Fall Of Efrafa – Inlé

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Fall Of Efrafa - Inlé
Inlé„, das Ende der musikalischen Interpretation von Richard Adams „Watership Down“ ist gekommen. Und mit diesem leider auch das Ende der britischen Post-Hardcore-Band FALL OF EFRAFA. Nachdem sie eine mehr als berauschende Abschiedstour gegeben haben, ist dieser Umstand doppelt schmerzlich. So finster und minimalistisch das Cover dieses letzten Albums ist, so ist intensiv auch seine Musik. Manch engstirniger Metaller mag sich an dieser Stelle fragen, was Post-Hardcore hier in einem Metal-Zine verloren hat, kann ich nur sagen: FALL OF EFRAFA sind „epic and heavy Post-Hardcore“, so schwer, schleppend und finster, dass sich so manche tolle Doom-Band da locker eine Scheibe von Abschneiden kann! Und von all den Death Metal Bands, die den Düster-Faktor in der Musik vergessen haben, fange ich gar nicht erst an…

Nach gut fünf minütigen, leisen und fast schon fragilen Intro entführt uns das Quintett für knapp 80 Minuten in eine verzweifelte, unglaublich düstere Welt, scheinbar ohne Hoffnung und Ausweg. Sänger Alex lässt seinen finsteren Gefühlen freien Lauf, klingt wütend, verzweifelt, gar resigniert. „Fu Inle“ steigert sich immer weiter in nihilistischen Zorn, erreicht dabei mit Mühe und Not gerade das Midtempo. Leichte Schimmer der Hoffnung glänzen am Horizont auf, wie sie es auch noch später auf dem Album werden. Wie in „Woundwort„, das sich zaghaft in epische, fast transzendentale Sphären wagt. Doch wie sich das für ein ausgereiftes Gesamtwerk gehört, schafft erst das letzte Lied, „Warrem Of Snares“ bis zu dem Punkt zu kommen, wo man das Licht am Ende des Tunnels nicht nur erhofft, sondern erahnen, sich seiner Hoffnung und seinen Träumen von einer schönen, besseren Welt für einen Moment hingeben kann.
Doch bis zu diesem Punkt ist noch ein langer Weg! Zuvor muss man von „Fu Inle“ erstmal durch die „Republic Of Heaven„, dem geilsten Song auf „Inlé„! Das Teil ist ultra fett, richtig schwer und düster, reißt den Zuhörer mit seinem simplen, aber doch effektiven Riffs sofort in den Bann. Man glaubt gar eine Melodie zu erkennen in der dicken Wand des Hasses! Diesen epischen Emotionen steht auch „Burial“ in nichts nach, das ebenso herrlich verzweifelt ist, aber leider dem Besitzer der Doppel-Vinyl verwährt bleibt. Das Lied hat nicht mehr auf die Scheiben gepasst und wurde als separate, einseitige Platte veröffentlicht. Zum Glück gibt es aber das komplette Album zum kostenlosen Download, so dass man auch als Plattenfreund diesen geilen Song hören kann, im Bann von „Inlé“ sogar muss!
Im Laufe der Jahre haben sich FALL OF EFRAFA stark entwickelt; „Inlé“ ist logischerweise das erwachsenste Album der Briten. Hasserfüllt und tief verzweifelt stimmt hier alles, die Instrumentalisierung ist auf das nötigste reduziert, hier ist kein Ton zu viel. Und durch das vornehmlich schleppende Tempo ziehen sich die eh schon überlangen Stücke („Warren Of Snares“ ist über 17 Minuten) zu schier zermürbenden emotionalen Klumpen. Doch gerade die resultierende Atmosphäre macht den unglaublichen Reiz dieses düsteren Alptraums aus!

Der größte Kritikpunkt an dem letzten Kapitel des „Watership Down“-Zyklus kann vielleicht in diesem Tempo liegen. Die Musik ist reduziert, die Lieder schleppen sich durch einen Sumpf der Verzweiflung. Die wütenden Ausbrüche, auch in der Geschwindigkeit, die man vermehrt auf dem grandiosen Erstling „Owsla“ oder noch vereinzelt auf „Elil“ abbekommen hat, fehlen ein wenig auf „Inlé“ – doch vielleicht ist das auch falsch ausgedrückt. Die Alben von FALL OF EFRAFA haben einfach eine komplett unterschiedliche Atmosphäre, resultierend aus den gleichen Emotionen. Darum kann man immer noch sagen, dass „Inlé“ das ausgereifteste Album der Band ist, auch wenn ich persönlich immer noch „Owsla“ meine Lieblingsscheibe der Band nenne, nicht zuletzt wegen der bestehenden Ecken und Kanten und der rohen Songs!
Dennoch: Fans von tief schwarzer, schwerer Musik, aussichtsloser Verzweiflung und großen, epischen Emotionen müssen diese Platte einfach kaufen! So einfach, schwer und kraftvoll wie FALL OF EFRAFA ihre Gefühle und die Geschichte von Adams in Töne umsetzen, schaffen es nicht viele. Rest In Peace, ich werde euch sehr vermissen!

Keine Wertung bei diesem Blick über den Tellerrand. Doch sonst gäbe es 5.98 von 6 Punkten!

Infos:
Denovali – 01.08.2009
CD/LP (mit limitierten Auflagen) – 7 Lieder / 79:31 Min.