20.08.2009 – Misery Index in Essen

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2009-08-20 - Misery Index - TurockInfos:
Donnerstag, 20.08.2009 / Turock, Essen
Eintritt: 16 Euro
Einlass: 19:00h
Beginn: 19:30h

Bands:
Psycroptic, Beneath The Massacre, Hate Eternal, Misery Index

Dieser Sommer hat und wird einige hochkarätige Konzerte und Touren bieten! Gut eine Woche nach den großartigen Atheist und Obscura ließ es sich ein dickes Package nicht nehmen, nach Party.san und Summerbreeze auch noch Halt im beschaulichen Turock in Essen zu machen: Psycroptic, Beneath The Massacre, Hate Eternal und Misery Index – wenn auch etwas härter, als das Konzert der vergangenen Woche, nicht minder technisch orientiert.
Dass es an diesem Abend eine Nummer extremer werden sollte, wurde direkt beim Ausschank an der Theke klar. Bei diesem Konzert durften keine Flaschen ausgehändigt werden, weil damit zu rechnen wäre, dass diese als Wurfgeschoss missbraucht werden. Nun gut, trinken wir unser Bier eben aus dem Plastikbecher…
Ein wenig weitere Verwirrung gab es im Vorfeld, da zum einen Informationen von Promoagenturen gestreut wurden, dass Psycroptic und Beneath The Massacre rotierende Slots besetzen würden. Und dann stand noch auf dem Plakat und Flyer zu dieser Veranstaltung, dass ein Special Act den Opener machen würde.

Doch nichts mit Support, pünktlich um 19:30h gingen die Tasmanen PSYCROPTIC auf die Bühne und legten mit „A Calculated Effort“ vom aktuellen Album los. Trotz nur einer Gitarre war der Sound sehr druckvoll und absolut wie auf CD, die Vocals sogar eine Nummer kraftvoller und metallischer! Leider wurde nach dem ersten Song, einem wirklich guten Auftakt, die Luft raus genommen, als es zu Problemen an der Gitarre kam und der Auftritt für gut fünf Minuten unterbrochen werden musste. Anschließend ging die Band zwar souverän im Set weiter und konnte die wenigen Anwesenden vor der Bühne immer noch gut unterhalten, doch irgendwie war der Fluss raus und die Stimmung nicht mehr ganz so gut. Dennoch legte das Quartett eine sehr solide Show hin und konnte mit „Observant„, „Horde in Devolution“ und „The Isle of Disenchantment“ gut überzeugen. Auf die Samples zwischen den Songs hätte man jedoch verzichten können. Insgesamt gefielen mir PSYCROPTIC live wesentlich besser als auf CD und ich wäre an einer längeren Show, ohne Pannen und vor mehr Publikum, durchaus interessiert!

Als nächstes waren nun BENEATH THE MASSACRE an der Reihe und alle Befürchtungen um die Gerüchte des Rotating Slots waren gegessen. Vor der Bühne tummelten sich schon ein paar mehr Leute, als zu Psycroptic und später sollte es auch einiges mehr an Action geben. An dieser Stelle muss ich zugeben, dass ich von den Kanadiern nur die erste EP „Evidence of Inequity“ kenne. Entsprechend überrascht war ich dann beim Auftritt über den erhöhten Hardcore-Anteil in den Liedern, was aber gerade beim Publikum für Begeisterung sorgte. So verwandelten sich die Menschen vor der Bühne schnell in wild pickende Zombie-Hühner und tanzten schamanengleich im Kreis – bei den Außentemperaturen von gefühlten 1000°C hoffentlich ein Regentanz! Doch für mich war das Spektakel auf der Bühne aus musikalischer Hinsicht schnell zu monoton und langweilig. Aus technischer Sicht hingegen bekam man unabhängig der eigentlichen Präferenzen einiges an Kirmes geboten. Die Gitarren klangen fett und sauber – auch in den Frickel-Passagen – und der Bassist malträtierte seinen Sechssaiter äußerst ordentlich. Am positivsten fiel Sänger Elliot auf, der über ein formidables Organ mit cooler Stimme verfügt und optisch wahrscheinlich nur knapp durch’s Spartaner-Film-Casting gefallen ist.

