Oblomov – Communitas (Deconstructing the Order)

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Oblomov - Communitas
OBLOMOV, das klingt irgendwie nach einen russischem Zaren oder transilvanischen Landsherren. Doch es ist eine tschechische Extrem-Metal Band, die mit „Communitas (Deconstructing the Order)“ ihr zweites Full-Length rausgebracht hat. Und wo Tschechien drauf steht ist (meist) auch qualitativer Metal drin, die Jungens dort unten haben irgendwie ein geschicktes Händchen für Grind/Death-Grind. Diesem Genre haben sich OBLOMOV aber nicht verschrieben, sondern machen extremen Black/Death Metal und gehen ähnliche Richtung wie !T.O.O.H.! was die experimentellen Ideen angeht.
Nüchtern betrachtet machen OBLOMOV auf der rein metallischen Seite ihrer Musik zwar einen ordentlichen Job und liefern nette Songstrukturen wie simple, aber effektive Riffs. Doch wirklich etwas herausragendes liefern sie von der traditionellen Seite nicht wirklich ab.
Nun kommt aber die Experimentierfreude der Band ins Spiel, durch die „Communitas“ auf voller Länge punkten kann! Nach einem transilvanischen Orgel-Intro startet „Masquerade“ noch relativ klassisch, irgendwo zwischen Pagan und Immortal, nur damit „Deconstructing The Order“ doppelt so sehr überraschen kann! Hier werden langsame Streicher und Keyboards über infernalisches Geböller gelegt, bis in einem A Cappella Break der Song eine neue Wendung nimmt und mit einem sehr griffigen Borknagar-Teil im Ohr hängen bleibt! Damit der sich der Song trotz vieler Teile und Elemente nicht zu sehr verläuft, werden bestimmte Themen geschickt wieder aufgegriffen und wiederholt. Diese positive Eigenschaft zieht sich durch das komplette Album und verschafft jedem Lied einen hohen Wiedererkennungswert.
Separation“ ist nur eines von vielen Interludes, die noch eine Nummer experimenteller als die eigentlichen Songs sind und den Hörer nochmals aufhorchen lassen, seine Aufmerksamkeit wieder auf das Album ziehen. Von Offbeat-Trompeten bis zu EBM und chilligem Ambient verwursten OBLOMOV in diesen kleinen Intermezzi die volle Bandbreite an abgedrehten Ideen.
Ship Of Fools“ beschreitet größtenteils wieder klassische Wege, kalt mit vielen Black Metal-Zitaten, doch erinnert in der gesprochenen Stelle mit dem klaren Gesang etwas an Samsas Traum. Vermutet man in „Wings Of The Silver Drake“ den klassischen Pagan Metal mit Mittelalter-Gedulel, liegt man nur zur Hälfte richtig. Spätestens, wenn das Flöten-Thema in ein Saxophon-Solo übergeht, gewinnt der Song, der vorher schon mit einem geilen Refrain ordentlich Punkte eingeheimst hat, nochmals! Für mich das Highlight auf der CD, auch wenn der Song an sich eher melancholisch und schleppend ist. Das Gesamtkonzept zündet dennoch sofort!
Dem zarischen Namen OBLOMOV wird die Band in „Romans 1580“ gerecht, wenn sie majestätisch mit Trompeten untermalt wieder verstärkt in schwarzmetallische Gefilde aufbrechen und einen leichten Dimmu Borgir-Touch bekommen. „Farewell To The Flesh“ enthält eine kleine Hommage an den 70er Rock mit seinem Orgel-Intro und überrascht abermals mit einem Saxophon-Solo und der coolen (Wieder-)Verwendung von Themen. In „Mysterium“ kommt, was bei dieser musikalischen Ausrichtung fast kommen muss: Der Mittelteil mit dem Keyboard-Geklimper erinnert an die alten Die Apokalyptischen Reiter, als sie noch cool waren. Doch auch so ist der Song mit kalter melancholischen Atmosphäre gut gemacht und überrascht mit interessanten Wendungen.
Einziger Schattenpunkt auf „Communitas“ ist „Silencio y Tranquilidad„, ein sehr elektronisch gehaltenes Lied, das nicht so recht an die anderen, härteren Stücke anschließt. Doch dadurch, dass es am Ende der ziemlich vielschichtigen und experimentellen CD ist, stört es nicht sonderlich den Hörfluss und fügt sich als unliebsamer Verwandter doch irgendwie in das Familien-Portrait.

So bleibt nach der guten dreiviertel Stunde ein verdammt vielschichtiges Album, abseits von Trends, aber voller guter Ideen und einer großen Portion Eigenständigkeit. Fans von Akercocke, die es gerne noch experimenteller haben wollen und Freunde genannter !T.O.O.H.! haben hier einen Pflichtkauf vorliegen. Doch auch sonst jeder, der ungewöhnlichen Extrem-Metal sucht, sollte OBLOMOV unbedingt eine Chance geben!

[rating:5]

Infos:
Werewolf Productions – 04.11.2009
CD – 15 Lieder / 47:58 Min