Various Artists – Gentle Carnage vol. II

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In einer Zeit von Last.fm, MySpace und iTunes wirkt der Sampler als Medium wie ein schrulliger Anachronismus. Schon oftmals wurde er totgesagt und viele Leute wie z.B. ich würden kein Geld für so eine Zusammenstellung ausgeben. Darum hat man beim „Gentle Carnage„-Sampler die wohl einzig noch funktionierende Vermarktungs-Methode gewählt: Man verschenkt ihn! Und mit dem größten deutschen Musik-Mailorder EMP im Nacken durfte die Auflage von 5000 Stück auch gut und einfach realisieren worden sein. Dabei darf man sich aber weder vom Sponsor – an dieser Stelle muss ich anmerken, dass ich schon ziemlich überrascht war, EMP in einer solchen Aktion für Untergrundbands involviert zu sehen, meinen Respekt! – noch vom Preis für das Teil abschrecken lassen! Auf „Gentle Carnage“ ist nichts billig! Angefangen beim ordentlichen Cover zu der hervorragenden Bandauswahl stimmt hier eigentlich alles!

Auf Bands, deren Album bei uns bereits besprochen wurde, will ich hier nicht weiter eingehen. Die vergleichsweise hohen Wertungen von PURGATORYs „Cultus Luciferi“ oder DIVINE NOISE ATTACKs „Creating The End“ sprechen für sich. Selbst das ausgewählte Lied von DEAD EYED SLEEPER ist einer der stärkeren Songs auf „Through Forests Of Nonentities„. Zu EMBEDDED sage ich an dieser Stelle nur so viel, dass der schmackhafte Opener des Samplers definitiv Lust auf mehr vom frisch erschienenen Album „Beyond The Flesh“ macht, das die Tage hier seine eigene Besprechung finden wird.
Wiedersehen mit alten Bekannten mit neuem Material gab es für mich auch auf dem „Gentle Carnage„. So hat mich die eigenständige Reife von MY COLD EMBRACE mit ihrem verdammt mitreißenden Melo-Death/Thrash Song „More Or Less“ wiedermal positiv überrascht. Selbst das im Vergleich etwas schlechter produzierte Stück „Bleed For Me“ der Deather TOMBTHROAT hat mir die Band wieder in Erinnerung gerufen und dieses mal einen deutlich besseren Eindruck zu meinem letzten Kontakt mit der Band hinterlassen! Auch eine positive Weiterentwicklung haben die Quasi-Nachbarn aus Köln durchgemacht: Weniger oldschool, dafür richtig brutal geht es nun bei BY BRUTE FORCE zur Sache und entflammt bei mir Interesse an den neueren Sachen der Band!

Dank der hauptsächlichen Ausrichtung in *Death* Metal lassen sich aber auch wieder neue Bands für mich auf „Gentle Carnage“ entdecken, wie die oldschool Death-Grinder COMMANDER oder die punkig-grindigen RAW, die beide mit ihrer eingängigen, wenn auch sehr simplen Musik sofort überzeugen können und ordentlich Spaß versprechen! Das Herz des Death-Thrashers findet sicherlich an den hervorragenden Leistungen von DISREPUTE und ANCESTRY gefallen.
Düstere Death Metal Bedienung für Fans von MORBID ANGEL und NILE findet sich bei PHAREON und GOREGONIK. Wer es richtig brutal braucht findet in den letzten Liedern der CD sicher seine Freude beim Slam Death von CROPMENT und dem Brutal Death von PUNISH EARTH. BY BRUTE FORCE hatte ich ja eben schon erwähnt… Und zum Abschluss der CD gibt es dann für die ganz bösen noch einen MORTICIAN-Rip-Off: GODS OF EMPTINESS.

Ein paar vergleichsweise durchschnittliche Bands sind zwar auch auf dem zweiten Teil der „Gentle Carnage„-Reihe zu vermelden. Doch bewegen sich ONCE SOLEMN und CONSPIRACY immer noch im ordentlichen Bereich. (Bei letztgenannter Band bitte nicht mit der blackened Heavy Metal-Truppe verwechseln, die Kollege Niklas hier noch die Tage besprechen wird).

Meine persönlichen Highlights habe ich im EXHUMED-Klon ULTRAWURSCHT, THE ATMOSFEAR und THE SPLATTER AND GORE DEPARTMENT gefunden. Bei letzteren gibt es recht harten, groove-orientierten Death Metal mit (coolen) Keyboards! Die Mischung klingt interessant und werde ich wohl noch weiter studieren!

Aus dem groben Konzept *Death* Metal fallen lediglich zwei Bands heraus: Die Black Metaller UNDER THAT SPELL und die Doomer BROTHER LOVE KAIN. Doch da die beiden Kapellen aus dem Raster fallen, erspare ich mir hier weitere Wertungen.

Schlussendlich bleibt nach gut 70 Minuten Spielvergnügen ein verdammt guter Einblick in den (größtenteils) deutschen Untergrund. Die Bands bewegen sich alle auf recht hohem Niveau und schaffen es dadurch auch, den Sampler über die ganze Spieldauer in der Anlage verweilen zu lassen. Ich denke, für das Teil hätte ich sogar einen Fünfer locker gemacht. Darum Danke an EMP, Delicious Bowels und alle andern beteiligten Sponsoren! Ich finde, das Teil ist eine super angenehme Alternative zum nervigen MySpace!

PS: Die Links zu den Band-Seiten finden sich im Fließtext, Bewertung gibt es keine, weil es ein Sampler ist.

Infos:
Delicious Bowels – 28.03.2009
CD – 23 Lieder / ~ 71 Min.