Anaal Nathrakh – Der schleimige Strudel in der Badewanne allem Extremen

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ANAAL NATHRAKH sind eine außergewöhnliche Band, die mit „In The Constellation Of The Black Widow“ ein hervorragendes und extremes Album abgeliefert hat. Und bei genauerem Nachfragen kamen auch ziemlich interessante Antworten von Sänger V.I.T.R.I.O.L., die zum einen noch deutliche Wurzeln im Black Metal zeigen und zum anderen doch ein wenig zum Nachdenken anregen. Ich für meinen Teil habe schöne neue Denkanstöße mitbekommen… Viel Spaß beim Lesen!


In The Constellation Of The Black WidowHallo V.I.T.R.I.O.L.! Wie geht es dir? Vielen Dank, dass du mir und dem NecroSlaughter-Webzine ein Interview gibst! An erster Stelle Gratulation zu einem so großartigen Album, wie es „In The Constellation Of The Black Widow“ ist! Es ist eine verdammt starke, unterhaltsame, vielseitige und intensive Scheibe. Und soweit ich sehen konnte, habt ihr meine Kritik bereits gesehen und in eurem Forum verlinkt?

Danke, ich bin froh, dass es dir gefällt! Und ja, ich habe das Review übersetzt und in unser Forum gestellt. Es ist ein gutes Review, aber nicht alle unserer Benutzer verstehen deutsch. Wir sind sehr zufrieden mit dem, was aus dem Album geworden ist. Natürlich sagen die meisten Bands das gleiche über ihr neues Album, aber in diesem Fall ist das Gefühl bei uns wesentlich stärker, als bei den vorigen Veröffentlichungen. Gerade heute habe ich Kopien des fertigen Produkts erhalten und es ist einfach was Besonderes.

Da ihr das erste Mal in meinem Webzine seid, müssen auch ein paar dämliche Vorstellungs-Fragen sein, haha! Also, was sind eure Einflüsse für euren innovativen und kranken Bastard von Musik? Ich höre eine Menge schwedischer Death Metal Gitarren, Grindcore-Schreie, US Blastbeats und Dark Metal Atmosphäre neben vielen weiteren kleinen Elementen auf „In The Constellation Of The Black Widow“.

anaal_nathrakh-guitarNun, eigentlich keines von dem genannten. Mick war niemals so wirklich tief im schwedischen Death Metal. Er hat lediglich viel Zeit in das Experimentieren mit Gitarren-Sounds investiert, bis er einen gefunden hat, der ihm gefallen hat und der gemein genug klang. Er hat niemals einen schwedischen Sound beabsichtigt oder einen bestimmten Sound im allgemeinen. Ich denke sein favorisierter Gitarren-Sound war Euronymous auf „De Mysteriis Dom Sathanas“, aber er wollte diesen Klang auch nicht direkt nachahnem. Das gleiche gilt auch für die Drums. Um ehrlich zu sein, ich denke nicht, dass die Drums technisch gesehen das gleiche wie dieser US Death Metal Kram sind. Sie passen eher in leicht abgewandelte Pattern des Black Metal.
Die Schreie versuchen auch nicht nach Grindcore zu klingen. Ich höre einfach verschieden, grauenvolle Klänge in meinem Kopf, wenn ich die Musik höre und ich versuche diese Töne nachzuahmen, wenn wir die Lieder aufnehmen.
Und ich bin mir nicht ganz sicher, was Dark Metal ist! Unter der Linie interessieren wir uns nicht sonderlich für Genre-Einteilungen. Wir machen lediglich die Musik, von der wir denken, dass sie gut klingt. Soweit es uns angeht, sind Genre völlig irrelevant. Wir sind der schleimige Strudel der sich im Abflussloch der Badewanne allem Extremen bildet. (Woozza! Was für eine Metapher! – Anm. d. Übersetzers)

Um ehrlich zu sein, habe ich mich vor „In The Constellation Of The Black Widow“ nie mit ANAAL NATHRAKH beschäftigt. Aber soweit ich im Internet recherchieren konnte habt ihr als eine Art Black Metal Band angefangen. Doch zumindest heute sind vielerlei Einflüsse in eurer Musik. Wie würdest du eure Entwicklung beschreiben?

