The Boy Will Drown – Fetish

 , , , ,

the-boy-will-drown-fetish
An und für sich war ich ja immer ein Metalcore-Hasser. Aus Prinzip. Und weil ich mich nie so wirklich mit Stakkatos und Breakdowns anfreunden konnte. Doch mehr oder weniger konnte eine junge Band aus England mich für dieses Genre öffnen! Nicht etwa, weil die Band guten Metalcore spielt, sondern viel mehr, weil sie die modernen Elemente, wie Breaks und Breakdowns geschickt in ihre Musik einflechtet und mich somit langsam desensibilisiert.

Auch wenn man es vielleicht bei dem metalcore-typischen Namen THE BOY WILL DROWN nicht vermuten mag, und die Bandfotos von 4 Jungen Musikern mit komischen Haaren und riesigen Ohrlöchern ebenfalls eine solche Stilistik vermuten lassen, gibt es hier technischen, bis progressiven Death Metal mit besagten modernen Elementen. Zu Deutsch: Deathcore – wobei der Core neben den verfrickelten Riffs ziemlich deutlich hervorsticht.
Doch es gibt nicht nur verfrickelt was in Blastgeschwindigkeit auf die Schnauze. Auch wenn die Band sehr starke, technische Teile hat, lockert THE BOY WILL DROWN die Musik sehr angenehm durch Elemente auf, die so eher von Cult Of Luna und anderen Post-Rock Bands kenne. Dadurch entsteht stellenweise eine leicht melancholische, depressive Atmosphäre, wie man sie von vielen britischen Bands kennt und liebt. Stellenweise kommen ruhige, beinahe fragile Parts in den Liedern vor und bilden einen richtig schönen Kontrast zur sonst brutalen Musik. Doch bitte nicht falsch verstehen! Auch wenn es musikalisch mal etwas ruhiger wird, gibt es bei THE BOY WILL DROWN keinen klaren Gesang!
Viele der Breaks und Riffs auf „Fetish“ erinnern stark an Cryptopsy zu „… and then you’ll beg“ und wechseln zwischen verspieltem Gedaddel, eingängigem Groove und sperriger Komplexität. Da mag vielleicht für den ein oder anderen auch schon der Kritikpunkt liegen: An manchen Stellen mögen die Songstrukturen nicht leicht zugänglich sein und das rauf- und runterreiten auf den Skalen liegt sicherlich auch nicht allen. Zugegeben, ein bisschen weniger Gedudel und etwas mehr von den sehr starken Riffs hätte dem Album den ultimativen Schliff gegeben.

Lyrisch scheinen die Jungen Briten sich ebenfalls mit manigfaltigen Themen zu beschäfftigen. Leider fehlen mir die Texte, aber Songtitel wie „Josef Fritzl„, „Elisabeth Fritzl“ oder „Barrymore’s Poolparty“ versprechen Reflexion von aktuellen, realen Grauens.

Mit ihrem Debütalbum, dass direkt auf Earache erscheint, legen THE BOY WILL DROWN ein sehr vielschichtiges, starkes und emotionsgeladenes Album ab! Jeder nicht all zu konservative Metaller – wir Metaller sind ja alle mehr oder weniger konservativ – sollte mal über die komischen Frisuren und randbetonten Brillen der Bandmitgliedern hinwegsehen und sich etwas für die Breakdowns öffnen. Als Belohnung gibt es ein ordentliches, verdammt technisches Stück modernen Death Metal, Entschuldigung, das heißt ja heute Deathcore…. Der Fakt, dass „Fetish“ gerade mal das erste Album der Band ist, lässt mich mit Spannung auf die kommenden Sachen der Band warten!

Für Sammler gibt es die CD in einem sehr schicken, großem Digipak in limitierter Auflage.

[rating:5]

Infos:
Earache Records – 18.05.2008
CD – 10 Lieder/ ~ Min.