Ein paar Leute mögen sich im Vorfeld gefragt haben, warum HATE ETERNAL nicht den Headliner machen. Doch wenn man sich das restliche Billing anschaut, dann fällt der düstere, recht traditionsbewusste Death Metal von Rutan und seinen Männern schon aus dem Konzept, wo sonst relativ moderne und hardcore-orientierte Bands zu finden sind. Entsprechend war auch leider nicht mehr so viel vor der Bühne los, als das Trio diese betrat. Vor dem Auftritt fiel angenehm auf, dass Rutan keine Star-Allüren an den Tag legte, und sein komplettes Equipment selber aufbaute und verkabelte. Was beim Auftritt leider zu erst auffiel: Der Sound war unterirdisch! Selbst, wenn man die einzelnen Lieder gut kannte, war es durch das undifferenzierte Gerausche der Gitarre sehr schwer etwas zu erkennen und Perlen wie „King Of All Kings„, „Behold Judas„, „I, Monarch„, „Two Demons“ oder „The Vicious Reign“ (auffällig an dieser Stelle, dass der Großteil der Songs vom „I, Monarch„-Ablum stammten) kamen absolut nicht zur verdienten Geltung. Sehr schade! Da konnte auch die souveräne Bühnenshow von Rutan und das erstklassige Drumming von Makoto Mizoguchi nicht viel rausreißen. Erst gegen Ende war der Sound etwas besser, wenn auch immer noch nicht toll. Lediglich der Solo-Effekt der Gitarre war gut hörbar. So rauschte der Auftritt leider relativ an einem vorbei.

Den besten Sound des Abends hatten dann MISERY INDEX, die kurz nach 22h auf die Bühne gingen und trotz zweier Gitarren einen relativ differenzierten Sound hatten. Nun war der Raum auch wieder etwas besser gefüllt, als bei Hate Eternal. Zum Atheist-Konzert jedoch kein Vergleich. Daran störte sich Jason Netherton allerdings wenig und bedankte sich immer wieder für das Erscheinen und freute sich, dass einige Leute die Band zuvor auf dem Summerbreeze oder Death Feast Open Air gesehen hatten. Auch wenn MISERY INDEX technisch super was auf dem Kasten haben und einige freakige Sachen auch gerne mal hier und dort in die Songs einbauen, waren sie doch die eingängigste und nachvollziehbarste Band des Abends. Dieser Umstand wurde ihnen auch umgehend vom Publikum gedankt, die ordentlich Mosh- und Circle-Pit vor der Bühne veranstalteten und Songs wie „Retaliate“ oder „Ruiling Class Cancled“ abfeierten. Die Musiker auf der Bühne taten es dem Publikum gleich und gingen mehr als die anderen Bands des Abends ab. Das Stageacting hielt sich trotzdem im überschaubaren Rahmen. Gegen Ende des Sets zeigten sich ein paar Längen in den Songs, was aber auch sehr gut an den schlecht hörbaren Details gelegen haben könnte. Nach gut einer Stunde durfte dann als Abschluss nicht der Titeltrack der letzten Scheibe „Traitors“ fehlen, bei dem das Publikum zum fleißigen Mitsingen aufgefordert wurde.
Ohne Zugabe endete der Auftritt kurz nach 23h. Insgesamt war die Headliner-Position des Acts im Gesamtzusammenhang absolut gerechtfertigt.

Wie bereits erwähnt waren weniger Leute anwesend als beim letzten Turock-Mosh, worunter sicherlich auch etwas die Stimmung an diesem Abend gelitten hat. Das Publikum hatte dennoch seinen Spaß und sorgte für genug Partystimmung. Auch, wenn der Abend an manchen Stellen seine Längen hatte, war er sehr unterhaltsam und hinterließ bei mir einen guten Eindruck und natürlich den Wunsch Hate Eternal auch mal mit besserem Sound zu sehen. Doch das mag eine andere Geschichte sein… Vorher freue ich mich auf die nächsten anstehenden Konzerte im Turock!