Dysrhythmia – Psychic Maps

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Dysrhythmia - Psychic Maps
Auf unserem lokalen Metal-Stammtisch (ja, so spießig sind wir Metaller!) ist schön öfter die These geäußert worden, dass gerade Fans der extremeren Metal-Richtungen eigentlich in erster Linie auch Freunde von Instrumental-Musik seien. Je extremer die Stilistik, um so mehr wird der Gesang instrumentalisiert und mehr für die Laute, als für den Text eingesetzt. Und irgendwie ist da schon etwas wahres, nachvollziehbares dran.
Und es gibt sehr viele Metalheads, die musikalisch total auf progressives und technisches Zeug stehen. Doch oftmals kann ein Fan von z.B. Dream Theatre nichts im z.B. Necrophagist anfangen, weil ihm schlichtweg das Gegrunze nicht gefällt. Andersherum hat sicherlich auch so mancher Tech-Death-Fan eine Aversion gegen den klaren Gesang von einigen Progressive Metal und Rock Bands.

Hier kommt nun DYSRHYTHMIA ins Spiel! Hier gibt es super technische, komplexe Musik, die aber ohne Gesang auskommt und dabei auch funktioniert! Die drei Musiker sind vielen sicherlich einschlägig aus anderen Metalbands bekannt, so spielen Gitarrist Kevin Hufnagel und Bassist Colin Marston u.a. in Gorguts und der Tieftöner ackert auch bei Behold… The Arctopus (auch einer verdammt technischen Instrumentalband) als Gitarrist. Entsprechende Ähnlichkeiten gibt es auch auf „Psychic Maps„, dem mittlerweile fünften Album der 1999 gegründeten Band. Neben den genannten Gorguts und Behold… The Arctopus sind deutlich die wirren Teile von Cephalic Carnage, Amok und Ephel Duath zu Zeiten von „Pain Necessary To Know“ zu hören.
Klingt auf Anhieb nach hartem Tobak? Kann es sein, wenn man sich wirklich intensiv mit „Psychic Maps“ beschäftigt, muss es aber nicht! Denn beim Hören „nebenbei“ sind die 6 Lieder auf jeden Fall nicht anstrengend und trotz aller Technik nicht aufdringlich. Eher im Gegenteil, viele Riffs sind sehr catchy und haben hohen Wiedererkennungswert! Trotz vieler vertrakter Riffs und Abläufe sind die Lieder sehr nachvollziehbar und alle Technik wird nur bedingt als Selbstzweck eingesetzt. Dadurch, dass die Lieder geschickt zwischen depressiv-schleppend, dissonant-groovend und verstört-chaotisch hin und her pendeln, entsteht eine ziemlich schizophrene, beklemmende – aber dennoch sehr angenehme – Atmosphäre, eine eigene, kleine (Klang-)Welt, in der es verdammt düster ist! Dabei sind sehr viele Wendungen in den Liedern angenehm überraschend, so dass auch zu keiner Zeit Langeweile oder Routine entsteht!

Irgendwo zwischen Technik und Progression, zwischen Mathcore, Grindcore, Death Metal und Jazz ist „Psychic Maps“ ein überraschend gutes Album geworden. Sowohl zum intensiven Hören und verlieren in eine düstere Welt, wie auch zum angenehm-leichten Konsum nebenbei. Hier dürften Technik-Freaks, Prog-Fanatiker und Jazzer richtig auf ihre Kosten kommen, abseits vom allseits scheidenden Gesang und Genre-Einteilungen.

Das schönste: Dank Relapse kann man das Album auch als Fan vorab im Internet als Stream anhören: psychicmaps.info

KEINE WERTUNG, da das Album als Instrumental-Platte außer Konkurrenz agiert.

Infos:
Relapse Records – 10.07.2009
CD – 6 Lieder / 37:18 Min