Cryptic Tales – Anathema

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Es gibt Bands und Fans, die kommen mit Kritik gar nicht klar. Bei einem schlechten Review wird man direkt beschimpft, man hätte keine Ahnung, die Kritik sei dem Wort „Review“ nicht würdig und so weiter. Doch es gibt auch Bands, die haben genug Eier in der Hose um auch mit schlechter Kritik klar zukommen! So haben mir CRYPTIC TALES nach meinem Totalverriss zur „VII Dogmata Of Mercy“ glatt postalisch ein Dankesschreiben geschickt, dass man sich nur auf Basis solcher Kritiken verbessern könnte – und mir direkt eine weitere CD zum Besprechen beigelegt! Diesmal „Anathema„, das Debütalbum der polnischen Band, die damals noch mehr Death Metal, denn Keyboard Märchen, sorry, Black Metal gemacht hat! Das Teil ist von 1992 und wurde 2009 von Redrum666 wiederveröffentlicht!
Dabei hat man scheinbar wirklich einfach das Original-Tape auf CD gepresst ohne irgendwelche Nachbearbeitung da ran vorgenommen zu haben. Stellenweise rauschen die Songs, wie meine alten Audio-Kassetten und der Sound ist verdammt dünn und rumplig. Für ein Demo würde ich an dieser Stelle beide Augen zudrücken, doch für ein Label-Release in der heutigen Zeit ist der Sound fast schon inakzeptabel! Da habe ich schon bessere Proberaumaufnahmen gehört.
Doch die Aufnahmequalität ist nicht alles, denn damals waren die Produktionen halt nicht immer die besten. Wenn die Musik stimmt, kann man als Fan immer noch gerne ein Auge zudrücken. Doch da hapert es leider auch an einigen Stellen! Zugegeben, die Songs auf „Anathema“ sind alle etwas netter, als auf dem letzten Werk von CRYPTIC TALES. Doch größtenteils kommen sie über das Attribut „nett“ nicht hinaus. Der Opener verliert sich etwas in seiner Progressivität, kommt nicht ganz auf den Punk und klingt stellenweise noch etwas holprig. Besonders der schleppende Refrain und die Keyboards in der Song-Mitte gehen mir etwas auf den Senkel.
Da macht „Steeple Of The Nightmare“ schon einen besseren Eindruck, der Song wirkt schon um einiges böser und direkter. Doch erst „Live In Vineless“ macht eine richtig gute Figur, auch wenn es an manchen Stellen immer noch zu sehr zusammengeschustert wirkt und nicht so ganz wie aus einem Guss. Highlight der Platte ist „In Grave Rotting Is Slowly„, das mit fettem Schweden-Einschlag überzeugen kann. Nur musste man auch hier wieder nervige Keyboards einstreuen! „Voices Inside The Beast“ hätte ebenfalls richtiges Potential gehabt! Das böse Riff zusammen mit dem coolen Chello hätte echt etwas geben können. Leider verliert sich dieser Song auch wieder ins Progressive und leidet abermals an den Keyboards.
Im Allgemeinen hätte es den Songs gut getan, wenn nicht immer (!!) gegen Ende ein krasser Einschnitt kommen würde, damit die Gitarren dann noch gut eine Minute etwas unnützes klimpern müssen. So hätte man „Anathema“ wesentlich kompakter gestalten können, auch wenn es die Songs selber auch nicht mehr gerettet hätte.

Nun weiß ich nicht wirklich, ob eine Wiederveröffentlichung der Scheibe gerechtfertigt ist. Es gibt eigentlich keine richtigen Hits, der Sound ist sehr dürftig und ich sehe darin mehr historischen Charakter für eine Band, die mittlerweile sehr stark ihren Stil geändert hat. Fans von alten Death Metal Bands sollten mehr zu den Nirvana 2002 und Convulse Re-Releases greifen oder sich an jungen Bands, die der alten Schule huldigen probieren. Fatalist oder Entrails wären da eine aktuelle, gute Wahl!

Keine Wertung, weil Re-Release!

Infos:
Redrum666 – 2009
CD – 6 Lieder / 41:00 Min.