Dying Fetus – Descend Into Depravity

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Dying Fetus - Descend Into Depravity
Nehme ich den Mund zu voll, wenn ich sage: Kaum ein Death-Grind-Release wurde dieses Jahr so sehr erwartet, wie das neue Album von DYING FETUS? Immerhin ist die Truppe für viele Leute das Aushängeschiff dieses Genres und auch die Vermarktung von Seiten des Labels Relapse Records sprach deutliche Worte: Hier wird alles auf das tollste Pferd im Stall gesetzt! Über alle möglichen Promotions-Wege wie Twitter, Myspace, Facebook, iLike und wie die ganzen Web2.0-Würste heißen, hin zu super tollen Angeboten wie Fan-Pack 1-20, jeweils in erdenklichen Kombinationen von einem limitierten T-Shirt, Variante a-f, CD, Digipak oder limitierter Vinyl in schwarz, durchsichtig oder Death-Grind-Rosa, alles mögliche wurde getan, um „Descend Into Depravity“ zu bewerben. Über so viel Marketing vergesse ich fast die Musik, die über Sampler-Beiträge, sorgfältig ausgewählte Myspace-Songs und den Online-Stream zum Album unter’s Volk gebracht wurden. Da ist schon fast vergessen, dass man auch noch Magazine bemuster muss und entsprechende Promo-CDs (natürlich gebrannt und jedes Lied in 10 Tracks gesplittet, damit man es nicht als MP3 hochladen kann…) kamen erst in der Woche des Releases „zeitnah“ an. Beinahe ironisch, dass man zuvor diverse Vinyl-Ripps auf einschlägigen Seiten runterladen konnte.

Doch all diese Vorgeschichten sind relativ an mir vorbei gezogen. Sicherlich hat man das ein oder andere mitbekommen, aber keine weitere Energie in das Weiterverfolgen investiert. Denn: Was erwartet man von einer neuen DYING FETUS? Death-Grind mit Groove und Technik? Ja, mehr oder minder genau das, und genau das bekommt man auch auf „Descend Into Depravity„, auch ohne Marketing-Bohei! Der zuvor veröffentlichte Song „Your Treachery Will Die With You„, der das Album auch eröffnen darf, ist dabei sehr repräsentativ, alle Elemente, die auch das Album ausmachen, finden hier Verwendung: DYING FETUS-typische Riffs und Grooves, mal mehr rhythmus-orientiert wie auf „Stop At Nothing„, mal mehr technisch-verspielt wie auf „Killing On Adrenaline“ oder „Destroy The Opposition„, quasi eine Mischung aus alten und neuen DYING FETUS. Wie das Aushänge-Schild schon andeutet, könnten auch die folgenden Songs „Shepherd’s Commandment“ oder „Hopeless Insurrection“ ohne Probleme auf „Destroy The Opposition“ passen, auch wenn der mächtige, doch eher geradlinige Groove dieser Meisterscheibe heute nicht in diesem Maße erreicht wird. Dafür bedient sich das Death-Grind-Trio an anderen Elementen, um die Musik abwechslungsreicher zu gestalten! An manchen Stellen klingen die technischen Skalen ein wenig nach Necrophagist und „At What Expense“ oder „Ethos Of Coercion“ haben deutliche Bezüge zum Desponcency-styled Slam-Death. Dabei wächst „At What Expense“ deutlich innerhalb des Songs und überrascht nach einem coolen, düster-technischem Part mit einem Solo – die erstaunlich selten auf „Descend Into Depravity“ auftauchen! Neben dem Titeltrack, der durch seine vielen Breaks sehr abwechslungsreich und vielschichtig ist, dem „Stop at Nothing“ mit flitzeschnellen Technik-Einlagen geprägtem „Conceived Into Enslavement“ und „Shepheard’s Commandment“ ist „At What Expense“ eines der Zuckerstücke des Albums. Da verschmerze ich auch gerne das eher etwas stiefmütterliche „Hopeless Insurrection„, das im Mittelteil leider etwas unter Monotonie leidet.

Im Vorfeld habe ich von „Descend Into Depravity“ eigentlich nichts erwartet. Und dennoch wurden meine Erwartungen voll erfüllt: Wo DYING FETUS drauf steht, ist DYING FETUS drin! Erfreulicherweise eine angenehme Mischung aus den verspielten und technischen Zeiten und dem geradlinig, rhythmus-orientierten Hardcore-Groove von „Stop At Nothing„. So dürften DYING FETUS der Hoffnung von Relapse gerecht werden und eine breite Fanbasis ansprechen.

[rating:5]

Infos:
Relapse Records – 18.09.2009
CD, Digipak, Vinyl – 8 Lieder / 40:59 Min.