berufsbedingt) und da sind manche kleingedruckte Passagen im Schnipsel-Layout schon anstrengend. Aber die Mühe lohnt, denn die Interviews, worauf bei dieser Ausgabe das Hauptaugenmerk liegt, sind alle sehr interessant und von den Fragen sehr gut! Das vermisse ich bei sehr vielen Webzines und den großen Printen-Magazinen immer wieder! So durften in dieser Ausgabe SLAUGHTER OF THE INNOCENTS, PURGATORY, BURT, BASTARD PEELS, GODS OF EMPTINESS, SAKATAT (das einzige englischsprachige Interview in diesem Heft), TACHELESS, IRATE ARCHITECT und BELECHING BEET dem ausgiebigen Frage- und Antwort-Spiel hingeben, wobei mir am besten die klaren Ansagen von TACHELESS gefallen haben!
Für Rico vom F.D.A. Rekotz-Label und Extreme Aggression-Webzine wurde ein noch ein Interview rausgekramt, was eigentlich als „online only“ zur Werbung für sein Blutsvente-Festival gedacht war, aber nun doch in der aktuellen Printausgabe zu finden ist. Leo vom Fatal Underground-Zine musste in der Rubrik „What’s That Noise“ Lieder erraten, was auch ganz unterhaltsam ist, aber natürlich nicht an die Qualität und den Tiefgang der Interviews rankommt.
Für das Obscene Extreme 2008 gibt es auch einen guten, dreiseitigen Bericht, der alleine auf Grund seiner dicken Authenzität als Bericht eines typischen Festivalbesuchers sehr angenehm zu lesen ist! Unmusikalisches gibt es auch, einmal über den Killer Richard Trenton Chase („Der Vampir von Sacramento“) und die Krankheit Shigellose. Zwei äußerst interessante und kurzweilige Blicke über den Tellerrand in so einem Magazin! So was würde ich mir auch von anderen Magazinen mehr wünschen, die sich oftmals lediglich an das aktuelle Kino- und Videospiele-Programm trauen, was aber eigentlich keine Sau interessiert! Besonderen Dank dafür!
Wie eigentlich gerade bei kleinen Fanzines üblich werden natürlich auch die Produkte der Kollegen besprochen, wie G.U.C. #24, Mystical Music #13, Semen Demon #3, Streetcleaner #20, Into The Warzone #11 oder das Fatal Underground #30 Fanzine. Auch eine sehr schöne Sache, die in Zeiten von Webzines, Foren und Social Networking immer zu kurz kommt, oder schlicht und einfach in Vergessenheit geraten ist.
Größter Wermutstropfen am CFMD #15 sind leider die Platten-Kritiken. Bereits im Vorwort wird darauf hingewiesen, dass in dieser Ausgabe weniger Reviews als sonst sind und kurz vor den Besprechungen wird nochmal erwähnt, dass nur herausragende CDs/LPs/etc. hier abgedruckt werden, die dem Zine von Bands und Labels direkt zur Verfügung gestellt wurden, und keine, die die Schreiber sich selber zugelegt haben. Dieses Vorgehen ist zwar durchaus legitim, doch in der Praxis fehlt mir bei all den Lobgesängen doch so ein zünftiger Verriss, eine Warnung auf einen schlechten Output oder einfach die Gleichgültigkeit gegenüber einer durchschnittlichen Scheibe. Und bei 26 Kritiken ist man mit dem Lesen auch schnell durch, wäre das ein oder andere Review nicht in kleiner, gestauchter Form abgedruckt, die den Konsum etwas anstrengend machen.
Doch seien wir ehrlich, über dieses kleine Manko kann man eigentlich getrost weg schauen, denn so ein Fanzine lebt von guten, intelligenten Interviews! Die meisten Kritiken haben alleine auf Grund des Release-Zyklus von so einem Heft nicht den Aktualitätsgehalt, wie ihn ein Webzine bietet, können aber im Nachhinein auf Versäumnisse aufmerksam machen.
So gesehen ist das CFMD ein richtig gutes Fanzine und die paar Kröten Investition alle Male wert! Kauf euch die Ausgabe 16, wenn ihr auf Crust, Grind, oldschool Death Metal steht, legt sie neben das Bett oder noch besser auf den Pott, da macht Lesen doch immer noch am meisten Spaß, haha! Ihr werdet es nicht bereuen, das Teil ist mit viel Liebe und Herzblut aufgemacht und macht wirklich Spaß zu lesen!

Infos:
Deutsch (bis auf ein Interview in englisch)
22 Seiten, 9 Interviews, 1 Festival-Bereicht,
Serienmörder- und Krankheiten-Special, 26 Musik-Kritiken