The Devil Wears Prada – With Roots Above And Branches Below

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Jesus Christus, und das im wahrsten Sinne des Wortes! Wer hätte gedacht, dass ich mich mal für ein Metalcore-Album begeistern könnte und dies dann hier in einem Death Metal-Webzine bespreche? Und noch absurder wird die ganze Sache, wenn man bedenkt, dass THE DEVIL WEARS PRADA eine christliche (!) Metalcore-Band sind!
Aber mal ehrlich: Ich bin nicht unbedingt ein Freund von Religion im Allgemeinen. Und so häufig, wie ich hier schon irgendwelche blasphemischen und satanistischen Bands besprochen habe, kann ich auch mal ausnahmsweise die Gegenseite zu Wort lassen, oder?

Und im Falle von TDWP ist das Wort des Herren gewaltig! Auch wenn man es natürlich nicht ganz schafft ohne Breakdowns und die Metalcore-typischen, getragenen Teile mit klarem Gesang aus zukommen, bedienen sich die christlichen Amis ausgiebig bei götheburger melodic Death Metal Bands, wenn es um die Riffs geht. Die sind wirklich ziemlich überzeugend! Und durch den gesteigerten Einsatz von elektronischen Elementen klingt „With Roots Above And Branches Below“ wie die Metalcore-Version von Dark Tranquillity, ähnlich melancholisch und intensiv ist die Stimmung beider Bands. Man kommt zwar nicht an die Geschwindigkeit und Geradlinigkeit der Schweden ran, kann aber auch mit den fetten Doublebass-Teppichen und geschickten Breaks überzeugen.
Doch so gut die Schreie und Shouts sind, so sehr mich auch die instrumentale Arbeit von THE DEVIL WEARS PRADA beeindruckt, so sehr musste ich beim ersten Hören mich auch an den klaren Gesang gewöhnen. Dieser klingt nämlich sehr stark nach der Quäk-Stimme von Blink 182 und ist eigentlich gar nicht mein Fall. Doch im Kontext der Lieder relativiert sich das nervtötende Quaken auf einen durchaus erträgliches Maß. Den Stinker „Louder Than Thunder„, ein durchwegs klares und einfach nur zuckersüß-popiges Lied, hätte man einfach für die Idioten von Linkin Park lassen können, es hätte sicherlich kein Mensch auf dieser CD hier vermisst und zu den Schwuppen passt es besser! – Wobei so natürlich „Lord Xenu“ doppelt so genial aus den Boxen knallt.. Haha! (Nebenbei: War Xenu nicht irgendein Onkel aus dem Scientology Umfeld?)

Wenn man auf melodischen Death Metal mit Keyboards in Richtung Dark Tranquillity steht, und sich nicht unbedingt von modernen Einflüssen abschrecken lässt, sollte man die Band mal antesten. Sicherlich, über die religiösen Lyrics muss man schon mal hinwegsehen und der ein oder andere mag auch ein Problem mit den klaren Vocals haben. Dafür gibt es auch einen Punkt Abzug in der Gesamtwertung. Dennoch ist „With Roots Above And Branches Below“ trotz dieser Negativpunkte und der unvermeidlichen Metalcore-Klischees ein sehr starkes Album, was selbst bei mir, als eigentlichen Metalcore-Hasser sicherlich noch das ein oder andere Mal in der Anlage landen wird!

[rating:4]

Infos:
Ferret Style Records – 05.05.2009
CD – 11 Lieder / ~ 40 Min.