27.08.2009 – Fall Of Efrafa in Aachen

 , , , , , ,

2009 - Fall Of EfrafaInfos:
Donnerstag, 27.08.2009 / AZ, Aachen
Eintritt: 6 Euro
Einlass: 20:00h
Beginn: 21:00h

Bands:
Decleyre, Finisterre, Morne, Fall Of Efrafa

Die Frage ist immer wieder: Passt so ein Abend in ein Death Metal und Grindcore-Magazin? Crust, D-Beat und Post-Hardcore? Schlussendlich ist es auch extreme, düstere, wütende und ehrliche Musik. Darum sehe ich in diesem Blick über den Tellerrand durchaus eine Legitimation für die Publikation hier auf dem ‚Slaughter. Aber von Anfang: FALL OF EFRAFA hören auf. Die drei geplanten Alben der Band sind im veröffentlicht und zum Ende gibt es nochmal eine Hand voll Konzerte hier auf dem Festland. Und mit einer „Hand voll“ meine ich wirklich „verdammt wenige“. Darum wollten sich viele Fans es nicht nehmen lassen, die Band ein letztes Mal zu sehen. So kamen Gäste aus den Niederlanden, Belgien, Frankreich und sogar aus den USA (!) um sich das epische Post-Hardcore-Spektakel im doch eher beschaulichen Aachen anzuschauen. Aus diesem Grund war das Konzert aber auch im großen Raum des Autonomen Zentrums, den ich an dieser Stelle das erste Mal bewundern durfte – scheinbar sind Metal-Events wohl zu uninteressant um so eine Menge zu ziehen…

Relativ pünktlich um 21h begann auch schon die erste Band. Sportlich, sportlich, wenn man so spät an einem Wochentag ein Konzert mit vier Bands durchziehen will, wovon der Headliner für seine überlangen Songs bekannt ist! Darum ging es auch schnell zur Sache bei DECLEYRE. Schneller, teilweise chaotischer Hardcore mit vertrackten Beats und Breaks, Mathcore wenn man so will. Dadurch, dass die Truppe an den Instrumenten nur aus Schlagzeug und einer Gitarre besteht, war der Sound vergleichsweise dünn und etwas undifferenziert. Aber mit zwei Gitarren wären die Songs wohl noch unnachvollziehbarer gewesen…
Was ich aber immer noch nicht verstehe: Warum müssen gerade in diesen Genren die Sänger immer mit dem Rücken zum Publikum stehen? Lampenfieber? Aber sympathischer Weise waren der Sänger und die Sängerin im Publikum. Das hatte aber wiederum den Nebeneffekt, dass die Bühne noch eine Nummer größer für die minimalistische Tonfront aussah.
Egal, ich für meinen Teil hatte Spaß an dem abgedrehten Zeug!

Eine Nummer geradliniger wurde es mit den nun folgende FINISTERRE aus Köln. Zwar brauchten die Musiker eine gefühlte Ewigkeit, bis mal alles für den Line-Check stand, dafür war die Musik etwas homogener als beim Opener und konnte die düstere Atmosphäre der Lieder schön besser widerspiegeln. Für mich ist Crust ohne Atmosphäre ziemlich langweilig. So war ich doppelt erfreut, dass das Intro erstmal langsam und beengend daher aus den Boxen schleppte, bis dann mit D-Beat durch die Lieder geholzt wurde. Zum Glück nicht immer im selben Beat, wie es andere Düsterpunks schon mal gerne machen, sondern an einigen Stellen angenehm variabel. Doch insgesamt waren die Songs dann einen Nummer zu monoton, etwas mehr Abwechslung hätte dem Set nicht geschadet. Ein paar sehr gute Momente gab es aber in dem Auftritt und die Sängerin hat guten Job, ebenfalls im Publikum, absolviert! Die Krachkombo werde ich mir auf jeden Fall noch näher unter die Lupe nehmen und bin gespannt, wie sich die Band entwickelt. Für diesen Abend war es eine gute Steigerung.

