Anonima Sequestri – Unsafe, Insane & Forced

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Anonima Sequestri - Unsafe, Insane & Forced
Man war ja mal jung. Unbedarft und mittellos. Wir waren ca. 17 jahre alt, mein Kumpel Martin und ich. Wir lebten in einer vergleichsweise kleinen Stadt und wollten dennoch unbedingt brutale und harte Musik machen. Ich spielte etwas Gitarre, oder zumindest glaubte ich damals, dass ich das könnte. Und der Martin hatte Spaß am Schreien und Grunzen. Also hat man sich den Rechner als Drumcomputer genommen und wöchentlich im Keller der Oma rumgelärmt. Damit die Vocals krasser klangen, haben wir einfach mein altes Gitarren-Multieffektgerät zwischen Mikro und Verstärker geklemmt. Dort den dicken Oktav-Effekt rein und schon waren wir eine ultra rumplige Porngrindband.

Inzwischen sind ein paar Jahre ins Land gezogen, genug, um dies als „Jugendsünde“ abzutun. Eigentlich denke ich gar nicht mehr an diese lustigen Momente. Doch gerade höre ich „Unsafe, Insane & Forced“ von ANONIMA SEQUESTRI und fühle mich nostalgisch zurückversetzt. In infantile Leichtgläubigkeit, die einem den üblen Drumcomputer-Sound als „gar nicht so schlecht“ erscheinen ließ. Und auch der glaube, dass ein Effektgerät und perverse Texte uns zu harten Kerlen machen würden. Doch schon damals wussten wir: Wir wollten schnell sein! Das wollen die italienischen Porngrinder nicht. Sie haben mehr Vorbild bei CBT, die sie auch lustig mit „Anal Sex Terror“ covern. Mitunter der kompositorisch gelungenste Song vom Album.
Alle anderen Lieder wirken einfach nur sehr schnell sehr nervig und plump. Das mag sicherlich auch an dem mageren Sound liegen. Groove braucht Substanz um fett zu sein! So sticht mir lediglich das rumplig-böllernde „Your Cannibal Family Sux“ noch positiv aus dem Matsch hervor, der als Erinnerung zu dieser CD in meinem Kopf bleibt.

… und natürlich der schöne Nostalgie-Faktor. Irgendwie war es schon schön damals. Aber die Zeiten sind vorbei, wir sind heute keine Kinder mehr und können teilweise richtige Musik machen. Welche Ausrede haben ANONIMA SEQUESTRI?

[rating:1]

Infos:
Rotten Roll Rex – 2007
CD – 14 Lieder / 28:39 Min.