Zao – Awake?

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Und schon wieder gibt es hier eine Kritik zu einer Metalcore-CD und schon wieder besteht die Band aus bekennenden Christen. Man könnte meinen, wir wären zu propagierenden Trendhuren mutiert. Aber wir sind so wenig Trendhure, wie ZAO popigen Metalcore aus den Charts spielen. Eher im Gegenteil, die Band lärmt schon seit 1994 rum und somit schon lange vor dem Medienhype um das Genre. Und zuckersüße Melodien findet man auf „Awake?“ auch keine!

Tief depressiv schleppen sich die vier Musiker aus Pennsylvania durch ihre Lieder und erzeugen mit den stellenweise dissonanten Riffs eine ziemlich fiese und hoffnungslose Atmosphäre. Ab und an gibt es wütende und trotzige Ausbrecher in Groove und Uptempo und winzige Hoffnungsschimmer, in denen auch schon mal klarer Gesang dezent zum Einsatz kommt. Doch meist sind die kleinen Lichtblicke nicht von langer Dauer und das nächste kakophonische Riff zerrt den Hörer wieder in die dreckige Realität des Albums.
Die dezent eingesetzten Breaks sind eine Bereicherung für die Lieder und werden nicht – wie bei vielen anderen Kapellen – zum Selbstzweck verwendet. Die Riffs sind alle sehr catchy und durch die Dissonanzen sehr nett anzuhören! Auch wenn man deutlich den Metalcore und stellenweise auch Nu Metal aus den Gitarren lesen kann, spielt ZAO definitiv keine Klischees und nervt den Metalcore-Hasser nicht wie die meisten anderen Trend-Bands. Es ist äußerst bewundernswert, wie das monotone Riff und das hypnotische Lead im Titeltrack des Albums die Grundstimmung und Aussage des Songs untermalen!

Auf „Awake?“ gibt es ganz große Emotionen. Und das schöne daran: Meist sind diese verdammt wütend, dreckig, hoffnungslos und depressiv. Mit simplen Mitteln zeigen ZAO ganz groß, dass nicht alle Bands in diesem hochgehypten Genre den klaren Gesang überstrapazieren und popig-süße Kasperle-Melodien spielen müssen. Auch wenn die Platte sicher kein Meilenstein ist, ist sie ein gutes und aufrichtiges Album, das mich für eine knappe dreiviertel Stunde die Genregrenzen vergessen lässt und in eine dreckige, hoffnungslose Welt begleitet. Und das sicherlich noch öfter!

[rating:4]

Infos:
Ferret Style / 05.05.2009
CD – 10 Lieder / ~ 42 Min.