Die ist ziemlich gerade heraus. Wir haben als eine rohe Black Metal Band angefangen, denn das war die Art von Musik, die wir gemeinsam mochten. Aber wir wollten etwas machen, das fieser war, als das, was all die anderen Bands zu dieser Zeit gemacht haben. Und sobald wir angefangen hatten, haben wir aufgehört uns um Stilistiken Gedanken zu machen. Seither machen wir einfach die Musik von der wir denken, dass sich ANAAL NATHRAKH so anhören sollte. Rigoros aggressiv, chaotisch, aber in einem Weg, der immer noch die Aufmerksamkeit des Hörers hält und einige Teile beinhaltet, die in Erinnerung bleiben. Stärke in der Tiefe. Es gibt Elemente, die du als Einflüsse aufzählen kannst: Alte Mayhem, Extreme Noise Terror, alte Arcturus im klaren Gesang und so weiter. Aber diese Teile sind nur Bestand unseres musikalischen Hintergrunds. Wir haben nie versucht wie etwas bestimmtes zu klingen.

Wie wird sich denn ANAAL NATHRAKH in Zukunft entwickeln? Kannst du dir neue Einflüsse vorstellen? Habt ihr vielleicht schon Pläne für das nächste Album? Oder wächst es wie in einem natürlichen Prozess heran?

Ich weiß es nicht. Wir werden es nicht wissen, bis es passiert. Das ist Teil des Umstands, dass wir nur das Spielen, was sich richtig anfühlt. Wir werden wohl nie „nett“ werden. Das nächste Album wird abscheulich, das ist alles, was ich mit Sicherheit sagen kann!

Wie würdest du denn die Musik von ANAAL NATHRAKH beschreiben? In welche Schublade passt ihre wohl am besten? Was hältst du von der ganzen Genre-Mentalität? (Wäre das Interview nicht per eMail gemacht worden, wäre diese Frage nie gestellt worden… – Anm. d. Verf.)

Nun, ich nehme an, dass du an Hand der letzten paar Antworten die Antwort auf diese Frage selber herausfinden kannst. Wenn ich wirklich eine Schublade benennen muss, würde ich sagen extreme Musik, die aus dem Black Metal entstanden ist. Wir sind wohl kaum eine typische Black Metal Band, aber das ist immer noch der Stil, der uns meiner Meinung nach am nächsten kommt. Wo ich das nun gesagt habe… wenn du diese Beschreibung nun jemanden gibst, der uns zuvor noch nie gehört hat, würde er wohl etwas Anderes erwarten, als wir tatsächlich spielen. Aber wir haben auch gar kein Interesse an irgendwelchen Genren. Die sind nur interessant für Leute, die Musik beschreiben wollen, nachdem sie gemacht wurde. Es sind nutzlose Worte, wenn es dann zum Prozess des eigentlichen Musikmachens kommt. Leute, die zu sehr in dieser Genre-Mentalität agieren machen auf mich den Eindruck, als ob sie zu viel Wert auf die Meinung von Außerhalb legen – Entscheide selber, ob du es magst oder nicht, sei ein selbst-bestimmendes Individuum. Nichts weiter zählt.

anaal_nathrakh-duoWarum seid ihr eigentlich nur zu zweit? Wollt ihr keine weiteren Mitglieder in der Band oder mangelt es an willigen Musikern in England? Oder denkt ihr, dass weitere Musiker schlechten Einfluss auf eure Musik haben könnten, haha?

