17.+18.07.2009 – Dong Open Air

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2009 - Dong Open Air
17.+18.07.2009 / Dong Berg, Neukirchen – Vluyn

Bands:
Interrobaeng, In December, Splatter and Gore Department, Clanrock, Elexorien, The Very End, Cast In Silence, Ravage, Dornenreich, Rage, Orphan Hate, 7 Seals, Kingdom of Salvation, Sycronomica, Sheephead, Cheeno, Hatred, Failed Perfection, Common Grave, Skyclad, Amorphis

Am 17. und 18. Juli 2009 war es wieder soweit: Open Air auf dem Dongberg. Da ich ursprünglich aus der Ecke Düsseldorf komme und ein Arsch voll mit alten Bekannten jedes Jahr das Dong Open Air besucht, kann auch ich es mir selten nehmen lassen das Dong unsicher zu machen. Dabei ist das Dong Open Air als klassisches Metal-Festival mit breiter Bandzusammensetzung nicht gerade ein musikalischer Höhepunkt des Jahres.
Filtere ich nun das Line Up des Dongs nach allen Bands die dem typischen NecroSlaughter-Leser gefallen könnten (Death, Melodic Death und Thrash), bleiben wir bei folgender kleiner Auswahl:

In December (Thrash Metal)
Splatter and Gore Department (Death Metal)
The Very End (Melodic Death Metal)
Dew-Scented (Thrash Metal)
Orphan Hate (Thrash Metal)
Kingdom Of Salvation (Thrash Metal)
Sheephead (Death Metal)
Hatred (Thrash Metal)
Failed Perfection (Melodic Death Metal)
Common Grave (Death Metal)
Amorphis (Melodic Death Metal)

Und jetzt der Versuch zu jeder dieser Bands irgendetwas aus meinem Gedächtnis zu kramen:

In December wurden als Thrash Metal Band angekündigt und das ist auch schon der Knackpunkt. Da bei In December ein guter Freund spielt, möchte ich mich möglichst nicht beleidigend gegenüber deren Stil äußern. Nichtsdestotrotz machen In December melodischen Metalcore und geben das auch offen zu. Es ist mir völlig unverständlich wie man so eine Band als Thrash deklarieren kann. Man prellt automatisch jeden, der mit der naiven Erwartung vor die Bühne marschiert, dass auch Thrash Metal drin ist wo Thrash Metal drauf steht. Ganz schlechter Einstieg!

Mit Splatter and Gore Department habe ich nun einen Klon vom Klon kennengelernt. SAGD haben mich sehr an Debauchery erinnert, welche ja bekanntlich Six Feet Under nacheifern. Dummerweise orientieren sich SAGD vor allem am Debauchery-Motto: Viel Show, wenig Musik. Diese Show bestand aus einem Metzger, der live ein Schwein zerlegt und mariniert hat, sowie einem Grillmeister, der die Kotletts live auf den Grill geworfen hat. Klingt witzig. Ist es auch. Von der Musik ist mir allerdings rein gar nichts im Kopf hängen geblieben.

Auf Dew-Scented hatte ich mich im Vorfeld schon gefreut, wurde jedoch bitter enttäuscht. Dew-Scented Sänger Leif fiel wegen Krankheit aus. Als Ersatz sollten die großartigen Ravage spielen. Der Ersatz wäre perfekt gewesen, wenn nicht gleichzeitig die Running Order total über den Haufen geworfen worden wäre. So spielten Ravage statt The Very End und The Very End statt Dew-Scented. Da ich The Very End eigentlich gar nicht sehen wollte, verpasste ich somit Ravage und musste mir The Very End trotzdem ansehen. Armselige Scheiße!

The Very End werden dann wenigstens ihrer Stilbezeichnung gerecht: Melodic Death Metal. Leider paaren sich cleane Vocals mit langweiligem Songwriting, so dass ich schnell wieder das Weite suche.

