10.08.2009 – Atheist in Essen

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2009-Atheist-turockInfos:
Montag, 10.08.2009 / Turock, Essen
Eintritt: 15 Euro
Einlass: 19:00h
Beginn: 19:30h

Bands:
Gnostic, Oscura, Atheist

Ein Abend mit technisch-progressiven Bands in Essen? Und dazu noch mit ATHEIST, die ich damals auf Grund von verweigertem Urlaub bei der Reunion 2006 in Wacken nicht sehen konnte? Plus den technischen Newcomern des Jahres, OBSCURA? Da ist es dem Metaller doch glatt egal, dass das Konzert an einem Montag Abend ist! Also auf nach Essen, wo das Konzert auch pünktlich um 19:30 begann!

Zum Einstieg gab es ATHEIST-light. GNOSTIC besteht größtenteils aus Mitgliedern der Kult-Prog-Death Metal Band: Steve Flynn (Drums), Chris Baker und Jonathon Thompson (beide Gitarre, wobei letzterer bei GNOSTIC denn Tieftöner macht). Und in entsprechend ähnliche Richtung ging auch die erste Halbe Stunde des Abends: Progressiver Metal mit leichten oldschool Hardcore-Vocals.
Dabei waren GNOSTIC wesentlich geradliniger und nicht ganz so hart, wie die Schwestern-Band. Vertrackte aber dennoch immer groovige Rhythmen gab es trotzdem. Dass die Jungens an ihren Instrumenten sehr fit sind, brauche ich an dieser Stelle wohl nicht mehr erwähnen. Unter diesen Voraussetzungen verlief der Anfang des Abends schon mal sehr gut!

Doch eine deutliche Steigerung des bisher gesehenen gab es, als die Bayern von OBSCURA auf die Bühne kamen. Durch die Professionalität der Band war ein Linecheck scheinbar nicht nötig; zumindest wurde keiner gemacht. Ein Manko an dem Auftritt, denn der Sound der Aufsteiger war ziemlich matschig und undifferenziert. So hatte ich anfangs wirkliche Probleme, die vielen kleinen Details im Opener „The Anticosmic Overload“ zu erkennen. Die Bühnenpräsenz von Steffen Kummerer ließ den unschönen Sound jedoch wieder in den Hintergrund treten! Was der Junge auf der Gitarre abreisst, inklusive gleichzeitigem Gesang, ist wirklich nicht mehr schön! Gleiches gilt natürlich auch für Christian Münzer (Gitarre, ex-Necrophagist) und Jeroen Paul Thesseling (6-saiter fretless Bass, Pestilence), wobei die beiden einfach nicht das imposante Auftreten des Frontmanns haben. Hannes Grossmann hingegen trat alleine durch den Wumms seiner Bassdrums, die den Boden des Turocks zum Vibrieren brachten, in den Vordergrund!
Spätestens mit „Incarnation“ hatte OBSCURA das Publikum voll in der Hand und wurde entsprechend abgefeiert. Das letzte Mal, als ich die Band noch im Vorprogramm von Suffocation in Wermelskirchen (2005) gesehen hatte, waren ähnliche Ansätze zwar bereits erkennbar, doch die durchweg geilen Songs von „Cosmogenesis“ und die neuen Mitglieder haben der Band nochmal einen unglaublichen Schub gegeben, sodass sie zur absoluten Live-Macht mutiert sind.
Erst bei „Noosphere“ fiel mir auf, dass kein zweites Mikro auf der Bühne vorhanden war, denn die Vocoder-Vocals kamen vom Band. Schade, mich hätte wirklich interessiert, wie der Gesang live funktioniert, was eigentlich auch möglich sein sollte…
Doch dieses Detail interessierte sonst niemanden, denn der Auftritt war einfach nur brutal und mächtig. So können sich OBSCURA wohl getrost den Preis für den Gewinner des Abends anheften und ATHEIST unter Zugzwang setzen.

Wie eingehend schon erwähnt, ich hatte weder die Gnade der frühen Geburt um ATHEIST vor der Trennung zu sehen, noch hatte ich 2006 die Gnade des Urlaubs, um der Reunion auf dem Wacken beizuwohnen. Als kompletter Frischling ging ich also in die letzten 45 Minuten des Abends, die kurz nach 21:30h begannen. Wer die CDs der Prog/Tech-Death-Ikone kennt, wurde auf keinen Fall enttäuscht! Live kamen die Hits wie „And The Psychic Saw„, „Unholy War„, „Air„, „Mother Man“ oder „Your Life’s Retribution“ roh und brutal rubber; wesentlich härter als auf CD. Leider waren die Vocals von Frontmann Kelly Shaefer, der mit seinem Kopftuch wieder an Bratt Michaels von Poison erinnerte, viel zu leise. Doch das tat der Stimmung keinen Abbruch, die Leute vor der Bühne feierten ihre lange abwesenden Helden, die es scheinbar ebenfalls genossen nach fast zwei Jahrzehnten wieder eine Tour durch die BRD zu spielen und entsprechend vor Spielfreude strotzten!
Auch wenn die kranken Breaks und schrägen Rhythmen nach den vergleichsweise geradlinigen OBSCURA deutlich anstrengender waren, konnten Atheist mit ihrer Bühnenpräsenz die Lieder sehr gut verkaufen und die Aufmerksamkeit der Fans aufrecht erhalten. Als Zugabe musste anschließend natürlich noch „Piece Of Time“ intoniert werden, was zurecht abgefeiert wurde. Leider endete das Konzert bereits zur un-metallische Zeit von 22:15h, was den berufstätigen Spießermetallern unter uns jedoch zu gute kam, haha!

Auch wenn der Veranstaltungstag an einem Montag und die leichte Verwirrung über die auf den Vorverkaufskarten angekündigten Daath (wer vom Ticketshop ist bitte auf diese Idee gekommen??) vielleicht etwas anderes vermuten lassen, war der Abend ein voller Erfolg! Die Bands überzeugten allesamt und sorgten, trotz eines Wochentages, für eine ordentliche Partystimmung im gut gefüllten Turock. Ich hätte mich echt geärgert, wenn ich dieses Konzert-Highlight verpasst hätte!