My Cold Embrace / Rapture – Schnittmenge

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MY COLD EMBRACE sind eine außergewöhnliche Band im Death Metal. Mit frischen Ideen und atypischen Songs mischen sie schon seit mittlerweile 11 Jahren den Underground auf. Und auch wenn ich die münchener RAPTURE bis zu dieser Veröffentlichung noch nicht kannte, kann ich im Nachhinein sagen, dass diese Band ebenfalls sehr außergewöhnlich ist und abseits sämtlicher Konventionen und Normen agiert.
Auf „Schnittmenge“ haben sich also zwei außergewöhnliche Metalbands zu einer außergewöhnlichen Split-CD zusammengefunden. So überrascht es mehr oder minder (je nachdem, wie gut man den Nonkonformismus der beiden Bands kennt), dass die CD nicht klassisch für MY COLD EMBRACE und RAPTURE aufgeteilt wurde, sondern dass abwechselnd ein Song der beide Bands auf der Scheibe vertreten ist.

Den Auftakt in die jeweils zwei neuen und einen aufbereiteten Song dürfen RAPTURE mit dem quasi prädestinierten „Evil Shade Of Paradise“ machen. Der Song steigert sich in eine ungewöhnliche Ekstase, die nach einem kurzen Akustik-Intermezzo in einer Blasterruption gipfelt und den Hörer erstmal staunen lässt. Was das Sextett mit den den beiden Sängern, Männchen und Weibchen, dort fabriziert, lässt sich kaum in Worte fassen. Es verliert sich nicht in ungekannte Extrema, sondern überrascht durch vollkommene Nonkonformität! Ich bin mir nicht mal sicher, ob man die Band in die die Schublade Death Metal stecken kann. Hier, wie auch in den anderen beiden Songs „After The Bridge“ und „Fed With Hate„, werden Elemente aus verschiedenen Stilistiken zu einer sehr homogenen Masse verbunden und könnten unter dem gemeinsamen Nenner Avantgarde passen. Dennoch sind die Lieder verdammt gut nachvollziehbar und eingängig. Für den Otto-Normal-Metaller dürfte RAPTURE nicht viel taugen. Doch wer sich mit etwas experimentellem Metal abseits des bisher bekannten anfreunden kann, wird hier sicherlich sehr gut bedient. Denn die Songs sind in sich sehr stimmig und gut gemacht. Nur eben abseits vom Massenbild des extremen Metals.

Traditioneller geht es dann schon bei MY COLD EMBRACE zur Sache. Doch an dieser Stelle sei gesagt, dass diese Aussage auch nur relativ zu verstehen ist. Denn mit deutlichen Bezügen zum Punk sind MY COLD EMBRACE keine gewöhnliche Death Metal Band und überraschen mehr als einmal in den drei Liedern mit außergewöhnlichen Riffs, Rhythmen und Breaks. Dabei sind die Lieder aber sehr griffig, schnell und so brutal wie melodisch. Schlussendlich ist den Kasselern wieder ein großer Wurf gelungen, der zeigt, dass MY COLD EMBRACE erwachsener geworden sind. Dies merkt man besonders an der subtileren Verwendung der typischen Merkmale, wie auch am neuen Sänger der Band. Doch auf weitere Details der Entwicklung von MCE gehe ich in der kommenden Kritik zum 2008er „Hausgeist“ ein (; Von eben diesem stammt übrigens der „Remix“ des letzten Songs „Hausgeister (Remix 2009)“ auf der Split-CD!

Die „Schnittmenge“ von RAPTURE und MY COLD EMBRACE bietet eigentlich für alle Metal-Fraktionen etwas. Der Traditionalist mit leichtem Hang zum Besonderen wird auf jeden Fall bei den Kasselern auf seine Kosten kommen. Die Münchener bieten hingegen etwas für den Avantgardisten, der dem „normalen“ Metal überdrüssig ist. Doch schlussendlich wird es wohl leider darauf hinauslaufen, dass lediglich die Fans beider Bands dieses günstige Teil (Preis: 5 Euro) erwerben werden. Schade eigentlich, denn diese beiden Verfechter des DIY und Underground haben definitiv mehr als ein Ohr verdient!

KEINE WERTUNG. Bei jeweils lediglich zwei neuen und einem aufbereiteten Songs ist eine punktuelle Bewertung nicht möglich.

Infos:
666Records – 2009
CD – 6 Lieder / 22:54 Min.