Horna – Normalerweise ist es interessanter, schlechte Kritik zu lesen

 

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Während meiner Tätigkeit beim NecroSlaughter habe ich immer wieder Black Metal hören müssen, der mir verdeutlicht hat, dass diese Stilistik einfach nicht meine Baustelle ist. Erst in letzter Zeit konnte ich mich vermehrt den etwas extravaganteren Vertretern dieses Genres öffnen. Doch bereits vor gut drei Jahren hat mich ein Album aufhorchen lassen: „Ääniä Yössä“ von HORNA. Und nachdem mich das aktuelle Album „Musta Kaipuu“ wiederum gänzlich überzeugen konnte, konnte ich auch nicht mehr drum rum, meine erste Black Metal Band zu interviewen! Ältestes Mitglied Shatraug (Gitarre und auch teilweise Vocals) gab bereitwillig Auskunft…


Hallo! Wie geht es dir? Wusstest du, dass HORNA die erste Black Metal Band ist, die ich im NecroSlaughter-Webzine mit einem Interview unterstütze? Normalerweise höre ich nicht so häufig diese Art von Musik, aber ich war direkt positiv beeindruckt, als ich euer Zeug zum ersten mal um 2006 gehört habe. Magst du dich kurz vorstellen, da ich selber nicht weiß, wer überhaupt mein Interview beantwortet?

Hallo! Hier ist Shatraug der die Ehre hat, deine Leserschaft zu entweihen. Ich wusste zuvor gar nichts vom NecroSlaughter und um ehrlich zu sein, ich unterstütze Webzines eigentlich gar nicht. Ich bevorzuge oldschool kopierte und zusammengeklebte Fanzines, aber die werden dieser Tage leider ziemlich selten…

Alle Songs für „Musta Kaipuu“ wurden bei der Aufnahme-Session für euer 2005er-Ablum „Envaatnags Eflos Solf Esgantaavne“ aufgenommen. Dieses Album wurde mit abweichenden Tracklists für die CD und die Doppel-Vinyl veröffentlicht, gab es da einen besonderen Grund für? Darf ich fragen, wie viele Songs aus dieser Session für diesen Release unbenutzt blieben?

Alle Songs sind nun veröffentlich, auf „Musta Kaipuu“ und „Envaatnags Eflos Solf Esgantaavne“ kombiniert. Was macht das, etwa 18 Songs? Der ursprüngliche Grund, warum bei „Envaatnags Eflos Solf Esgantaavne“ auf der CD nur die Hälfte des Materials von der Vinyl war, war um die CD etwas geringschätziger zu halten, um eine letzte vertragliche Verpflichtung gegenüber Woodcut Records zu erfüllen. Wir wollten keine Veröffentlichung mit billiger Scheiße, und somit unsere Fans vor den Kopf stoßen. Am Ende hat es sich als unser bestes Album bisher herausgestellt. Mit „Musta Kaipuu“ haben wir das letzte Kapitel dieser Aufnahmen veröffentlicht, damit jeder, der die Vinyl verpasst hat, die morbiden Lieder auch bekommen kann, ohne auf schlechte MP3-Dateien zurückgreifen zu müssen.

Warum habt ihr euch entschlossen, die Lieder auf dieser Compilation zu veröffentlichen? Und warum habt ihr „Musta Kaipuu“ gerade jetzt veröffentlicht? Ich meine, zwischenzeitlich habt ihr 3 Full-Length und eine Hand voll Splits veröffentlicht, soweit ich weiß… Wer hatte die Idee zu diesem Niemals-bisher-auf-CD-Sampler? Debemur Morti oder ihr? Kannst du mir sagen, auf welchen Releases die Songs zuvor zu hören waren?