Die Frage ist falsch. Die eigentliche Frage ist, warum sollten wir was ändern wollen? Wir fühlen nicht das Bedürfnis weiter Mitglieder aufzunehmen. Und die letzte deiner Thesen ist nicht mal so weit von der Wahrheit entfernt. Wenn Leute vollwertiges Mitglied einer Band sind, kommt sehr schnell ein „Yeah, das klingt gut, aber was wir machen müssen ist…“. Aber es interessiert uns nicht, was irgendwer sonst denkt, was wir machen sollten. Wir sind nicht ganz so tyrannisch und arrogant, wie es nun klingen mag, aber wir sind durchweg glücklich mit der Möglichkeit Musik zumachen, so wie die Dinge aktuell sind. Live ist natürlich eine ganz andere Sache und wir hatten auch richtiges Glück die richtigen Leute für diesen Job zu finden. Besonders Steven ist ein unglaublicher Schlagzeuger. Zwei Leute auf der Bühne umgeben von Computern ist okay, wenn du Whitehouse schaust. Aber für unser Zeug brauchst du eine vollwertige Band für mehr Energie und Reaktionen in den Eingeweiden. Bei Live-Shows geht es um die Ausscheidung von Körperflüssigkeiten – Blut, Schweiß und Rotz. Und dafür brauchst du ein richtiges Line-Up!

Wie oben schon erwähnt, bisher habe ich mich noch nicht genauer mit euch beschäftigt. Aber ich habe gelesen, dass ihr nie eure Texte veröffentlicht. Stimmt das? Warum teilt ihr nicht eure Lyrik mit euren Fans?

Das stimmt. Wir erschaffen Atmosphäre und Gefühle und handeln nicht mit Grundsatzerklärungen. Musik ist ein interessantes Medium für Kommunikation, denn es ist nicht ausschließlich für Kommunikation gedacht – es ist auch für Ausdruck, was ein etwas anderes Ding ist. Und die Themen, die ANAAL NATHRAKH behandelt sind nicht dazu da, damit wir sie den Leuten erzählen, sondern weil ich sie interessant und ausdrucksstark, also ergänzend zur Musik finde. Wenn das komisch klingt, denkt mal darüber nach: Im eigentlichen Klang der Musik ist ein Schlag auf eine Trommel keine Aussage, oder ein Anspruch oder so was. Nein, er ist einfach da, weil er sich dort gut anhört und die musikalische Idee der Person ausdrückt, die die Musik geschrieben hat. Als Zuhörer musst du nicht wissen, welche Becken da gerade geschlagen wurden. Es reicht, dass sie da sind und ihren Job machen. Darum kommen Alben auch ohne Gitarren-Tabulaturen. Und ich sehe Texte in einem ähnlichen Licht. Ich versuche sicher zu gehen, dass du gewisse Teile verstehst, kleine Happen, die einen groben Aufschluss über das geben, was gerade vor sich geht und genug, damit du die Atmosphäre aufsaugen kannst. Und vielleicht auch etwas, was dich zum Nachdenken oder Recherchieren anregt. Aber mehr als das erscheint mir nicht notwendig und ich denke, das beschwört auch ein wenig Mystik herauf.

Darf ich dich dennoch Fragen, welche Themen du lyrisch behandelst? Oder kannst du vielleicht auch Auskunft über bestimmte Texte geben? Deine Liedtitel klingen ziemlich interessant und ich würde schon gerne etwas mehr erfahren…

