Way To End – Desecrated Internal Journey

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Way To End - Desecrated Internal Journey
Scheinbar drehen sich in Frankreich die Uhren anders. Und vor allen Dingen im Bereich des Black Metal scheinen die Menschen aus dem Land der Pantomimen (die tragen immerhin auch Corpsepaint) etwas anders zu ticken, als zum Beispiel die grimmigen Nordmänner. Zugegeben, grimmig sind stellenweise auch die ungewöhnlichen Vertreter dieser Stilistik von Blut Aus Nord oder Glorior Belli, doch gleichsam zeigen sich diese Bands auch verspielt und experimentierfreudig. Und noch kleine Ecke verspielter sind WAY TO END, die in diversen Aspekten die Extrema weiter ausloten. Nihilistisch, düster, verzweifelt und depressiv wird einfach auf sämtliche Konventionen im Black Metal geschissen und sowohl Epos wie auch Minimalismus komplett ignoriert. Auf „Desecrated Internal Journey“ herrscht Technik, Progression und Wahnsinn. Warum noch an irgendwelche Regeln halten, es hat eh keinen Zweck mehr!
Darum klingen WAY TO END auch an manchen stellen wie Gorguts auf dem Black Metal Trip – wobei man auch manchmal die Frage stellen kann, ob diese Mischung aus bösen Gitarren, Jazz und psychopathischem Gesang noch Black Metal oder nur noch pure Schizophrenie ist. Doch insgesamt ist „Desecrated Internal Journey“ trotz allem Wahnsinn noch hörbar, auch wenn die vielschichtigen, teilweise vertrackten Songs sehr anstrengend werden können. Die zermürbende Lärmwand mit kranken Zirkusmelodien in „The Sore Of Creation“ führt dabei die vorhergehenden Stücke in Wahnsinn und avantgardistischer Tonkunst ad Absurdum, um im Abschließenden „No Dreams“ doppelt so sehr mit tragender Instrumental-Epik die zuvor entstandenen Wunden ein wenig zu heilen. Doch bis dahin zeigt sich, wie lang so knapp 40 Minuten doch werden können, wenn die technisch-progressiven Riffs mit vertrakten Breaks, eigensinnigen und dennoch eingängigen Melodien, verschrobenen Drums und unglaublich geilen Bassläufen, die man sogar hören kann, auf hasserfüllten Gesang, im Wechsel gekeift, geschriehen, gegrunzt und gebüllt treffen, nur um dem Hörer in den Mördersongs „A Step Into The Void„, „At The Threshold“ oder „Unconcious Evocation Of A Neverending Search“ einfach die eigenen Gedärme um die Gurgel zu wickeln – auf perfide, metaphorische Art. Und so lang auch der letzte Satz gewesen ist und die zähe Qual des Albums widerspiegelt, so sehr wünscht man sich doch diese Verzweiflung fernab jeder Vernunft. Ein böser, anspruchsvoller, anstrengender Trip der Selbstgeisselung, der auch Freunden von technischem Mindfuck-Death Metal, Doom oder Mathcore gefallen sollte. Finsteres Kino für eine finstere Welt…

[rating:5]

Infos:
Debemur Morti – 25.09.2009
CD – 7 Lieder / 38:15 Min.