Die Idee zu diesem Release war komplett von uns. Da gab es keine Beeinflussung vom Label, selbst wenn Debemur Morti glücklich war, diese Songs veröffentlichen zu dürfen. Das meiste Material von „Musta Kaipuu“ war zuvor auf der Doppel-Vinyl-Version von „Envaatnags Eflos Solf Esgantaavne“ und der Rest war auf der 7“ mit Tenebrae In Perpetuum, „Vuohipaimen“ 7“ und Morbid Tunes of the Black Angels Compilation-Tape #7, einem der besten und längstlaufenden Tape-Compilations bisher – all Hail to Lord Puke!
Einer der Hauptgründe, „Musta Kaipuu“ als ein Album zu veröffentlichen liegt daran, dass das Material so einheitlich ist. Es hat einen dunklen Charakter und Emotionen, die so gut zusammenspielen, in einer Arbeit von sakraler Anbetung. Dieses Zusammenspiel ist der einzige Grund, warum dies ein Full-Length Release ist und nicht einfach eine Compilation. Wir wurden zuvor schon mehrfach gefragt, ob wir unsere 7″-Beiträge als Compilation veröffentlichen. Doch wir haben das abgelehnt und werden das auch solange ablehnen, wie die Band aktiv ist.

Ich mag das Cover-Artwork für dieses Release. Es ist düster und böse und dennoch nicht typisch für den Black Metal. Für mich sieht es etwas nach einem transilvanischem Alptraum aus… Was bedeutet das Artwork? Gibt es eine Relation zum Albumtitel? Da ich kein Finnisch spreche, erschließt sich mir an dieser Stelle leider kein Kontext. Kannst du mir sagen, wer dieses Bild gezeichnet hat?

Das Artwork für „Musta Kaipuu“ wurde von einem sehr talentiertem schweizer Künstler namens Gwabryel gezeichnet, der wahrscheinlich wegen seiner Arbeiten bekannt ist, die von von Lovecraft beeinflusst wurden. Der Titel des Albums bedeutet „schwarze Sehnsucht“ und somit ergibt sich auch eine ganzheitliche Beziehung zum Artwork. Die Idee des Covers wurde inspiriert von dämonischen, nächtlichen Besuchern, die in moderner Wissenschaft als Schlaf-Paralyse bezeichnet werden. Ein jahrhunderte alter Mythos und Obskurität, die das Hauptthema des Songs „Haudanvarjo“ ist. Wo die Sehnsucht zu der Frage kommt, ist der Wunsch, dass der Alptraum wiederkehrt…

Neben eurem Artwork mag ich natürlich auch eure Musik, eure Ideen im Songwriting und diese düsteren, melancholischen Riffs. War diese emotionale, fast depressive Atmosphäre beabsichtigt? Was wollt ihr mit eurer Musik aussagen? Soweit ich weiß seid ihr Satanisten und habt auch satanische Texte. Aber die Musik auf „Musta Kaipuu“ klingt nicht wie dieser typische satanic Black Metal!

Für mich ist diese Musik die Reflexion einer satanischen Seele und wie bei jedem menschlichen Wesen haben wir verschiedenste Gefühle. Und ich denke es würde keinen Sinn machen, unsere Musik oder Kreativität zu limitieren, um etwas hasserfülltes darzustellen. Jemandens Sichtweise auf eine schmale Spur zu verringern würde nur im Nährboden von Dummheit wachsen und würde nichts zur persönlichen Entwicklung beitragen. Melancholie, Dunkelheit, Depression – mit diesen Dingen leben wir unser Leben, umgeben von den Jahreszeiten des Nordens, den langen, sonnenlosen Wintern und dunklen Herbsten. Für mich ist Musik ein Weg zu überleben, Emotionen in Musik zu kleiden und mir selber die Freiheit zu erlauben, mich auszudrücken.

Neben den anderen Songs auf „Musta Kaipuu“ ist ein Song, der anders ist: „Oi Kallis Kotimaa“! Auch wenn ich mir ziemlich sicher bin, dass dies kein heidnischer Saufsong ist, klingen die Vocals doch irgendwie in diese Richtung, wie ein Aufruf nackt und besoffen um’s Lagerfeuer zu tanzen, haha! Worum geht es in dem Song und warum klingt er so anders als die anderen Lieder auf dem Album?

Dieser spezielle Song ist ein alter Militär-Marsch aus dem ersten Weltkrieg. Wir haben bewusst den Text dieser alten Version genommen und nicht die aus dem zweiten Weltkrieg, der anders ist. Ich habe den Song irgendwo gehört und dachte mir, er würde eine gute Metal-Version abgeben. Ein Kopfnicken sowohl zur Folklore, wie auch zu unserem Land. Der Titel heißt übersetzt „Oh edles Vaterland“.

