13.-15.08.2009 – Summerbreeze Open Air

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SummerbreezeSommer, oh, Sommer ick hör’ dir trapsen. Und wenn das Wetter pimmelgeil ist, lässt man sich doch gerne spontan zu einem Festival überreden. Passend zum Sommer sollte es das Summerbreeze Open Air in Dinkelsbühl, Bayern sein, das mit einem bunt gemischten Programm zwischen Knüppel aus dem Sack (Suffocation) und dicke Eier aus der Hose (Backyard Babies) um die Gunst des werten Headbangers buhlte.
Um sich die breite Palette munden zu lassen, galt es aber zunächst am Eröffnungstag den mit Schaudern erwarteten Anreisestau zu meistern. Dank guter Verkehrsführung und ausreichend Schleusen an der Geländeeinfahrt (striktes Glasverbot auf dem ganzen Festivalareal), hielt sich die Wartezeit jedoch in Grenzen und so konnten schon bald die ersten Hopfengetränke ihrer Bestimmung zugeführt werden.

Mittwoch
Dass diese ihre Wirkung nicht verfehlten sei an dieser Stelle zu verzeihen, denn die erste interessante Band ging größtenteils in der unendlichen Leere des Schreiberhirns verloren. Das Partyzelt quoll über vor Feierwütigen, so dass sich der Weg zur Bühne, also zu den glorreichen Vomitory, als äußerst unkomfortabel herausstellte. Der Action im Moshpit nach zu urteilen müssen die vier Schweden wohl gut gewesen sein. Blaue Flecken und andere Hämatome sprechen eine eindeutige Sprache.

Donnerstag
Der erste vollwertige Festivaltag startete für alle Necroslaughter-Leser pünktlich um 14:45 Uhr mit Polen Piotr. Trotz matschigem Sound gaben Mr. Vader und seine Söldner alles und konnten mit „Wings„, „Black to the blind“ und „Epitaph“ die Werbetrommel für das neue Langeisen „Necropolis“ rühren. Als Einstieg nicht schlecht doch das ein amtlicher Sound für mehr Aha-Erlebnisse sorgt, bewiesen Jack Slater im Partyzelt, die fulminant mit dem Titelsong des noch aktuellen Werkes „Blut/Macht/Frei“ eröffneten. Unterstützt von Ex-Gitarrero Sobo, der im Rahmen seiner Weltreise gerade in Dinkelsbühl weilte, präsentierten sich die Kölner spielfreudig wie und je. Der Spaß auch einmal an einem etablierten Festival, wie dem Summerbreeze, teilzunehmen, stand allen Musikern ins Gesicht geschrieben und kanalisierte sich durch einen exzellent aufgelegten Horn, der mit seinen urkomischen Ansagen die Fans schnell auf seine Seite brachte. Neben Bandklassikern, wie „Timmy“ und „Eisenwichser“ standen auch zwei frisch auf Plastik gebannte Songs vom hoffentlich bald erscheinenden, neuen Album, die sich wunderbar ins Set integrierten und Jack Slater zum ersten Gewinner des noch jungen Festivals machen sollten.
Weiter ging es mit J.B.O. die eindrucksvoll bewiesen, dass ihre Glanzzeiten lange vorbei sind. Eine von der Songauswahl bis zur Performance einfallslose Show, in der besonders bei neuen Nummer á la „Geh mer halt zu Slayer“ (Melodie von „Vamos á la Playa„) die Stimmung kurz vorm Kältetod am Boden lag.
