Intestinal Disgorge – Sociopath

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Intestinal Disgorge - Sociopath
Eines meiner Lieblingsbücher ist „American Psycho“ von Bret Easton Ellis – und nein, ich habe den Film nicht gesehen und weigere mich auch ihn anzusehen! Jeder, der das Buch gelesen hat, wird mich verstehen – diese kalte Ambivalenz zwischen sauberen Yuppie und brutalem Psychopathen, nackte Gewalt und perverse Gelüste, einfach ein Klassiker. Und in gewisser Hinsicht erinnert mich das 2008er Full-Length von INTESTINAL DISGORGE sehr an „American Psycho“. Nicht zuletzt, weil der kaputte Typ auf dem Cover einen Anzug und eine SM-Maske trägt und der Titel „Sociopath“ ist. Nein, sondern auch, weil die Musik absolut krank, kaputt, frauenverachtend und jenseits allem Schönen ist!

Titel wie „Stupid Fucking Whore Bitch„, „Don’t Fucking Talk To Me Whore„, „Worthless Piece Of Shit Bitch„, „A Champagne Flute Full of Piss“ oder „I’m Going To Kidnap You Bitch“ sprechen Bände der Frauenverachtung und dürften sicherlich den Freunden der PC mehr als sauer aufstoßen. Von so grenzwertigen Songtiteln wie „Pedophile“ ganz zu schweigen. Doch irgendwie gehört diese „lyrische“ Thematik so sehr zu der Musik, wie der extreme Gesang passt. Denn die Band besteht aus 3 Sängern und einem Mädchen für alle Instrumente, die mehr als ordentlich und teilweise sogar technisch sehr anspruchsvoll eingetrümmert wurden! Meint man gar nicht, wenn man den groben Stil der Band beachtet… Doch zurück zu den drei Sängern, die fabrizieren eine schier unglaubliche Variation an Gesangsstilen. Angeblich sollen es 10 unterschiedliche Lärmarten sein, aber ich habe mir nicht die Mühe gemacht zu zählen. Mir reicht es, dass sowohl klarer Gesang, Gangshouts, Growls, relativ typische Grindcore-Schreie und die „Bitch-Screams“ klar zu benennen sind. Letztere sind verdammt anstrengend und hören sich so an, wie der Name vermuten lässt: Nach einer abgestochenen Frau! Teilweise nervt diese Gesangstechnik schon mal, wenn sie inflationär oft eingesetzt wird. Doch auf der anderen Seite ist es genau diese nervtötende Übertreibung, die die Musik erwartet, benötigt, schier aufdrängt!
Neben fast schon banalen groovigem Grindcore reicht die Palette der Musik von derb schleppendem Down-Tempo, fetten Midtempo, treibendem Uptempo über Slam-Death-artige Blastbeats. Die Songs variieren, wo sie nur können. Dabei gibt es oftmals richtig geile Riffs mit bitterböser Atmosphäre. An einigen Stellen verfällt Alleinmusikant Ryan in eine nervenaufreibende Dissonanz, die mir als alter Gorguts, Crowpath und Ulcerate-Fan fast das Pippi in die Augen treibt. Unter dem Strich ist die CD einfach nur krank und fast schon pervers. Doch nicht auf eine plumpe Art, nein, sondern auf eine faszinierende, fast schon intelligente Art. So wie Patrick Bateman auch nicht einfach irgendein dreckiger Serienmörder ist, so haben INTESTINAL DISGORGE auch einen gewissen Stil.

Seid gewarnt, 40 Stücke in 51 Minuten sind wirklich harter Tobak! Das Zeug ist verdammt psychopatisch und jenseits allem anderen Grindcore, Goregrind, Porngrind und dürfte für ungewohnte Ohren nach purem Lärm klingen. Doch für die kleinen perversen Freaks dort draußen, die heimlich Stefan T. Pinternagel und Jörg Buttgereit vergöttern und Bücher über Serienkiller sammeln, die dürften in „Sociopath“ ihr gefundenes Fressen für kuschelige Stunden haben – Verdammt, ich glaube, soeben habe ich mich geoutet…

[rating:5]

Infos:
Rotten Roll Rex – 2008
CD – 40 Lieder / 51:44 Min.