VA – A Tribute To Nasum

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Verdammt, wie die Zeit vergeht! Vor nicht einmal einem Monat hat sich die Tsunami-Katastrophe von Tailand zum fünften Mal gejährt und mit ihr auch der tragische Tod von Mieszko Talarczyk, dem Frontmann von NASUM. Ein herber Verlust für die Szene, denn NASUM waren wohl das populärste Aushängeschild des Grindcores. Darum war es auch nur eine Frage der Zeit, bis man dieser Legende einen Tribut zollt. Dies ist im Dezember über die Qualitätswerkstatt Power It Up geschehen, die mit ihrem Tribute-Sampler wieder mal Value-For-Money liefern: 53 Bands in über 68 Minuten, sowohl als CD, wie auch in diversen Doppel-Vinyl-Versionen.
Bei dem Popularitätsgrad von NASUM liest sich die Trackslist des Samplers auch entsprechend wie ein Who-Is-Who der Grind-Szene: COLDWORKER, MISERY INDEX, LENG TCH’E, DEATHBOUND, TOTAL FUCKING DESTRUCTION, THE ARSON PROJECT, ROTTEN SOUND, AFGRUND, MUMAKIL, JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE, DEAD INFECTION, ROMPEPROP, NASHGUL, SANITYS DAWN, SPLITTER, BLOCKHEADS, ACCION MUTANTE, EMBALMING THEATRE, OBLIGATORISK TORTYR, WHO’S MY SAVIOUR, MASTIC SCUM, KEITZER, DEPRESSION, GOREGAST, POOSTEW (die mittlerweile leider aufgelöst sind), NYCTOPHOBIC, ABLACH oder BATHTUBE SHITTERS sind nur die populärsten Namen. Und mit PUTRESCENCE und MY COLD EMBRACE sind sogar zwei Bands vertreten, die man wohl nicht primär dem Grindcore zuordnen würde.
Da NASUM eigentlich immer Material auf hohem Niveau geliefert haben, ist schon mehr oder weniger im Vorfeld klar, dass es zumindest songwriterisch nur wenige Ausfälle auf der CD geben wird. Und in der Tat, es sind wirklich nur eine Hand voll Nummern, die man sich hätte sparen können. Interessant wird es erst bei den teilweise sehr eigenwilligen Interpretationen der Songs! Viele Bands haben sich eng an den Originalen orientiert. Andere haben hingegen schon stärker ihren eigenen Stil auf die Lieder gepresst, wie zum Beispiel die obligatorischen Harmonizer-Nummern von ROMPEPROP oder METHADONE ABORTION CLINIC. Und auch wenn ich die Tulpengrinder von ROMPEPROP sehr mag, hier ziehen sie eindeutig den kürzeren! METHADONE ABORION CLINIC kann mich da schon mehr mit ihrer Interpretation überzeugen.
Auch eine interessante „Verwurstung“ liefern DEPRESSION ab, die es sich auch nicht haben nehmen lassen, den Titel des Songs auf deutsch zu übersetzen: „Fantasibilder„. Hier erkennt man deutlich den modrigen Groove von DEPRESSION, was nun nicht negativ gemeint ist. Weniger gelungen finde ich hingegen den typischen JAKA-Stempel.
Richtige herausragend sind die Leistungen von MY COLD EMBRACE, GOREGAST – wusste gar nicht, dass es die noch gibt -, BLACK HOLE OF CALCUTTA und DRUGERY, dicht gefolgt natürlich von den bekannten LENG TCH’E, DEATHBOUND, THE ARSON PROJECT, AFGRUND, COLDWORKER, SPLITTER, etc.pp.
Kleine Enttäuschungen für mich persönlich waren WHO’S MY SAVIOUR, ABLACH oder HORRIFICA, von denen ich etwas mehr erwartet hätte. Den Beitrag von BATHTUBE SHITTERS werte ich einfach mal als humoristische Beigabe von unter 4 Sekunden, haha!
Anonsten geht es mal fetter und grooviger oder rotziger und deutlich punkiger von Statten. Für Abwechslung ist gesorgt, auch wenn gegen Ende der CD ein paar schwächere Nummern dominieren. Hier hätte man vielleicht die Ballung der „großen Namen“ vom Anfang der CD etwas besser verteilen können.
Durch die Diversität der Bands und Beiträge ist natürlich auch Tontechnisch eine weite Spanne gegeben. So gibt es gut produzierte, fette Sounds direkt neben knapp unterdurchschnittlichen Produktionen. Doch der geneigte Grindcore-Fan ist gerade hier auch so einiges gewohnt, dass dies wohl nicht weiter ins Gewicht fällt.

Zugegeben: Knapp 70 Minuten diverser Grindcore ist schon anstrengend. Besonders, wenn die Qualität in Darbietung und Ton moderat abweicht. Dennoch gibt es keinen wirklich schmerzhaften Totalausfall auf „A Tribute To NASUM“ und die Scheibe kann von jedem Grindcore-Fan bedenkenlos gekauft werden, auch wenn der ein oder andere große Name doch auf der Platte fehlt! Also auf zur Webseite von Power It Up und fleißig in den Warenkorb gestapelt!

Keine Wertung bei Samplern!

Infos:
Power It Up – Dezember 2009
CD/2-LP – 53 Lieder / ~68 Min.