Auf eurer Webseite betont ihr, dass eure Texte satanisch seien und nicht politisch. Warum betont ihr diesen Umstand? Habt ihr auf Grund ehemaliger Mitglieder schon mal Probleme gehabt? Was sagt ihr zu diesem NSBM-Kram und politischen Texten im allgemeinen?

Zu Beginn: Politische Texte haben nichts im Black Metal verloren, da sie die Antithese seiner satanischen Propaganda sind. Wenn Politik in die Musik kommt, dann dient sie nicht mehr dem gleichen Zweck oder zählt zu dem gleichen Genre meiner Meinung nach. Wir hatten verschiedene Probleme in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu spielen, die die gleiche Infektion der deutschen Angst um die Vergangenheit haben und solche Themen viel zu ernst behandeln. Und so Organisationen wie die Antifa haben beschlossen, dass sie gegen HORNA vorgehen müssen und tun alles, damit wir es besonders schwer haben, in diesen Ländern zu spielen. Dann wiederum scheint die Antifa generell gegen Black Metal zu handeln, weil Black Metal nichts ist, was man fürchten muss. Das ist der traurige Stand unserer einst schwarzen Kultur. Nur ein weiteres Musik-Genre, was von allen akzeptiert wird und wo nur das „musikalische Talent“ ernstgenommen wird. Fuck it!

Bist du zufrieden mit dem Ergebnis eurer seltenen Songs auf einer neuen CD? Wie waren die Reaktionen von Fans und anderen Magazinen? Soweit ich weiß gab es auch einige durchschnittliche und schlechte Reviews zu dem Teil. Was hältst du von negativer Kritik?

Normalerweise ist es interessanter, schlechte Kritik zu lesen, als irgendetwas gutes. Wir wissen bereits, was wir erreicht haben und warum manche Lieder existieren. Somit finden wir unsere Befriedigung in der Veröffentlichung und dem Weg dahin. Bisher habe ich von „Musta Kaipuu“ nur positives gehört, wie es das eigentliche Album „Envaatnags Eflos Solf Esgantaavne“ überschattet und ich teile diese Ansicht. Einige der Lieder sind die besten, die wir bisher geschrieben haben. Ansonsten verfolge ich die Medien eigentlich nicht nach Kritiken über meine Musik.

Habt ihr aus dieser Aufnahme-Session noch Songs übrig? Oder wird es mit dem nächsten Release ausschließlich neues Material zu hören geben? Habt ihr bereits neues Material geschrieben und wir können in absehbarer Zeit mit einem Release rechnen? Wird es eine Full-Length, oder sind zuvor wieder ein paar Splits und EPs angedacht?

Aus diesen Aufnahmen ist nichts mehr übrig, alles ist erhältlich. Als nächste Veröffentlichung wird eine Split-7″ mit den Ungarn von Nefarious kommen, die Songs aus der „Sanojesi Äärelle“-Session beinhalten wird. Danach wird es unser erstes, vollständiges Live-Album mit Namen „Vihan Tiellä – Ateenassa 2007“ geben, professionell aufgenommen durch das Mischpult, später im Studio gemischt und gemastert. Für alle Freunde von musikalischen Produktionen wird es hier eine Überraschung geben, das Material wird komplett anders klingen, als die sonstigen, analogen Aufnahmen von HORNA. Es klingt, als ob es eine Studio-Aufnahme wäre! Schlussendlich haben wir momentan keine neuen Songs parat. Also wenn wir mit den Arbeiten zum neuen Album beginnen, wird es definitiv etwas komplett neues werden!

Seid ihr zufrieden mit Debemur Morti? Sie scheinen eine recht gute Reputation in der Black Metal Szene zu genießen. Soweit ich gelesen habe, haben die Franzosen Blut Aus Nord extra Candlelight Records verlassen, um auf Debemur Morti als nächstes ein Vinyl-Only-Release zu haben. Ich mag die Idee, zumal sie wahre Verbundenheit zum Untergrund zeigt!