anaal_nathrakh-duo2Danke, ich versuche auch, dass die Titel interessant klingen. Und das ist auch Teil meiner Idee, gerade genug Atmosphäre zu erschaffen und anzudeuten, worum es geht, aber immer noch genügend Raum für Schatten und Vorstellung zu lassen. Wenn Dinge einfach zu verstehen sind, werden sie auch schnell vergessen, oder verschwinden zumindest schnell und einfach in einem Schließfach irgendwo hinten im Bewusstsein. Und ich kann es einfach nicht mehr ertragen immer wieder den Leuten etwas zu erklären, nur weil diese zu faul sind, selber mal ein bisschen nachzudenken. Es ist keine Prüfung, es ist Musik. Und wenn es dir schon etwas gibt, nur wenn du es hörst, ist das gut. Aber ich möchte lieber, dass die Leute etwas für sich selber nachdenken und viele dieser Dinge sind in den Songtiteln, wenn du dir die Zeit nimmst und diese herausarbeitest. Zum Beispiel der Song „So It Be“ – Es ist nicht schwer herauszubekommen, dass dies die englische Übersetzung für „Amen“ ist. Also hat der Song wahrscheinlich einen religiösen Bezug. Und du kannst die Linie „…plead with all flesh“ heraushören. Schau diese Worte nach und du wirst herausfinden, woher sie stammen. Lies etwas dieser Quelle zusammen mit dem Liedtitel. Es mag kompliziert klingen, aber es ist wirklich nicht so schwierig. Wenn du dich mit diesen Zeilen beschäftigst, kommst du am Schluss vielleicht zu einem anderen Ergebnis, als ich es mir vorgestellt habe – im speziellen Fall dieses einen Liedes wirst du das unweigerlich, haha! – aber dann erkläre ich dir gerne, wie ich diese Zeilen verstanden habe und höre dir gerne und aufmerksam bei deiner Interpretation zu.
Themen im Allgemeinen? Die essentiell böse Natur der Menschheit, die Falschheit des Wortes „göttlich“, die böse Behaftung verschiedener Konstrukte der Gesellschaft, die Natur des Elends, die Bedeutung von Worten wie „Dämon“ oder „Kraft“, solche Dinge eben.

Deine Stimme ist wirklich krank! Ich glaube, ich habe noch nie so kranke Schreie zuvor gehört! Hast du irgendwelche Probleme mit der Stimme, wenn ihr probt oder live auftretet? Was machst du, um so extreme Schreie hinzubekommen? Isst du Glasscherben und trinkst Abflussfrei?

Oh, danke dir! Ich mache eigentlich gar nichts, so kommt es eben aus mir heraus. Eigentlich bin ich ganz normal und ruhig. Aber ab einem bestimmten Punkt ist eine endlose Quelle des Zorns tief in meinem Inneren. Ich nehme an, eine Menge Leute ist so. Darum denke ich, dass dies meine Stimme so extrem macht, wenn ich versuche diese Gefühle mit Tönen auszudrücken.

Neben diesen extremen Schreien sind auch ein paar Stellen auf dem Album, die scheinbar durch den Harmonizer gequetscht wurden. Was hältst du von Harmonizern und wie viel von deinem Gesang wurde durch so ein Gerät verändert? Einige deiner Growls klingen richtig böse und natürlich…

Ich rate einfach mal, dass du die eigentlichen Vocals meinst, also Gesangslinien, Melodien und Growls und nicht die gesprochenen Happen wie im Intro und im letzten Song? Nein, da wurden keine Harmonizer benutzt, das wäre wie Betrügen. Ich würde beinahe sagen, Sachen mit Pitchshifter klingen scheiße. Für die Harmonien singe ich jede Melodie nochmal über der Hauptstimme. Zum Beispiel in „More Of Fire Than Blood“ sind sechs Spuren mit meinem Gesang gleichzeitig. Aber um ehrlich zu sein, haben wir an einem kleinen Stück des Albums etwas mit einem Harmonizer gespielt (im klaren Teil von „So It Be“, das ich zuvor erwähnt habe), einfach um mal zu sehen, wie es denn klingen würde. Aber wir mochten es nicht, also haben wir es letztendlich nicht verwendet. Ansonsten war es das auch schon mit Effekten, wirklich nichts um die Stimmen tiefer zu machen, oder so was. An der ein oder anderen Stelle haben wir zwar etwas mit einem Multi-Effekt-Gerät rumgealbert und das benutzt, was auch immer als „Sound-Effekt“ gut geklungen hat (und da sind wohl auch ein paar mit Oktav-Effekten dabei, was man vielleicht für einen Harmonizer halten könnte. Aber das waren nur ganz kleine Stellen und ich glaube nicht, dass du diese meinst). (Doch, genau so kleine Fragmente meine ich! Der Teufel liegt im Detail… (; – Anm. d. Verf.)
An einigen Stellen sind noch ein paar Übersteuerungen vom Mikrophon selber oder dem Mischpult, weil der Gesang in den geschrienen Teilen so laut ist, wir mögen die Dinge derb. Aber das war es auch, da sind sonst nur sehr kleine Veränderungen.

