Avicularia – Born To Be Vile

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Avicularia - Born To Be Vile
Da kommt wieder der Hobby-Arachnologe in mir zum Vorschein: AVICULARIA ist nämlich der wissenschaftliche Artenname der holotypischen Vogelspinnenart, die für den Trivialnamen dieser Familie der Spinnen verantwortlich war. Die erste beschriebene Art heißt heute offiziell AVICULARIA avicularia und wurde bereits im 17. Jahrhundert auf Kupferstichen als vogelfressende, baumbewohnende Spinne dargestellt. Wen wundert es da, dass ebenfalls das Cover von „Born To Be Vile“ eine stilisierte Spinne zeigt.
In der Terraristik ist die Gattung AVICULARIA leider sehr dafür bekannt, dass bei Nachzuchten viele Hybriden im Umlauf sind. Also z.B. Kreuzungen zwischen AVICULARIA avicularia und AVICULARIA versicolor. Doch Befürchtungen in diese Richtung muss man bei der kroatischen Band nur bedingt haben. Denn hier steht düsterer, technischer Death Metal auf dem Programm, der sich höchstens vereinzelt aus dem Grundkonzept herauswagt und mal Blues wie im Titeltrack der CD oder einen avantgardistischen Teil wie im 10-Minuten-Epos „Requiem For Ego“ in die Musik einfließen lässt.
Ebenso die versteckte und eher schüchterne Lebensweise des Namensgebers lässt sich gar nicht auf die progressive Death Metal Band übertragen. Forsch, sehr aggressiv und verdammt bedrohlich trotzt AVICULARIA den potentiellen Bedenken des Terraristen. So böllert das Quartett direkt nach dem Intro schier unglaublich breaklastig in Hyperblast-Geschwindigkeit durch „Spiral Doom“ und hinterlässt offene Münder beim Zuhörer! Denn trotz aller Breaks und Progressivität schaffen es AVICULARIA eingängige Elemente in den Songs zu verstecken, die für Wiedererkennung und Groove sorgen. Nicht zuletzt liegt das auch an der enormen Death-Affinität der Band, die oftmals in bestimmten Teilen und Soli deutlich niederschlägt. Die restliche Musik ist aber deutlich mehr von Immolation und Morbid Angel in den Grundzügen beeinflusst, so dass ein ziemlich düsterer, böser Bastard aus Technik und Progression sowie Bauchgefühl und purem Hass entsteht.
Nahe liegender Bezugspunkt kam aus dem Herkunftsland der namensgebenden Vogelspinne: Fornication aus Brasilien. Alleine von der Beckenarbeit wie auch den experimentierfreudigen Bass-Linien zeigen sich hier deutliche Parallelen, wie auch in den verdammt schnellen Blastbeats. Wiederum mehr von Schuldiner beeinflusst ist der Mut zu extensiven Instrumental-Einlagen, die sich mehr oder minder deutlich in jedem Song, sowie den instrumentalen Intro und „Stand By“ abzeichnen. Dabei findet die geile musikalische Umsetzung in bitterböser Atmosphäre auch passende stimmliche Unterstützung! Tiefe Growls und wütende Schreie sorgen in jedem Song für adäquate Variation.
Neben den restlichen, verdammt guten Songs stechen besonders „Born To Be Vile“ mit dem genannten Blue-Part und das abschließende „Requiem For Ego“ heraus, das sich gegen Ende auch den Einsatz von Cello oder Bratsche erlaubt und nochmals die unheilvolle Stimmung des Albums unterlegt. Davon darf auf dem Nachfolger gerne mehr verwendet werden!
Wer neues technisch-progressives, aber dennoch brutales und schnelles Futter für seine Anlage sucht, das ordentlich düster und böse sein muss, ist definitiv bei AVICULARIA an der richtigen Adresse! Also nicht von Bandnamen und Albumtitel abschrecken lassen (;

[rating:5]

Infos:
Eigenproduktion – 2009
CDr – 8 Lieder / 41:27