Revocation – Existence Is Futile

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Revocation - Existence Is Futile
REVOCATION bringen frischen Wind in den Thrash Metal, der quasi auf einer oldschool Welle mit Ideen von vor 20 Jahren zu stagnieren droht! Dabei vergisst das junge Trio aus Boston nicht die Wurzeln der Musik und zollt an mehr als einer Stelle den alten Zeiten Tribut, ohne dabei auch nur im entferntesten zu klauen. Auf „Existence Is Futile“ sind die Soli noch als mehr als Hommage denn als Zitat zu sehen.
Doch REVOCATION ist nicht einfach nur eine provokant-erfrischende Thrash Metal-Band mit Traditionsbewusstwein, nein, zurecht erscheint das aktuelle Album auf Relapse Records und strotzt an allen Ecken und Kanten nur so vor Extremität. Nicht, dass nun der ein oder andere Extrema alleinig in Geschwindigkeit und möglichst tiefen Blubbergesang vermutet! So was haben REVOCATION nicht nötig, auch wenn die Jungs schon fickenschnell spielen können. Doch meist werden die technischen Fähigkeiten an den Instrumenten als Mittel zum Zweck und nicht um der Technik Willen eingesetzt. So kommen fast ausschließlich griffige und mitreißende Riffs aus den Boxen, die vor Variabilität und Authentizität nur so tropfen und dennoch ohrwurmhafte Hooklines im Minutentakt einflechten.

Die wirkliche Extremität von REVOCATION liegt darin, dass die Jungs in allen Bereichen des extremen Metals wildern und alles geschickt und homogen in ihre Musik einfließen lassen. Im ersten richtigen Song nach dem Intro „Enter The Hall„, also „Pestilence Reigns“ mischt das Trio neben Bay Area Thrash ordentlich Crust mit in die Musik, „The Brain Scramblers“ könnte von einigen Ideen her locker bei Necrophagist abgeschaut haben, sowie einige spacigere Ideen von Obscura in „Tragedy Of Modern Ages“ vermutet werden könnten. Zwischen drin meint man auch Breaks und Solo-Ideen von Jack Slater oder Macabre in „ReaniManiac“ oder „Dismantle The Dictator“ zu vernehmen, wobei REVOCATION immer wesentlich mehr Ernsthaftigkeit als die Murder Metaller bewahren. Den Schuss Black Metal gibt es dann im instrumentalen „Across Forests And Fjords„, der an einigen Stellen geschickt Immortals Naturliebe widerspiegelt. So wird das zweite Full-Length der Band schnell zu einem wirklich extremen, extrem abwechslungsreichen und stellenweise schon progressiven, technischem Thrash Metal Album, das mit Sicherheit auch auf offene Ohren bei eigentlichen Thrash Hassern treffen wird.

Rotzig frech dreschen REVOCATION ein verspieltes, aber dennoch ernstes Lebenszeichen auf den Markt, das eigentlich nicht im Hype um Dying Fetus auf Relapse und in der Welle anderer Veröffentlichungen untergehen darf! Wie seinerzeit Coroner quasi der Pedant von Death im Thrash Metal waren, sind REVOCATION das Äquivalent zu Decrepit Birth in ihrem Genre: Intelligent, anspruchsvoll, traditionsbewusst und dennoch modern – auch wenn ich zugeben muss, dass bei den jungen Bostonern noch ein paar Ecken und Kanten abgeschliffen werden müssen und ein paar Songs mehr auf den Punkt kommen könnten. Doch das Potential ist da und sollte wirklich Beachtung finden. Die nächsten CD wird definitiv ein paar offene Münder mehr hinterlassen!

[rating:5]

Infos:
Relapse Records – 02.10.2009
CD – 11 Lieder / 47:21 Min.