Ja, wir können uns insgesamt nicht über Debemur Morti beschweren. Er hat alle Vereinbarungen erfüllt und ist bisher schon an einigen Stellen über seine Pflicht hinaus gegangen. Einige der Bands, die auf Debemur Morti sind, interessieren mich nicht, aber das ist seine Vision und sein Geschmack, so wie sein Label laufen sollte, anstatt einem Top-Seller-Trend nachzurennen.

Wo wir gerade über Untergrund und die Franzosen Blut Aus Nord sprechen: Hier lokal hat sich eine neue Band firmiert, die Black Metal mit Blues, Neo-Folk und Neo-Classic kombiniert. Darauf folgte in einem lokalen Internet-Forum direkt die Diskussion, dass dies kein „wahrer Black Metal“ sei, das der wahre Spirit dieser Musik missachtet würde. Wie denkst du über Avantgarde-Bands die ihren eigenen Sound entwickeln und stilfremde Elemente in ihre Musik einfließen lassen? Ich denke da an benannte Blut Aus Nord, die sehr atmosphärisch arbeiten, Glorior Belli, ebenfalls aus Frankreich, die Blues und Southern Rock in die Musik aufnehmen, oder vielleicht auch die amerikanischen Wolves In The Throne Room oder die Iren Altars Of Plague, die episch, fast progressiv vorgehen. In gewisser Hinsicht erachte ich HORNA auch als eigenwillig, da sie auch anders klingen, als viele der Black Metal Bands, die ich bisher gehört habe…

Ich persönlich mag es eigentlich gar nicht, wenn man andere Elemente in die Musik aufnimmt, nur um etwas originelles zu machen, oder einfach um verschiedene Genre zu mischen. Aber ich zum Beispiel nehme Einflüsse aus allem was ich höre. Das ist nur natürlich für einen Musiker, und ich erachte es nicht als was falsches, wenn man Iron Maidens Vorstellungen von Riffs in den Black Metal aufnimmt, wenn man es so hinbekommt, dass es wieder passt. Meiner Meinung nach versagen da viele Bands und ich mag die von dir genannten Bands um ehrlich zu sein nicht sonderlich. Irgendwie geben sie mir nichts und es gibt auch weitaus persönlichere Gründe, warum ich bestimmte Bands nicht mag.

Wie am Anfang des Interviews erwähnt: Ich höre nicht sonderlich viel Black Metal. Darum wäre es wirklich nett, wenn du mir und meinen Lesern ein paar Ratschläge geben könntest. Kannst du ein paar gute Black Metal Bands empfehlen?

Es gibt immer eine Auswahl an guten Klassikern, die meiner Meinung nach nicht mehr erwähnt werden müssen. Jeder kann die großen Namen des Genres selber rausfinden. Ich persönlich habe in letzter Zeit viele Bands gehört, die meine persönliche Empfehlung verdienen, wie Austere, Eternum, Arckanum, Cosmic Church, Noenum, Vritra, Baptism, Craft und Chemin de Haine, zum Beispiel. Natürlich kann ich noch eine lange Liste weiterer Bands empfehlen, aber an dieser Stelle ist es einfach, wenn ihr einen Blick in meinen Mailorder www.grievantee.com werft, da ich dort nichts vertreibe, was ich nicht auch selber hören würde. Ich versuche Qualität über Quantität zu liefern und vieles, was es nicht wert ist, ein Ohr zu leihen, das fliegt direkt in den Müll.

Hier ist es nun, das Ende des Interviews. Vielen Dank für deine Zeit und deine Antworten. Es war mir eine große Ehre HORNA als erste Black Metal Band in meinem Magazin zu haben. Ich hoffe meine Fragen waren nicht zu stumpf und langweilig und du hattest dennoch etwas Freude sie zu beantworten. Wie gewöhnlich, die letzten Worte gehören dir!

Danke für das Interview! Check out www.myspace.com/thetruehorna und www.legion-horna-com für Neuigkeiten, und www.grievantee.com für Musik, die euch vielleicht interessieren könnte. Per omnia in honorem tuo, Satanas!!


Interview: Chris (Necroslaughter) / Shatraug (Gitarre/Gesang @ Horna) · 31.08.2009 / 06.09.2009

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