Carnifex – Hell Chose Me

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Das schlimme an Trends ist ja immer noch, dass viele Bands auf den angesagten Zug aufspringen müssen und der Markt sehr schnell an durchschnittlichen und belanglosen Bands übersättigt ist. Paradebeispiele der letzten Jahre waren der Metalcore und danach der Deathcore, die viele nichtssagende Bands hervorgebracht haben, die meinten, ein paar Breakdowns mache sie zu Helden für die Pit-Karatekämpfer. Schade, dass man durch die meist hohe Quote an Klischees ein gewisses Vorurteil gegenüber gewissen Stilistiken entwickelt. Schön, wenn man dann doch über den eigenen Schatten springt und der ein oder anderen Band aus dem verhassten Genre doch eine Chance gibt. Denn auch wenn CARNIFEX der trendigen Deathcore-Welle zuzuschreiben sind und sie auf nervtötende und unglaublich langweilige Breakdowns nicht verzichten können, sind sie wohl doch eines der Glanzlichter in dem Genre!
Zum Großteil hat „Hell Chose Me“ ordentlich Death Metal getankt. Sowohl aus dem Brutal Death Metal werden heftige Blastbeat-Gewitter samt Gravities herangezogen, böse Riffs alter amerikanischen Schule tauchen hier und dort auf und das Melodiebewusstsein in Verbindung mit technischem Können könnte seinen Ursprung auch bei At The Gates haben, ist aber wohl eher von The Black Dahlia Murder oder Arsis geprägt.
Besonders TBDM kann man bei einigen Leads gut erkennen und der Wechselgesang zwischen hoch und tief zeigt auch gewisse Parallelen. Doch insgesamt agieren CARNIFEX um einiges Härter und „dank“ der Breakdowns noch eine Nummer moderner. Doch so ehrlich muss ich sein: Die fetten Karate-Parts sind nur an wenigen Stellen wirklich nervig! Auch wenn man sie z.B. in „Entombed Monarch„, „Heartless“ oder „The Liars Funeral“ sicher hätte sparen können, da sie hier mehr kaputt machen, als wirklich Nutzen haben, gibt es auch Songs, wo der moderne Mumpitz relativ gut passt. Wie in „The Scope Of Obsession“ oder dem Titeltrack, wo erst in den letzten 10 Sekunden des Songs mit den Stakkatos übertrieben wird.
Wenn man in der Lage ist, über diese Core-Elemente hinwegzusehen, bietet „Hell Chose Me“ erstaunlich brutalen Death Metal. Die Riffs sind wirklich verdammt gut, atmosphärisch aber dennoch hart und dabei meist richtig catchy! Die meisten Songs haben einen sehr hohen Wiedererkennungswert, ohne dabei zu poppig zu sein. Und trotz der Effekthascherei mit den Breakdowns sind keine richtigen Ausfälle auf dem dritten Full-Length von CARNIFEX. Alle Songs bewegen sich auf hohem, teilweise auch technisch hohem Niveau und können selbst mich eingefleischten Core-Hasser gut unterhalten!
Wer schon beim kleinsten Breakdown einen Brechreiz bekommt, dürfte auch hier keinen Spaß haben. Wer sich aber trotz der Masse an aufmerksamkeitsbedürftigen Deathcore-Bands immer noch offen genug sieht, sollte „Hell Chose Me“ definitiv mal antesten! Für direkte Fans des Genres besteht selbstverständlich ein Pflichtkauf!

[rating:4.5]

Infos:
Victory Records – 16.02.2010
CD – 10 Lieder / 34:33 Min.