Nebenbei, was ist überhaupt die „Constellation Of The Black Widow“? Ist das so ein astrologisches Ding?

Nein, es gibt zwar einen Schwarze Witwen Nebel, aber soweit ich weiß keine wirkliche Konstellation mit den Namen. (Okay, Astronomie ist auch okay – Anm. d. Ver.) Eigentlich ist es eine Metapher, die ich aus dem Buch “Moment der Freiheit” von Jens Bjørneboe übernommen habe, das mir von einem Fan empfohlen wurde. Die Original-Passage heißt „Uranus and Pluto stood in conjunction in the sign of the black widow“, ich habe es nur etwas verbogen, damit es wie ein guter Albumtitel klingt. Der Grund, warum ich dies als Titel genommen habe, war die Bedeutung dieser Worte im Buch. Es wurde aus einer Serie mit kodierten/metaphorischen Bezügen zu Ereignissen aus der Welt in der Zeit, über die der Autor des Buches schreibt, entnommen.
Als er das über den planetarischen Zusammenhang schrieb, habe ich das so verstanden, dass es die Atombomben auf Japan zum Ende des zweiten Weltkriegs bedeutet – dem wahrscheinlich verheerendsten, unmenschlichsten und aussagekräftigsten Ereignis in der Geschichte der Menschheit als Spezies bisher. Es war kein geschichtlicher Ausschnitt, nichts für Kinder zum Lernen – Es waren tausende und tausende und tausende Menschen wie du und ich, schreiend und sterbend. Und es waren wir, Leute wie du und ich, die es haben geschehen lassen. Und der Grund warum ich so betroffen und einbezogen davon spreche ist ein Teil davon, wie wir als Band sind – wir werfen diese Ideen nicht fröhlich umher, als ob sie nichts bedeuten würden. Sie bedeuten alles.

Wie fühlt es sich an ein Album über ein größeres Label wie Candlelight Records auf den Markt zu bringen? Wie seid ihr in Kontakt gekommen und was erwartet ihr voneinander? (Gekonnter und dezenter Themenwechsel vom Meister des Tiefsinns -.- – Anm. d. Verf.)

Es ist interessant zu sehen, wie sie arbeiten. Alle Labels in meiner Erfahrung arbeiten weitestgehend im gleichen Weg, aber es gibt immer noch einige Unterschiede, wie sie laufen. Soweit ist das Arbeiten mit Candlelight recht gerade heraus. Sie sind ziemlich professionell und wir erhalten genau die Aufmerksamkeit, von der ich denke, dass wir sie brauchen. Und das ist alles, was wir erwarten. Wir haben die Entscheidung getroffen zu einem größeren Label zu wechseln, weil diese bessere Distributionswege haben und wir somit hoffentlich noch mehr Leuten die Möglichkeit bieten können, unsere Alben zu kaufen. Und sie haben bessere Kontakte zur Presse und so weiter. Also Dinge wie Interviews, etc. laufen nun ziemlich glatt. Auf der anderen Seite suchen wir nicht nach neuen besten Freunden oder Verträgen auf Lebenszeit. Also fragen wir uns nicht all zu viel von ihnen.

anaal_nathrakh-drumsIhr seid keine Band, die häufig tourt oder live spielt. Gibt es dafür bestimmte Gründe, warum ihr euch so rar macht? Ist es wegen eurem Line-Up von gerade mal zwei Mann, oder eher so eine alte Black Metal und Exklusivitäts-Mentalität? Oder wollt ihr einfach nicht so häufig mit dem Projekt live auftreten, weil ihr mit Benediction wesentlich häufiger auf den brettern steht?

