Mortal Agony – Dobermann

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Eine gefühlte Ewigkeit ist es her, dass mich MORTAL AGONY mit ihrem Album „Receptive For Chaos“ 2005 begeistern konnten. Die wilde Mischung aus technisch orientiertem Death Metal und Grindcore mit den drei fiesen Sängern hat eingeschlagen wie eine Bombe und entsprechend habe ich schon fast sehnsüchtig auf einen Nachfolger gewartet!
Und endlich, vier Jahre Später, erscheint „Dobermann“ über Rising Nemesis Records und zieht direkt mit seinem stilvollen Cover positive Erwartungen auf sich. Zwar ist eine Verpackung nicht kriegsentscheidend bei einer CD, aber das Auge isst bekanntlich mit. Und zum recht billig wirkenden Vorgänger ist den Bayreuthern hier eine 200%-ige Verbesserung gelungen.

Nachdem „Dobermann“ einmal im CD-Player liegt, kann man sagen: MORTAL AGONY haben ihren Stil etwas verändert. Beim ersten Hördurchlauf war ich mir nicht sicher, ob man hier von einer Weiterentwicklung sprechen dann, denn einige Aspekte haben mir beim ersten Abspielen schon sauer aufgestoßen. Doch nach mehrmaligen Hören kann man auch als Fan des Vorgängers locker von einer positiven Weiterentwicklung sprechen!
Alleine der Sound ist auf „Dobermann“ viel klarer, differenzierter und moderner, als auf „Receptive For Chaos„, was den mittlerweile technisch wesentlich anspruchsvolleren Riffs nur zu gute kommt. Gerade die Gitarrenlinien haben MORTAL AGONY respektabel weiter ausgebaut und damit ein gutes Erkennungsmerkmal geschaffen!
Was mir aber bei den ersten Hördurchläufen sauer aufgestoßen ist: Der Death Metal Anteil ist deutlich in den Hintergrund gerückt und man hat mehr Gewicht auf Hardcore und Beatdown gelegt. Der Opener „Kiss My Fist“ klingt entsprechend prollig und könnte fast von ein paar gereiften Stillbirth stammen, haha! Aber im Ernst, die fetten Breakdowns, die einen auf dicke Hose machen, sind absolut nicht mein Stil. Auch stören mich persönlich an dieser Stelle die Gangshouts, wodurch die fetten Stakkato-Riffs noch eine Nummer mehr nach Proll-Hardcore klingen. Doch wie eingehend erwähnt, haben MORTAL AGONY ihre technischen Fähigkeiten auch deutlich weiterentwickelt und verschaffen so auch dem eher langweiligen Opener noch interessante Aspekte. Glücklicherweise tauchen die Beatdown-Elemente eher vereinzelt auf „Dobermann“ auf, wie auch im Titeltrack oder dem eigentlich ganz coolen „Down And Laugh„. So ist eigentlich kein weiterer Song so richtig nervig, wie am Anfang befürchtet. Eher im Gegenteil!
Denn „Revenge Of Togera“ zeigt direkt, dass die Bayreuther auch anders können und strotzt nur so vor kaputten Ideen, die ebenfalls von Cephalic Carnage stammen könnten. „Goodby Darling“ hat einen dicken, dissonanten Einschlag von Gorguts auf dem Grindcore-Trip und ist eines der Highlights auf „Dobermann„! An manchen Stellen kommt durch die progressiven, technischen Riffs und breakorientierten Strukturen auch ein Hauch von The Dillinger Escape Plan in die Lieder, wobei man aber nicht wirklich von Mathcore sprechen kann. Dafür haben die Lieder alle zu geradlinige Strukturen und gehen ordentlich auf die Fresse!
Die beiden Hauptsänger und die Verstärkung hinter dem Bass schaffen eine außergewöhnliche Vielfalt an verschiedenem Gesang! Shouts, Growls, Schreie und Frognoise erzeugen in den Songs hundertmal mehr Abwechslung, als bei Bands, wo der Sänger die gesamte Zeit durchblubbert. Und an einigen Stellen gibt es sogar passenden Sprechgesang und gut platzierte Gangshouts, die außerhalb der totalen Breakdowns auch wesentlich cooler klingen, als vielleicht der Opener hätte vermuten lassen!
Girls Like Grind“ überrascht gegen Ende nochmal mit einem melodischen Hard Rock Part und zeigt sich als richtiger Hit, bevor man vor Schluss der CD nochmal in hardcore-lastigen Chaosgrind und abschließend in fetten Beatdown verfällt. So scheint das neue Hardcore-Gesicht die Songs mit deutlich mehr Bezug zum Grindcore buchstäblich zu umarmen und eine klare Linie durch das Album zu ziehen. Doch auf das Triumvirat „Kiss My Fist„, „Dobermann“ und „We Don’t Like You“ hätte ich persönlich gerne verzichten können.
Die restlichen Songs hingegen mögen zwar nicht sofort zünden. Aber wie auch bei Cephalic Carnage wächst dieses kontrollierte und vor allen Dingen anspruchsvolle Chaos mit jedem Hören. Ich bin dankbar, dass ich „Dobermann“ mehr als einen Hördurchlauf gegönnt habe. Sonst wären mir ein paar richtig gute Songs im Chaoscore, Tech-Grind oder wie immer man diese Rocky Mountain Hydrogrind-Kacke auch nennen mag, entgangen! Also Freunde des gepflegten, anstrengenden Krachs, zugreifen und die eigene Wohnung in Schutt und Asche legen!

[rating:4.5]

Infos:
Rising Nemesis Records – 2009
CD – 11 Lieder / 33:37 Min.