Dead – In The Bondage Of Vice

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Dead - In The Bondage Of Vice
Wer sich auch nur ansatzweise für Porngrind interessiert hat, ist sicherlich auch über das Urgestein DEAD gestolpert! Anders als viele ihrer damaligen Kollegen im Grindcore/Goregrind und ihrer heutigen Mitstreiter im Porngrind selber, hat das Trio aus Nürnberg nicht primär Wert auf möderische Geschwindigkeit und Harmonizer-verzerrte Vocals gelegt, sondern bewusst mit langsameren, groovenderen Tempo eine dreckige Atmosphäre erzeugt.

Und auf „In The Bondage Of Vice„, ihrem vierten Full-Length, wenn ich nun richtig zählen kann, setzen DEAD ihren Weg konsequent fort! Angefangen beim Cover, das mal wieder diesen Charme von leicht schmieriger 70er-Jahre „Erotik“ hat, ohne ins Vulgäre oder Perverse abzudriften, wie es in diesem Genre schnell mal passiert bis, hin zum dreckigen oldschool Gore/Porngrind-Sound, der jedem Fan der ersten beiden Carcass-Scheiben ein feuchtes Höschen schenken sollte. Hier wird die dreckige alte Schule gelebt und zelebriert, wofür man die drei Jungs nun lieben oder hassen kann!
Und auch musikalisch bekommt man das, was man erwartet: dreckig-groovigen Grindcore! Doch zugegebener Maßen frage ich mich: Waren DEAD schon immer so schnell? Egal, die vielen Blastbeats und Uptempo-Passagen auf der ersten Hälfte der CD stehen der Truppe verdammt gut! Durch die mehr punkigen Stücke in der zweiten Hälfte der CD ist „In The Bondage Of Vice“ ein verdammt abwechslungsreiches und kurzweiliges Album geworden! Der schöne Leichenhallen-Groove alter Carcass tropft immer wieder zwischen den Blastbeats von „Borderline Baby„, „Dixi Driver„, „Asstronaut“ oder dem Titeltrack hervor. Allesamt sehr brutale und für DEAD ziemlich fixe Nummern! Langsam, aber dennoch groovy präsentiert sich „Lowered Expectations„, entfaltet sich im Songverlauf aber zu einer richtig energiegeladenen Nummer. Ebenfalls schleppend ist „Church Of Alcohol„. Doch das heißt nicht, dass die Nummer schlecht ist! Im Gegenteil, auf der CD ist eigentlich keine schlechte oder schlechtere Nummer! Trotz der Abwechslung und vielleicht etwas seltsamen Elemente – „Free Cocaine“ erinnert mich an die Frühphase von Nirvana – rauscht lediglich „Drop The Soap“ etwas an mir vorbei. Die anderen 11 Songs (das Intro „(.)(.)“ und das quasi Outro „Bag Of Fuck“ mal außen vor gelassen) sind verdammt catchy und eingängig. Besonders das Riff im Titeltrack und die Gangshouts in „Dixi Driver“ haben einen hohen Wiedererkennungswert, was im Porngrind eigentlich eine Seltenheit ist!

Auf „In The Bondage Of Vice“ scheißen DEAD ganz einfach auf alle Innovationen und Genre-Konventionen. Das Ergebnis ist eine verdammt dreckige, groovige Platte mit verdammt viel Charme und Hit-Potential. Und das abseits des Massengeschmacks. Das Teil ist eine der besten Platten dieses Jahres und definitiv die beste im Porngrind. Wer bisher nichts mit diesem Harmonizer- und Fäkalien-verseuchten Stumpf-Genre anfangen konnte, sollte „In The Bondage Of Vice“ dennoch mal anhören. Denn DEAD sind anders als ihre Kollegen, DEAD sind richtig gut! An dieser Stelle drücke ich einfach mal ein halbes Auge zu und vergebe ausnahmsweise die Höchstwertung!

[rating:6]

Infos:
War Antheme Records / 19.07.2009
CD – 13 Lieder / 35:47 Min.