Zum Glück gibt es aber noch Onkel Mille, der mit seiner ungewollten Komik und der inflationären Nutzung der Titulierung „Ihr Penner“ den Festivalkarren herumriss. Das Set erwies sich als absolut headlinertauglich und Kreator stellten mit „Phobia„, „Tormentor“ und „Coma of souls“ Klassikfreunde sowie Chartteenies mit „Enemy of god“ und „Warcurse“ zufrieden. Als zum Abschluss dann auch noch die unvermeidliche „Flag of Hate“ gehisst wurde und Mille sich zu ungeahnten rhetorischen Höhen aufschwang, gab es kein Halten mehr und das Summerbreeze brachte seine Ehrerbietung mit Schleudertrauma und Prellungen zum Ausdruck. Ganz klar, Kreator stehen völlig zu recht an der Spitze des deutschen Thrash Metals.
Nach so viel Teutonenstahl hätten die Backyard Babies mit ihrem Mitnick-Rock’n’Roll nur gewinnen können, doch der Funke flog nur bis in die ersten Reihen der Pain-Stage und so verpuffte die große Rockshow zu gefälliger Belanglosigkeit, die niemandem wirklich weh tat. „Brand new hate“ und „Dysfunctional Professional“ hin oder her, das war ganz nett aber mehr auch nicht.
Um dem Geklingel und Gedudel von Cantus Buranus aka Corvus Doofrax zu entgehen blieb nur das Partyzelt, wo günstiger Weise Misery Index mit der todesmetallischen Vollbedienung loslegten. O dem do nach do ich do escaninho de Leider dritten a canção eingeschlafen o aufgewacht de Beginn von Ódio Eterno do zu do kurz do nur do und. Ausgeruht dos fins do DES de Hoehepunkt do antro do fuer do nur do mich do ich do habe de Natuerlich. Weiter ging es mit den Brutal Death Urvätern aus New York, die mit einem alles zersägenden Sound das Zirkuszelt fast zum Einsturz brachten. Eine derartige Vehemenz und Brutalität erreichen nur Suffocation. Echt jetzt, jede andere Band wirkt im Vergleich doch wie Kasperletheater. „Liege of inveracity„, „Jesus wept„, „Infecting the crypt“ und das mit einem glänzend aufgelegten Frank Mullen an der Wackelhand, noch Fragen?

Freitag
Den Freitagmorgen konnte man getrost mit Katerpflege verbringen, denn wirklich interessante Bands gab es nicht zu verzeichnen. Als Beispiel mögen hier Psychopunch herhalten, die mit immer gleich klingenden Songs nur ausgewählte Fans begeistern konnten. Als Wachmacher auf einem Metalfestival eher ungeeignet.
Wenden wir uns also lieber Entombed zu, die nach einem geschmackvollen (?) Intro gleich mit „Serpent Saints“ loslegten und sich schnell in einen wahren Riffrausch versetzten. Gitarrist Alex Hellid tat sein bestes an Axt und Backing Gesang und unser kauziger Freund LG Petrov röhrte sich, wie in besten Tagen die Seele aus dem Brustkasten. Dazu passend gab es sympathische Ansagen in teilweise feinstem Deutsch, so dass die Schweden in Windeseile die Painstage im Sack hatten. Insgesamt lag der Fokus eher auf den groovebetonten Stücken, die als Steilvorlage für ausgiebige Headbangaction genutzt wurden. Aus Zeitgründen war leider bereits mit dem aktuellen Überhammer „Masters of death“ Schluss, doch die 45 Minuten zählten wohl zu den besten des Festivals.
Kontrastreich wurden auf der Mainstage im Anschluss die Dudelsäcke ausgepackt und Schandmaul erhöhten den Mitsingfaktor um 200%. „Walpurgisnacht„, „Die letzte Tröte“ und natürlich die Gänsehautnummer „Dein Anblick“ erklangen routiniert wie immer und brachten so manch gestandenen Metaller zum Schunkeln. Eine runde, wenn auch mittlerweile etwas abgegriffene Sache.