Die nachfolgende Band MORNE kam aus den USA um Fall Of Efrafa auf der letzten Tour zu unterstützen. Und musikalisch passte das Quartett wohl am ehesten zum Headliner! Düsterer, teilweise mit verträumten Klangteppichen ausgelegter Metal mit ordentlichem Hardcore-Schlag. Metalcore, wenn man so will. Doch alle, die nun an so Kindergarten wie Killswitch Engage denken, kann ich nur ein großes Fuck Off entgegen halten! MORNE sind keine Blümchenmusik für eine heile Welt, MORNE sind richtig wütend und dreckig! So dreckig, dass ein ordentlicher Schlag Sludge die rollende Mischung um fette Riffs und atmosphärische Soli erweiterte! Dieser böse Cocktail ging sofort ins Blut und hat das Publikum schnell in den Vibe der Band gezogen.
Eigentlich ist diese Mischung so gar nicht mein Fall. Doch an diesem Abend hat irgendwie alles gestimmt und die Band konnte wirklich auf ganzer Linie überzeugen! Hochachtung! Wenn es MORNE aus dem fernen Massachusetts nochmal in die Nähe verschlägt, bin ich gerne wieder dabei!

Eine ähnliche Aussage lässt sich leider nicht für den Headliner des Abends treffen. Denn wie eingehend erwähnt, ist dies der Abschied von FALL OF EFRAFA. So war der große Raum im AZ beim Beginn des Auftritts um 23:50 gut gefüllt, als die Band mit „Simulacrum„, dem Opener des letzten Albums „Inle“ ihr Set eröffnete. Anfänglich fielen viele nebenläufige Gespräche im Publikum auf, weil FALL OF EFRAFA stark mit Dynamik arbeitet. Vor einem Crust-Punk-Publikum in einem autonomen Zentrum nicht unbedingt die beste Idee, wie man meinen mag. Doch im folgenden „Fu Inle“ verstummten schnell alle Gespräche und spätestens mit dem direkt hinterher gefeuerten „Republic Of Heaven„, mein Liebling auf der „Inle„, war das Publikum fest in der Hand der von „Watership Down“ inspirierten Band! So entstand eine fast unglaubliche Magie um die gut eineinhalb Stunden Spielzeit, wie ich sie anfangs nicht für möglich gehalten hätte! Entgegen meiner Befürchtungen hat die Band sich auch hinreißen lassen, auf der letzten Tour doch noch ein paar alte Nummer zu spielen, die deutlich schneller und aggressiver als die neuen Lieder sind und so konnte ich mich doch an „Last But Not Least“ von der „Owsla“ erfreuen! Und scheinbar war ich nicht der einzige, denn wie in Trance bewegten sich auch andere Leute im Publikum zum etwas mosh-kompatibleren Sound! Nach dem regulären Auftritt nach etwas mehr als einer Stunde war das Publikum so ekstatisch, dass die Band regelrecht auf die Bühne zurück gebettelt wurde. Nach langen Forderungen einer Zugabe kamen die fünf Briten wieder auf die Bühne und meinten nur, dass sie eigentlich keine Zugaben haben und normalerweise keine geben würden. „It’s just cheesy.“ Aber für Aachen hat die Band noch zwei Lieder in der Tasche gehabt. Scheinbar wirklich spontan und nicht eingeübt. Denn „This is gonna be bad!“ hieß es nur, bevor das Publikum sich weitere 20 Minuten in eine andere, böse Welt zurückziehen konnte. Schlussendlich wurden FALL OF EFRAFA den Erwartungen vollends gerecht: Epic and Powerful Post-Hardcore, unglaublich anstrengend und intensiv, aber dabei auch unglaublich gut!

Nach diesem mitreißenden, verzaubernden Auftritt schleppte ich mich um 1:30 aus dem AZ. Ich war verschwitzt, meine Klamotten stanken nach Rauch und ich musste noch duschen. Morgen, nein heute um 6:30h klingelt der Wecker. Und obwohl ich kaum was getrunken habe, war der Heimweg so anstrengend wie schon lange nicht mehr. So ein intensives Konzerterlebnis hat man (leider) selten und ich bin wirklich froh, dass ich diese Veranstaltung besucht habe! Nun ist die Vorfreude auf die kommenden Konzerte im AZ natürlich groß: Einmal große Doom-Nacht und das erste Black Metal Konzert im AZ mit Altars Of Plage. Ich bin gespannt und langsam wieder regeneriert von diesem Abend…