Graveyard – Wir fühlen uns wie Skandinavier

Wo alte Helden heute etwas enttäuschen, sind gerade Bands wie GRAVEYARD Hoffnungsträger des schwedischen Death Metals. Und so gehört “One With The Dead” eindeutig zu den wichtigen “Schweden”-Platten im Death Metal aus dem Jahr 2009! Düster, brutal, abwechslungsreich. Kurzum, Kaufplicht für jeden Elchtöter und für mich eine Pflichtveranstaltung für ein Interview mit Javi Bastard, seines Zeichens Basser und Gitarrist bei den spanischen Frohnaturen.


Hallo Javi, wie geht es dir? Wie ist das Leben in Spanien momentan? Hier in Deutschland ist es verdammt kalt und es schneit die ganze Zeit, brrrr! Kann ich annehmen, dass es bei euch etwas wärmer ist?

Hi Christian, mit geht es gut, Danke! Spanien ist sehr bekannt für seine warmen, sonnigen Tage, aber glaub mir, die letzten drei Monate waren ein Alptraum für Leute wie mich, die sich nicht unbedingt in der scheiß Kälte wohl fühlen… Ich weiß nicht, wie die Dinge in deinem Land stehen, aber hier unten fühlen wir uns mittlerweile fast wie Skandinavier oder so was in der Art, nur wegen dem Regen, dem Schnee und der Kälte, du verstehst? Es ist immer der gleiche Scheiß, nun warte ich auf den Sommer und wenn er einmal da ist, will ich verzweifelt etwas Kälte zurück.

Da ihr eine relativ junge Band seid und „One With The Dead“ eure erste Platte ist, kannst du mir und meinen Lesern eine kurze History über GRAVEYARD geben? Wie und wann habt ihr euch entschlossen die Band zu gründen? Soweit ich weiß haben all eure Mitglieder auch in anderen Metal-Bands gespielt…

Nun, „offiziell“ wurde GRAVEYARD im Sommer 2007 gegründet, auch wenn die Idee viel älter ist. Julkarn und ich haben schon in verschiedenen Bands über die Jahre zusammen gespielt und haben auch schon immer darüber gesprochen eine pure Death Metal Bands zu machen. Aber durch irgendwelche Gründe ist es irgendwie nicht bis 2007 geschehen, als wir einen passenden Drummer gefunden haben. Ein paar unserer Songs vom Demo wurden bereits in den frühen 90ern geschrieben, also gibt es GRAVEYARD schon geraume Zeit, wenn auch nicht in einer „normalen“ Form. Ich denke, es war um das Jahr 2001 oder 2002 als wir uns die grundlegenden Trademarks der Band überlegt haben, Name, Logo, einige Songstrukturen… Aber wie ich dir bereits sagte, es hat bis 2007 nicht wirklich Form angenommen, hauptsächlich wegen dem Mangel eines Drummers. Im Moment spielen alle Mitglieder von GRAVEYARD in unterschiedlichen Bands wie ERED, MORBID FLESH, INSULTERS, STORMWRATH, LUX DIVINA und WOLFHEAD.

Es ist schon ein wenig überraschend so düsteren und kalten schwedischen Sound von einer Band aus so einem warmen Land wie Spanien zu hören. Meiner Meinung nach ist „One With The Dead“ eines der besten „schwedischen“ Alben aus 2009! Selbst einige der alten Bands von damals sind nicht auf diesem Level. Also warum habt ihr den Oldschool-Style ausgewählt? Und wie bekommt man so einen düsteren, schweren Sound in so einem sonnigen Land hin?