Frischer hingegen der stampfende Power Metal der Senkrechtstarter Sabaton, die mit ihrer Kriegslyrik und stoischem Midtempo-Riffing für fliegende Fäuste sorgten. Angenehmerweise befindet sich Sänger Joakims Stimmlage in mittleren Regionen, so dass es auch für Freunde des Grunzmetals recht erträglich war. Zum Abschluss gab es den Ohrwurm „Primo Victoria„, der die Landung der Alliierten an der französischen Küste thematisiert und ein Ausrufezeichen hinter der Sabaton’schen Auftritt setzte.
Nach einer Stärkung bei Dosenfraß und Kaltgetränken am Zelt brach nun das Zeitalter der Wikinger an. Amon Amarth zogen wohl die größte Masse des Festivals, so dass man keine Sorgen haben musste alkoholbedingt umzufallen. Mit einem mittlerweile ausgedehnten Backkatalog, inklusiver einiger wohlbekannter Hits, und einer beängstigen Bühneroutine konnte quasi nichts schief gehen. Johann Hegg nutzte die Bühnenrampen um Bruce Dickson like darüber zu sprinten, was eine gewisse Komik barg, da sich seine Performance wie üblich auf Kopf- und Faustschütteln beschränkte. Nun gut, dem Publikum gefiel es und die Pflichtnummern „The Pursuit of Vikings„, „Victorious March„, „Fate of norns“ und „Guardians of Asgaard“ wurden entsprechend abgefeiert. Daran änderte auch nichts der Bassausfall bei der Zugabe „Cry of the black birds„, das zusammen mit „Death in fire“ das Set beschloss. Wie gewohnt hohes Niveau bei den Nordmännern aber langsam verlieren die oftmals gleichförmigen Songs ihren Reiz.

Samstag
Der letzte Tag des Summerbreeze’ bot nochmal eine Menge Argumente, um den Weg zum Gelände anzutreten, Benighted wären sicher der erste Grund gewesen, jedoch sprach die unchristliche Zeit von 11:00 Uhr dann doch für ein erstes Bier unterm heimischen Pavillon.
Also hieß es etwas später „You’ll never see“ beim klassischen Todesstahl von Grave. Die Schweden zockten sich tight durch’s Programm, konnten jedoch nicht die Stimmung von Entombed erreichen. Dies mag an der umbarmherzig brennenden Sonnen gelegen haben, die an diesem Tag für einige rote Hautstellen verantwortlich gemacht werden konnte oder doch an dem geringern Bewegungsradius der Kulttruppe um Sänger und Gitarrist Ola Lindgren. Ganz so traurig über das Ende des Sets brauchte man, nach dem viel geforderten Hit „Soulless„, also nicht zu sein.
Interessant sollte erst wieder am Nachmittag werden, denn die Excrementory Grindfuckers luden ins Zelt. Besser wäre wohl ein Slot auf einer der Hauptbühnen gewesen, denn bereits zehn Meter vor dem Zirkuszelt war kein Durchkommen mehr. Dass die Band mittlerweile den meisten Metallern bekannt sein dürfte war klar, aber dass es so voll werden sollte hätte ich trotzdem nicht gedacht. So blieb vielen nur das Los des späten Kommens, sprich ein Platz im Durchgangsverkehr und ohne Blick auf die Bühne. Drinnen ging die Grindparty mit „Looking for Grindcore“ und „Staatsgrind Nr. 1„, draußen floss der Schweiß und einige Crowdsurfer versuchten über die Köpfe der Zuhörer ins Zelt zu gelangen.
Grund genug um sich ein schönes Plätzchen für Moonspell zu sichern, die mit einem phänomenalen Sound gesegnet waren. Besonders erwähnenswert der mächtige Bassdrumwumms, der die Hoden ganz schön zum Wackeln brachte. Trotz strahlendem Sonnenschein begeisterten die Portugiesen mit ihrem Düstermetal auf ganzer Linie und konnten das Publikum immer wieder zum Hörnchenrecken animieren. Natürlich durfte das grandiose „Opium“ eben so wenig, wie das final gespielte „Fullmoon Madness“ fehlen. Eine klasse Show und für mich die Überraschung des Festivals.