Mit diesen herben Enttäuschungen ging dann der erste Tag zu Ende und mir blieb nur die Flucht in den Suff. Frustriert und verkatert ging es dann am Samstag mit Orphan Hate weiter. Angeführt durch eine Frau machten Orphan Hate wenigstens ein bißchen Druck. Leider wurde auch hier wieder alles mit cleanen Vocals kaputt gemacht. Diese Enttäuschung gab mir immerhin genug Zeit mich mit ausreichend Konterbier zu versorgen.

Kingdom Of Salvation waren danach wenigstens keine Enttäuschung. Man bot technisch anspruchsvollen und irgendwie groovigen Thrash Metal. Darüber hinaus blieb mir aber nur noch der klägliche Versuch im Kopf At The Gates zu covern.

Bei Sheephead haben die Veranstalter offensichtlich das „Melodic“ in der Ankündigung vergessen. Was die Jungs boten war ganz in Ordnung, aber eben weichgespült und nichts besonderes: 0815 Melodic Death Metal.

Hatred bedeuteten helle Freude für jeden Old-School-Thrasher. Treibend und groovig prügelte man sich vorwärts. Nicht so ganz mein Ding muss ich zugeben, aber bis dahin wohl die beste Band des Festivals.

Nachdem ich auf offensichtlich Softie Death Metal von Failed Perfection keine Lust hatte, kam mit Common Grave die tatsächlich beste Band des Festivals auf die Bühne. Endlich Geknüppel! Die Jungs hatten die volle Bandbreite drauf. Mal mit super schnellem Geblaste, mal mit groovigem Double-Bass-Teppich, aber immer auf technisch hohem Niveau ohne frickelig zu klingen. Nach dem genialen Auftritt der vier Jungs aus Regensburg – von dem ich jede Sekunde genossen habe – war der Tag erstmal gerettet.

Den musikalisch erbärmlichen Abschluss des Festivals machten dann Amorphis, die besser als „Gothic Metal“ angekündigt worden wären. Ich hatte mir erst im Vorfeld des Dongs überhaupt etwas von Amorphis angehört und erlangte so schon einen etwas negativen Eindruck. Auf der Bühne wurde dieser Eindruck jedoch noch ordentlich unterboten. Selbst langjährige Amorphis-Fans winkten gähnend ab und gingen lieber die letzten Biermarken versaufen. Diesem Vorhaben habe ich mich umgehend angeschlossen.

Am Sonntag kam zum musikalisch erbärmlichen Abschluss dann noch der organisatorisch erbärmliche Abschluss. Samstag Abend sagte man mir an der Kasse noch, dass ich meine „Dong Dollar“ (Biermarken) am Sonntag Vormittag zurückgeben könne (aber auch erst dann). Das stellte sich jedoch als blanke Lüge heraus und ich sitze heute noch auf drei von diesen blöden Dingern. So verzichtete der geldgierige Veranstalter darauf genau die Besucher fair zu behandeln, die der Bitte nachgekommen waren nicht ihr eigenes Bier mitzubringen. Tolle Wurst! Dank des Wiedersehens von vielen alten Bekannten und dem Auftritt von Common Grave, fuhr ich dann wenigstens mit gemischten Gefühlen nach Hause. Alles andere war kacke.

Nachtrag:
Offensichtlich ist meine – zugegebenerweise sehr negative Kritik – zum Teil falsch angekommen. Ich möchte hiermit klarstellen, dass ich mit meinen scharfen Formulierungen niemanden beleidigen will. Das Dong Open Air war auch dieses Jahr anderen Festivals mit ähnlicher Stilzusammensetzung haushoch überlegen (alleine durch Ticket- und Bierpreise). Trotzdem bin ich zu diesen scharfen Worten gekommen, denn im Vergleich zu den Vorjahren hat das Dong stark abgebaut. Dieses Review ist also kein Produkt meiner unfreundlichen Ader, sondern ein Produkt meiner herben Enttäuschung vom diesjährigen Dong Open Air.