Tyrael – Der Wald Ist Mein Zuhause

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Das trügerische Triumverat, Bandlogo, Cover und Albumtitel, wie oft hat uns diese Kombination vielleicht schon auf eine falsche Fährte lenken wollen? Der erste Eindruck vermag uns auch beim vermeintlich ersten Lebenszeichen von TYRAEL auf eine grimmige Black Metal-Zugfahrt durch das Nebelgebirge zu schicken – und trifft dabei nur entfernt die Lichtung im dunklen Wald!
Wo sich sich das junge Quintett aus Hennef eher zu Hause fühlt, ist zeitweise undurchsichtig wie dichtes Unterholz. An manchen Stellen schimmern leicht heidnische Ansätze durch, nicht zuletzt durch die lyrische Seite der Band. An anderen Stellen mögen auch deutliche Bezüge zum Black und Death Metal vorhanden sein. Doch als Gesamtbild bewegt man sich nie zu hundert Prozent auf einem klaren Pfad und verwischt dank einer Menge Eigenständigkeit gut die Spuren hinter sich.
Zugegeben, an manchen Stellen holpert und rumpelt „Der Wald Ist Mein Zuhause“ schon sehr ordentlich, doch gerade so entwickelt sich ein unglaublicher, dilettantischer Charme! Wo viele Bands zu sauber und glattpoliert sind, dass sie schon wieder an Profil verlieren, gewinnt TYRAEL gerade dadurch, dass sie mit ihrem eigenen Kopf vorgehen und eben an manchen Stellen sehr impulsiv wie die Axt im Walde holzen. Doch das darf man nun nicht falsch verstehen, zu keiner Sekunde ist das Debütalbum chaotisch, allerhöchstens erfrischend wütend und zügellos – und gleichzeitig verträumt und verspielt!
Viele der eigenständigen Ideen könnten von den Grundzügen an die ganz alten Die Apokalyptischen Reiter erinnern, wirken dann aber schon wieder zu progressiv und zu versiert an den Instrumenten – was man aber nun auch wieder relativ sehen muss. Einige der tanzbaren Melodien hingegen haben die frische Rotzigkeit von My Cold Embrace, ohne aber deren punkige Attitüde zu haben. Eine ziemlich furiose Mischung, die an manchen Stellen durch die hochinteressanten zweistimmigen Riffs einen unglaublichen Klangwald aufbaut und mehr als einmal mit ungewöhnlichen Ideen überrascht. Sicher haben auch schon zuvor andere Bands klare Gitarren mit Grunzgesang vermischt, dennoch wirkt es in „Des Rabens Andacht“ irgendwie besonders.
Abwechslung entsteht stimmlich durch den gekonnten Wechsel zwischen sumpfigen Growls, kernigen Schreien und harten Shouts sowie dem verspielten Wechsel zwischen Dynamik und Tempo an den Instrumenten. Selbst die klaren Passagen scheinen trotz aller Impulsivität wohl überlegt zwischen den Böllerparts platziert. Den richtigen Tiefgang erreicht „Der Wald Ist Mein Zuhause“ neben den zweistimmigen Riffs auch durch geschickt eingeflochtene Black Metal Gitarren, die durch das kalte Sägen an den Bäumen für eine authentische, angepisste Atmosphäre sorgen. „Der Jäger“ oder „Des Rabens Andacht“ sind hier hervorragende Beispiele!
Interessant für den Lyrik-Freund ist sicherlich auch die Interpretation des „Erlkönigs“ (an dieser Stelle Grüße an Abrogation, haha!)
Perfekt ist dieses Debütalbum sicherlich nicht – und gerade deswegen ist es so unglaublich gut! Wegen der rohen Ecken und Kanten, weil TYRAEL sich nicht in eine Schublade pressen lassen, sich nicht durch irgendwelche Vorgaben limitieren. Viele Fans aus Black und Death Metal pisst die Band mit „Der Wald Ist Mein Zuhause“ sicherlich richtig ans Bein. Doch das ist auch gut so! Polarisieren ist immer gut und Freunde macht man sich auf dem Ponyhof, nicht unbedingt im Heavy Metal!
Jeder, der sich offen für eigenständigen, unkonventionellen Extreme Metal sieht, Fangorn, Freund Hein oder die alten Die Apokalyptischen Reiter mag, sollte TYRALE unbedingt anhören!

[rating:5]

Infos:
Eigenproduktion – 2010
CD – 11 Lieder / 43:25 Min.