Insomnium – Across The Dark

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Insomnium - Across The Dark
Langsam wird es Spätsommer, die Tage werden kürzer und ein wenig kälter. Eigentlich sind sie noch nicht kalt genug um in herbstliche Melancholie zu verfallen. Doch gerade zu einer leicht sehnsüchtigen Traurigkeit läd „Across The Dark„, das vierte Album von INSOMNIUM, ein. Bereits mit dem Cover-Artwork alles geklärt sein: Das Album entbehrt sich jeder Freude – und erhält sich trotz aller Depression dennoch einen kleinen Schimmer Hoffnung. Es ist irgendwie typisch Finnisch.

Doch von wütender Depression sind INSOMNIUM weit entfernt. Dafür leuchten zu viel Hoffnung und träumerische Momenten aus der für melodischen Death Metal ziemlich untypischen Musik. Einige Stellen sind zwar schon relativ typisch und man mag für Bruchteile einer Sekunde schon mal an Götheburg erinnert werden. Doch grundsätzlich fährt INSOMNIUM seine eigene, sphärische und dichte Interpretation von traurigem Death Metal. Mit „Equivalence„, das sich langsam und finster aufbaut, fast schon in Richtung Post-Hardcore deutet, schafft man einen guten Einstieg in die kommende Epik von „Across The Dark„, die man mit „Down With The Sun“ (zu dem heute auch das Video auf Youtube veröffentlicht wurde) und seinen richtig coolen Ideen für Riffs und Klangteppiche wunderschön aufrecht erhalten kann. Man mag soweit ins Träumen von herbstlichen Szenarien kommen, bis dann leider der unpassende klare Gesang in „Where The Last Wave Broke“ die komplette Stimmung einfach nur zerdrischt. Autsch, das war nun ein brutales Erwachen aus einer eigentlich wunderschönen Traumwelt! Dabei können es die Finnen doch wesentlich besser, wie sie in „The Harrowing Years“ oder „The Lay Of Autumn“ beweisen. Letzteres hat zwar ziemlich seichten Gesang, aber dieser ist immer noch passender, als der misslungene Teil in „Where The Last Wave Broke„. Hier werden viele Punkte verspielt, die man im nach hinein auch nicht mehr wirklich gewinnen kann. Auch wenn man in genanntem „The Lay Of Days“ nochmal in ähnliche Richtung wie Post-Hardcore versucht die depressive Verzweiflung aufzubauen, endet man nur melancholisch, wenngleich auch kraftvoll. Und das eher schnellere und ein wenig an Schweden erinnernde „Against The Stream“ wirkt trotz angenehmer Ideen und trauriger Epik an manchen Stellen etwas zu seicht, zu süß und verliert sich in etwas nervigen Keyboards. Gegen Ende reißt die Schwere von „Weight Down With Sorrows“ nochmal den Hörer ein einen dunklen See der Sorgen, wo er sich nochmal der Klangwelt von „Across The Dark“ hingeben kann.

Nach einer dreiviertel Stunde erwacht man nun aus der kalten, von ausbleibendem Sonnenlicht depressiven Herbstlandschaft Finnlands. Etwas irritiert durch unnötig seichte Keyboard-Einlagen an einigen Stellen und die brutale, verstörende Präsenz von unglaublich unpassendem, klaren Gesang. Doch leicht sehnsüchtig verfällt man auch wieder ins Träumen. Von „Equvalence„, „Down With The Sun„, „The Lay Of Autumn“ und selbst „Against The Stream„. Doch leider rettet das nicht die Störpunkte an dieser auf CD gepressten Traumwelt. Und überhaupt: Eigentlich bin ich ja ein Metaller. Melancholie sollte mir eigentlich keinen Spaß machen. Wenn dann wütende und verzweifelte Depression und Auswegslosigkeit wie bei Fall Of Efrafa, Le Pré Où Je Suis Mort oder anderen Post-Hardcore-Bands! Dennoch werde ich mir die ausgewählten Lieder auf meinen MP3-Player packen. Wenn ich im kommenden Herbst leicht schmachtend am Fenster sitze und dem Regen zuschaue…

[rating:4]
(Aber wirklich nur knappe vier Punkte (; )

Infos:
Candlelight Records – 07.09.2009
CD – 8 Lieder / 45:40 Min