Keiner dieser Gründe wirklich. Wir wollen einfach nicht, dass die Shows von ANAAL NATHRAKH zur Routine verkommen. Wir wollen diese spezielle Atmosphäre aufrecht erhalten, die entsteht, wenn man Teil eines raren, konspirativen Ereignisses ist. Für uns selber, und hoffentlich auch für die Fans, die zu den Shows kommen. Wie schon gesagt, wir haben ein vollwertiges Live-Line-Up, und auch wenn es schwierig werden kann, alle terminlich unter einen Hut zu bekommen, ist es nicht unmöglich. Von personeller Ebene gibt es also keine Probleme. Und zu diesem Zeitpunkt ist alles bereits im Vorfeld arrangiert, so dass es auch zu keinen Problemen mit Überschneidungen der verschiedenen Bands kommen kann.
Momentan schauen wir, dass wir für dieses Album ein paar mehr Shows spielen können, als wir es bisher getan haben. Ich denke, wir haben heute ein Festival in Deutschland bestätigt, aber mal sehen, was die Zukunft bringt. (Ja, die Band spielt auf dem diesjährigen Summerbreeze Open Air – Anm. d. Verf.)

Ich nehme an, dein Name V.I.T.R.I.O.L. ist ein Akronym. Kannst du mir verraten, was es heißt?

Visita interiora terrae rectificando invenies occultum lapidem. Es hat eine doppelte Bedeutung. Erstmal ist Vitriol ein alter Name für Schwefelsäure, was gut meinen Gesangstil umschreibt. Und zweitens ist es ein Bezug auf den Stein der Weisen, der für mich interessant ist.
Ich bin keiner der Typen, die darauf bestehen, dass selbst gute Freunde ihn beim Pseudonym rufen. Aber ich mag es dieses auf Alben etc. zu verwenden. Dadurch steht die Musik für sich selber, weil etwas Abstand zwischen der Musik und der Person dahinter erzeugt wird. Aus dem gleichen Grund haben wir nicht viele Bandfotos in unseren Artworks. Ich habe einmal ein Interview mit Quorthon gelesen, der meinte, dass Musik so genommen werden sollte, wie sie ist. Es ist nicht wichtig, dass der Hörer weiß, dass ein Teil des Gesangs auf einem Bathory-Album so klingt, weil er seine Garage gestrichen hat. Und ich stimme seiner Idee voll zu – kein beruhigendes Gefühl, dass das, was du da hörst von einem Individuum erzeugt wurde, der auch bei Nacht schlafen geht, es ist nur Du und die Musik.

V.I.T.R.I.O.L., vielen Dank für deine Zeit und deine Antworten! Ich hoffe, ihr habt viel Erfolg mit eurem Album und bekommt etwas Aufmerksamkeit auch von neuen Fans! Die letzten Worte gehören dir!

Vielen Dank für deinen Support, ich hoffe auch, dass alles gut läuft! Und ich entschuldige mich schon mal dafür, dass vieles von dem hier verdammt schwer zu übersetzen sein wird! (Stimmt, ein paar Kopfschmerzen habe ich schon über die ein oder andere Stelle bekommen, haha! Aber insgesamt war es nur halb so schlimm, vielen Dank! – Anm. d. Übersetzers)


Interview: Chris (Necroslaughter) / V.I.T.R.I.O.L. (Vocals @ Anaal Nathrakh) · 31.05.2009 / 03.06.2009

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