De Profundis – A Bleak Reflection

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DE PROFUNDIS machen ihrem Namen alle Ehre, kommen „aus der Tiefe“ und reißen den Hörer mit in einen düsteren, weiten Abgrund! Das Zweitwerk „A Bleak Reflektion“ ist ein intensiver, düsterer Schlund extremen Metals, der so weit ist, dass er nicht einfach in eine plumpe Genre-Schublade passt! Das Hauptgerüst könnte man als Dark Metal verstehen, aber ebenso finden sich schwere und wütende Teile aus dem Doom und Death Metal Bereich auf der guten Stunde Spielzeit wieder, wie auch vereinzelte Einsprengsel aus dem Black Metal. Doch das ganze Material ist durchweg progressiv und gewinnt an manchen Stellen majestetische, mal epische und immer wieder überraschende Ausmaße!
Ganz weit im Vordergrund steht Arran McSporran mit seinem 6-Saiter-Fretless-Bass, der einen einfach nur unglaublich geilen Sound hat und an sehr vielen Stellen zum melodieführenden Instrument mutiert. Zwar stehen ihm seine Kollegen in nichts nach, aber dieser Aspekt verleiht DE PROFUNDIS eine eigene, sehr schmackhafte Note!
Bis auf das eher durchschnittliche „Cease To Be“ stimmt auf „A Bleak Reflection“ eigentlich alles! Von leichten, fast fragilen Passagen, die scheinbar nur einen Atemzug lang existieren über böllernde Wutausbrüche mit Blastbeats und sägenden Gitarren, hin zu verzweifelt schleppenden Doom/Post-Hardcore Anfällen bietet das Album eine weite Spanne an abgründigen Emotionen. Melancholie, Depression, Wut und ein unbändiges Bestreben dem Ursprung des Unbefindens zu entkommen. Dabei kommt sogar ein kleiner Hoffnungsschimmer in „Longing“ auf, man vermutet fast eine Reggae-Band, bis sich alles wieder ins Schwere, Progressive steigert, um dann in „The Mourner“ richtig den Frust abzulassen. Doch bis dahin ist ein weiter Weg durch „A Bleak Reflection„! Nach dem richtig guten „The Ephemeral Burden“ – so ein gutes, stimmungsvolles Intro habe ich schon lange nicht mehr gehört – muss man den 11,5-Minuten-Epos „Ablaze In Autumn’s Fire“ durchstehen. Und von der Länge stehen auch „Cold Is The Grave“ oder „The Mourner“ dem ersten richtigen Song auf der Scheibe in nichts nach. Dagegen ist das instrumentelle „Longing“ mit knapp 6 Minuten gerade zu lächerlich kurz, wenn auch nicht weniger Intensiv. Doch die Länge der Songs soll ihnen nie zum Nachteil werden, können sich doch so die vielen Ideen erst richtig zu einer dichten Welt entfalten, die teilweise schöne Kontraste bietet. Ein Blastbeat kann so viel brutaler wirken, wenn er aus einem langsamen, schleppenden Teil voller doomhafter Dissonanz entspringt oder eine majestätische Melodie von Bass und Gitarre stützt.
Wer sich nun vielleicht durch das Schlüsselwort „Dark Metal“ zu Beginn des Reviews abgeschreckt sieht, den muss ich an dieser Stelle beruhigen! Keyboards und nervige Klimpereien gibt es bei DE PROFUNDIS nicht. Dafür düstere, böse und richtig schwere Riffs und tiefen, wütenden Gesang. Der Death Metal Einschlag zeigt sich deutlich in den Songs und macht das Album angenehm dunkel und hart!
Fans progressiver und düsterer Klänge sollten sich „A Bleak Reflection“ nicht entgehen lassen! Diese finstere Reise in eine tiefe Welt ist ein intensives und packendes Erlebnis, das locker einige andere Bands aus dem Dark/Progressive-Sektor in die Tasche steckt und bei dem selbst H.P. Lovecraft ein Nachtlicht zum Schlafen brauchen könnte!

[rating:5]

Infos:
Kolony Records – 01.02.2010
CD – 8 Lieder / 69:03