Süd Amerika ist sogar noch wärmer als Spanien und die haben ein paar der wildesten, obskursten, bösesten und übelsten Bands da unten. Also denke ich nicht, dass das Wetter einen richtigen Einfluss auf die Musik hat. Die Frage kam einige Male auf: „Warum habt ihr den Oldschool Weg gewählt?“. Ich denke, du liegst falsch, wenn du sagst, wie haben etwas „gewählt“. Wir haben nichts ausgewählt, wir spielen die Art von Death Metal, die wir mögen und die wir schon die letzten 15-20 Jahre hören. Ich meine, wir sind keine Teenager mehr, die eine Band machen und einen der Death Metal Stile „auswählen“ muss. Die neue und attraktive Oldschool-Geschichte oder ihre Lieblings-Deathcore-Band die sie bis gestern geliebt haben. Wir sind nun in unseren Dreizigern und somit gibt es für uns nur eine Art von Death Metal, die klassische Variante, oldschool, altertümlich… Wie immer du es auch nennen magst, Namen bedeuten nichts. Seit dem ersten Tag war klar, welches unsere Referenzen sein sollten: MORBID ANGEL, EDGE OF SANITY, MORGOTH, BOLT THROWER, ENTOMBED, ASPHYX, PESTILENCE, DEATH, OBITUARY, NECROPHOBIC, AUTOPSY, CARNAGE…
Wir scheren uns nicht viel über moderne Death Metal Musik. Ich respektiere Jedermann und das schließt auch Deathcore, Brutal Death, Groove Death und so weiter ein. Aber ich wurde mit diesen Stilen irgendwie nie richtig warm. Ich weiß, heute ist es „cool“, wenn man das sagt, aber es ist nun mal ein Fakt, die verdammte Wahrheit.

Der Sound wurde so, weil mein Studio ein wenig wie ein kleines Mordor im kleinen sonnigen Mittel Erde ist, hahaha! Nein, im Ernst, wir haben hart am richtigen Sound und der Atmosphäre gearbeitet, die so ein Death Metal Album wie unseres braucht. Und Dan Swanö weiß wie man mit so einer Scheiße umgehen muss, also hat er seine magischen Finger angelegt und das war’s dann auch schon.

One With The DeadDie nächste Überraschung für mich war das CANDLEMASS-Vocer mit den klaren Vocals. Ich muss zugeben, ich bin nicht unbedingt ein Fan des klassischen Doom Metals. Aber eure Version rockt tierisch! Warum habt ihr einen Song außerhalb des Death Metal Genres gewählt? Versteht mich nicht falsch, ich finde es richtig gut, wenn eine Band keinen Inzest begeht und nur aus dem eigenen Genre was covert, sondern auch in anderen Stilistiken nach guter Musik sucht. Dennoch würde ich gerne eure „Motive“ hören, haha!

Nun, wir haben angefangen mit Covern von DEATH und BOLT THROWER und es ist immer lustig diese Stücke live zu spielen. Aber als wir dann ins Studio gingen, wollten wir was anderes Probieren. Also haben wir ein CANDLEMASS Lied ausgewählt. Seit dem ersten Tag, an dem ich CANDLEMASS für mich entdeckt hatte, habe ich mir vorgestellt, dass dieser spezielle Song von einer Death Metal Band gespielt werden sollte. Schau doch mal, es hat alles: die Stimmung, das epische Feeling… Es ist Heavy as Fuck und muss einfach in einer Death Metal Variante interpretiert werden! Dan Swanö hat ein paar richtig unglaubliche und coole klare Vocals beigesteuert und so wurde eine Verknüpfung zum Original geschlagen. Momentan arbeiten wir an „The Usurper“ von CELTIC FROST und irgendwann in der Zukunft, da bin ich mir ziemlich sicher, werden wir den alten Scheiß von MOTÖRHEAD, SODOM, EXCITER oder VENOM mal vornehmen…

Genau wie dieses Cover rockt auch euer Instrumental-Stück „Abandoned Chruches“ mächtig! Was waren eure Einflüsse zu diesem Song? IRON MAIDEN? DISMEMBER? Oder IRON MAIDEN durch ihren Einfluss auf DISMEMBER, haha?!?