Den hohen Standard konnten die Niederländer Legion Of The Damned nicht ganz halten, wurde ihr oldschooliger Thrash auf die Dauer doch etwas monoton. Nichtsdestotrotz legten sich die vier mächtig ins Zeug und ließen fleißig die Haare fliegen. Guter Auftritt aber im Grunde nichts was einen wirklich aus den Socken haut.
Dickes Riff, hymnischer Refrain und viel Schmalz im Haar. Na, wer könnte das sein? Richtig, natürlich die Metalaufsteiger von Volbeat. Auf CD und Hallenkonzerten relativ schnell langweilig, für’s Festival genau das Richtige. Mit einem ultra fetten Sound war das Summerbreeze schnell ein hüpfender, mitgröhlender Mob, der einfach Spaß an Stücken aus dem Volbeat-Song-Generator hatte. Zwar halte ich es wirklich für eine Unverschämtheit, einen Überhit, wie „Sad Man’sTongue“ gleich als drittes zu verbraten, jedoch blieb das Set über die vollen 70 Minuten mitreißend. Neben einem flotten neuen Song gab’s die üblichen Verdächtigen „Radio Girl„, „The Human Instrument„, „Mr. & Mrs. Ness“ und zum Abschluss den Anfang von „Raining Blood„, der nochmal für exzessives Headbanging taugte. Definitiv ein würdiger Headliner.
Die nachfolgenden Prog-Thrasher von Voivod liefen aufgrund der Nahrungssuche eher im Hintergrund, konnten jedoch, soweit man das mit einem Ohr beurteilen kann, durchaus überzeugen.
Den Höhepunkt des Festivals sollten laut Plan, die großartigen Opeth setzen, die natürlich die Gelegenheit nutzen wollten nochmals auf ihr aktuelles Album „Watershed“ aufmerksam zu machen. Bereits beim Opener „Heir apparent“ machte sich der mittelmäßige Sound bemerkbar, was für den willigen Opeth-Jünger aber kein Hindernis darstellen sollte. Leider wurde die Gesamtsituation durch technische Probleme an der zweiten Gitarre nicht besser, so dass die Herren um Mikael Akerfeldt ihr Set für ca. 15 Minuten unterbrechen mussten. Da sich Monsieur Akerfeldt etwas wortkarger als gewöhnlich gab, zeigte das Stimmungsbarometer schnell nach unten und sollte sich im Laufe der weiteren Show nur langsam wieder nach oben arbeiten. Ein spontaner Jam im 70er-Funk-Gewand sorgte für ein klein wenig Besserung und das folgende „Soldier of fortune“ brachte die Opeth-Maschine allmählich wieder ins Rollen. Je länger der Abend wurde, desto mehr normalisierte sich die Situation und beim abschließenden „Deliverance“ befand man sich beim gewohnt hohen Opeth-Niveau. Trotz der technischen Ausfälle und einer gewissen Konfusion auf der Bühne, war der Gig annehmbar, wenn auch leider kein wahres Highlight, wie noch zu Beginn erhofft.

Festzuhalten ist, dass das Summerbreeze 2009 sowohl aus organisatorischer Sicht als auch von der Stimmung und Atmosphäre her, ein voller Erfolg war. Die Verkehrssituation wurde auf ein erträgliches Maß an Wartezeit reduziert, die Sauberkeit der Toiletten bzw. Dixies ging in Ordnung und die Bandauswahl war prima. Dazu kommen die durchweg guten Shows, aus meiner Sicht allen voran Kreator, Entombed, Suffocation und Jack Slater, und der meistens druckvolle und definierte Sound. An der Größe des Festivals gib es nichts zu monieren, wenn es auch naturgemäß bei den Headlinern etwas enger wurde. Sollte das Billing im nächsten Jahr ähnlich ansprechend sein, ist ein Besuch des schönen Dinkelsbühl definitiv eine Überlegung wert.