Infernal Poetry – Nervous System Failure

 , , ,

Infernal Poetry - Nervous System Failure
Als musikalisch offener Mensch war ich zunächst relativ gespannt, als ich in der Band-Beschreibung „Schizo Death Metal“ gelesen habe. Zeitgleich waren aber auch die Zweifel präsent. Immerhin erfinden Bands und Label gerne hanebüchene Schubladen, um den Marketing-Effekt zu erhöhen. Und schlussendlich trifft auf INFERNAL POETRY irgendwie beides zu…

Erstmal vorweg, wer hier Death Metal erwartet, wird sicherlich enttäuscht! In dieser Hinsicht haben eher Bands wie die schweizer Amok oder Cephalic Carnage die Genre-Schublade „Schizo Death Metal“ verdient! Auf dem dritten Full-Length der Italiener findet man nur vereinzelt Elemente des Death Metals, wie eine Hand voll Blastbeats oder ein paar eher todesmetallische Riffs. Und gerade letztere findet man vornehmlich auf der ersten Hälfte der CD. Der restliche Grundtenor von „Nervous System Failure“ besteht aus einigen Stakkatos, modernen Songstrukturen und Riffs, die man sicherlich auch im Nu Metal finden kann, ein paar Breaks im Stile von System Of A Down, einigen Ideen von Straping Young Lad oder Dog Fashion Disco und sehr vielen verrückten, cartoon-artigen Leads und Melodiebögen, wie sie Electrocution 250 in Perfektion beherrschen.
Doch irgendwie klingt mir „Nervous System Failure“ zu sehr wie auf Teufel komm raus. Alleine schon das Intro, das den Zuhörer nochmals ermahnt, dass dies „no conventional metal album“ ist. „If you want to listen to a conventional metal album, please insert a conventional metal album into the player.“ – Bla, bla, bla! Zugegeben, unkonventionell ist die CD vom richtig geilen Coverartwork, bis hin zur Musik. Aber muss man ununterbrochen auf der Andersartigkeit rumreiten oder zwanghaft anders sein? Am besten steht es der Band, wenn sie etwas geradliniger kloppt und nicht so verkrampft versucht verrückte Melodien oder kranke Teile aneinander zu reihen. „DriveGig DriveGig“ ist richtig nett. Und auch „Forbidden Apples“ kann mich überzeugen, die Melodielinien klingen fast nach einer dissonanten Persiflage auf Necrophagist.
Im restlichen Album fehlt es mir aber dann doch wieder an Groove und Feeling. Alles wirkt konstruiert und nicht wirklich organisch gewachsen. Dennoch hat die Band auch viele gute Ideen!

Technisch sicherlich ordentlich und auch eine angenehme, härtere Abwechslung zu genannten SYL. Aber ich für meinen Teil höre mir lieber nochmal die instrumentale „Electric Cartoon Music From Hell“ von Electrocution 250. Die Band weiß wenigstens, wann der Kopf mal etwas vor dem Bauchgefühl zurücktreten muss und lassen auch mal heilloses Chaos regieren…

[rating:3.5]

Infos:
Casket Music / 25.05.2009
CD – 13 Lieder / 40:10 Min.