Ich liebe und habe immer Heavy Metal geliebt, lange bevor ich wusste, wer zur Hölle DISMEMBER überhaupt ist. Ich meine, sie kommen auch aus dem Heavy Metal, genau wie wir und mit dem gleichen Hintergrund ist es eigentlich nur natürlich früher oder später eine Heavy Metal Tribut-Hymne aufzunehmen. Wie ich dir schon sagte, wir sind Metalheads, die in einer Death Metal Band spielen. Ich habe hunderte von Death Metal Scheiben in meiner Sammlung. Aber das ist nichts verglichen zu meiner Heavy Metal Sammlung, die mittlerweile um ein paar tausend Alben umfasst! Also, wenn du IRON MAIDEN, RUNNING WILD, BARON ROJO, EXCITER, TANK, JUDAS PRIEST, SAXON, ACCEPT, MOTÖRHEAD, MANILLA ROAD und so weiter magst, musst du es irgendwie ausdrücken und ein Lied wie „Abandoned Churches“ war unser Weg um all diesen coolen Bands zu danken!

Warum habt ihr GRAVEYARD als Bandnamen gewählt? Ich meine, es gibt da draußen ja diverse Bands mit dem gleichen Namen und manche Leute mögen davon vielleicht etwas verwirrt sein… Gab es denn keine Alternativen?

Die meisten Riffs von unserem Demo / MCD wurden von Julkarn und seiner ersten Death Metal Band SCABROUS damals in 92 oder 93 geschrieben… Aber, wie ich bereits sagte, der Name, das Logo, das Konzept und einige Songstrukturen wurden erst 2001 oder 2002 entwickelt. Zu diesem Zeitpunkt kannte ich keine anderen GRAVEYARD dort draußen, wenn ich ehrlich bin. Und das war ziemlich komisch, denn eigentlich ist es ein übliches Wort, vor allen Dingen im Death Metal Umfeld. Wie auch immer, wir hatten diesen coolen Namen, der einfach wie Nichts ist und ein noch cooleres Logo, also haben wir die Sache ernsthafter angegangen. Im Jahr 2007 haben wir dann mitbekommen, dass ein paar Bands mehr den Namen GRAVEYARDS tragen, aber das ist kein Problem. Weißt du, wie viele LEGION, KILLERS oder GOATirgendwas dort draußen sind? Soweit es mich angeht: da draußen sind zwar GRAVEYARDS, aber nur eine, die Death Metal spielt und das ist die einzige, wichtige Sache.

Kannst du unseren Lesern ein bisschen über den spanischen Underground erzählen? Einige Bands sind ja bekannter, wie AVULSED, HAEMORRHAGE oder MECHETAZO. Kannst du weitere gute Death Metal Acts meinen Lesern empfehlen?

In Spanien war in den 90ern eine große Verzögerung verglichen zum Rest von Europa. Die meisten extremen Metal Bands von damals hatten einen schlechten Sound und schlechte Ideen. Manchmal klangen sie gerade zu lächerlich. Aber in den letzten acht oder neun Jahren, haben sich die Dinge scheinbar geändert und eine Menge an coolen Bands wurden von ausländischen Labels unter Vertrag genommen, spielen Touren und Shows außerhalb von Spanien. Natürlich sind MECHATEZO, AVULSED und HAEMORRHAGE die wohl bekanntesten Namen, aber ich sollte auch Bands wie FOSCOR, LOOKING FOR AN ANSWER, DISHAMMER, WARCHETYPE, VIDRES A LA SANG, OMISSION, KOGRULL THE EXTERMINATOR, BALMOG, PROFUNDIS TENEBRARUM, TEITANBLOOD, PROCLAMATION oder FREAKHATE erwähnen, die sehr gut und empfehlenswert sind!

Seit dem Erscheinen von „One With The Dead“ ist etwas Zeit vergangen – Schande über mich, dass ich es nicht früher hinbekommen habe das Interview zu machen – und ihr habt sicherlich schon etwas an Feedback von Fans uns Magazinen bekommen. Wie waren die Reaktionen auf euer erstes Full-Length?

Nun, „One With The Dead“ wurde im September 2009 veröffentlicht, das ist noch nicht so lange her. Einige Promos wurden herumgeschickt und das Album hat sich auch ein paar mal Verkauft, also würde ich sagen, dass es ein erfolgreiches Album war. Wir machen auch eine Menge Interviews und wir haben ein paar coole Shows anstehend, das heißt also, dass das Album gut funktioniert hat.
Irgendwie macht es den Anschein, als ob GRAVEYARD nur in zwei Wegen bewertet wurde: Hasst es oder liebt es. Die guten Kritiken haben sich hauptsächlich auf die Songs konzentriert und darauf, dass die Lieder das Feeling, den Punch und die Eingängigkeit haben. Auf der anderen Seite hatten wir einige schlechte Kritiken, die kein Wort über die Songs verloren haben, die haben einfach nur argumentiert, dass wir nicht originell und nur ein Ripp-Off der alten Bands wären. Und weißt du was? Das ist total okay für uns! Wir wollten nie originell sein, wir wollten einfach nur Death Metal machen, in dem Weg, wie es gemacht werden sollte. Wir machen nichts, was nicht schon ENTOMBED, BOLT THROWER, MORBID ANGEL oder CARNAGE zuvor gemacht hätten, aber es ist für uns eine Ehre, nicht das Gegenteil. So zeigen wir unseren Respekt gegenüber diesen sehr wichtigen Bands, die unseren Ohren schon seitdem wir Teenager waren schädigen.

Wie siehst du euer Debüt mit etwas Abstand? Gibt es etwas, womit du heute nicht mehr so ganz zufrieden bist?

Ich liebe die Songs aber natürlich könnte der Sound etwas besser sein. Ich meine, wir haben in einer dreckigen Garage in weniger als zwei Tagen aufgenommen und somit können wir sagen, dass das Resultat gut ist, oder zumindest besser, als wir erwartet haben. Doch nachdem wir die Songs schon einige Male live gespielt haben ist es offensichtlich, dass sie um einiges brutaler klingen mit unserem aktuellen Sound. Neben dieser Sound-Geschichte gibt es aber nichts, was ich ändern wollte!

Mit eurem ersten Album im Rucksack, was sind eure Ziele für die Zukunft? Arbeitet ihr an neuem Material? Wird es einen Split-Release vor Album Nummer Zwei geben? Oder wollt ihr erstmal ein paar Shows und Touren spielen, bevor ihr neues Material schreibt?

Yeah, wir arbeiten an Material für zwei weitere Splits mit REDIMONI und NOMINON. Ich denke nach dem Sommer werden wir mit den Arbeiten an unserem neuen Album anfangen, dass Ende 2010 oder Anfang 2011 erscheinen soll.

Danke Javi für deine Zeit und deine Antworten! Es tut mir Leid, dass es eher ein kurzes Interview geworden ist. Aber GRAVEYARD verdient mindestens ein wenig Support! Ich hoffe, ihr habt noch etwas Erfolg mit „One With The Dead“, die letzten Worte gehören dir!

Danke Christian für deinen Support! Gestern haben wir ankündigen dürfen, dass wir für eine eine kleine Tour durch Schweden gebucht wurden. Wir werden 4 Städte in Schweden im Mai besuchen mit unseren Comrades von NOMINON, es wir ein pure fucking blast! Daneben haben wir noch einige Shows anstehend mit den schwedischen TORMENTED und den italienischen HORRID. Denk daran: Death is real, life is not!


Interview: Chris (Necroslaughter) / Javi (Gitarre/Bass @ Graveyard) · 04.02.2010 / 17.02.2010

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