Resurrecturis – Non Voglio Morire

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Ich würde mich selber als einen musikalisch relativ offenen Menschen bezeichnen. Ich kann vielerlei Stilistiken einen gewissen Unterhaltungsfaktor, wenn nicht sogar einen gewissen Reiz abgewinnen. Dennoch liebe ich vornehmlich die extremeren Gefilde des Metals und Grindcores. Und in erstgenannten sind eigentlich auch die italienischen RESSURECTURIS zu hause – zumindest, wenn man den allgemeinen Verlautbarungen glauben darf. Die Band ist nicht gerade neu, seit fast 20 Jahren lärmt die Truppe rum und entsprechend ist mir der Name im Kontext „Death Metal“ schon mal untergekommen.

Diesen Monat wurde über Casket Productions das dritte Full-Length der Band veröffentlicht. Doch das Album in die Schublade „Death Metal“ zu stecken widerstrebt mir irgendwie. „Non Voglio Morire“ ist ein sehr vielschichtiges Album, das weit über Genregrenzen hinweg agiert. So beginnt das Album mit dem Death-Grind Knaller „Origin„, der mich ein wenig an alte Gorerotted oder durch den Black Metal-Part an Impaled Nazarene erinnert. Doch schon im Anschluss wird der Hörer mit einem instrumentalen, sehr melodischen Intro überrascht, das irgendwie im Kontext deplaziert wirkt. Als Eröffnung der Platte hätte „Prologue“ besser gepasst. Anschließend geht es erstmal weiter in geahntem Death Metal. Hier und dort ein paar Thrash Elemente und an manchen Stellen klingen die Sachen nach frühen Death (RIP) in einer sehr sauberen Variante.

Doch mit dem fünften Lied, „The Artist„, wird der Hörer richtig überrumpelt! Hier werden sehr stark elektronische Elemente, die etwas an Björk erinnern mit klaren Guano Apes Gitarren und Sprechgesang a la Korn hat der Song so gar nichts mehr mit Death Metal zu tun. Und der weibliche Gesang im Refrain ändert da, wie man vielleicht denken kann, auch nichts dran. Der Song an sich ist zwar sehr gut, aber hat mit Metal nur so viel gemeinsam, wie mein Mittagessen mit Straight Edge – nämlich gar nichts!
Ab nun wird die Platte, die auf deutsch „Ich will nicht sterben“ heißt, sehr heterogen. „Save My Anger“ kann man recht gut in die Schublade Metalcore stecken, klarer Refrain inklusive, „Where Shall I Go From Here“ hat ein dissonantes Nu Metal Riff. „Away From The Flock“ und „After The Show“ ziehen in Sachen härte zwar wieder etwas an, letzterer ist aber innerhalb des Liedes sehr vielschichtig, fast progressiv. „The Fracture“ hört sich sehr nach 90er-Jahre Radio-Heavy Metal an und hat durch seine potentielle Massenkompatibilität wohl auch den Status der „Single“ bekommen. Das zugehörende Video findet sich auch auf der beiliegenden DVD zur CD und wohl auch irgendwo auf YouTube. Als Radioauskopplungen hätten sich aber ebenfalls die Metal-Ballade „Calling Our Name“ oder das akkustische „In Retrospective“ angeboten, bei dem der Gesang etwas an U2 erinnert. Mir persönlich hat der Wechselgesang zwischen klar und Shouts und die hetfield’sche Gesangslinie in „Walk Through Fire“ sehr gut gefallen.

Alle Lieder sind obgleich ihrer Heterogenität fast bilderbuchartig, sprich sehr sauber und fast typisch für die einzelnen Genreeinflüsse umgesetzt. Doch da liegt wohl mein größtes Problem mit „Non Voglio Morire„, mit sind die Songs zu glatt und ohne Kanten. Auch fehlt mir irgendwie die Leidenschaft für ein Genre, die die Lieder zu etwas besonderem machen könnte. Und auch wenn die Stücke im einzelnen gut funktionieren, hat diese fast zusammenhangslose Zusammenstellung (schöne Wortreihe, haha) als „Album“ einen fahlen Beigeschmack. Selbst nach mehrmaligem Hören der CD weiß ich nicht, ob ich diesen Fassettenreichtum gut finden soll, oder mir als Metaller die vielen Ausflüge in andere, teilweise softere Gefilde nicht auf den Nerv gehen, wenn ich eigentlich ein hartes Death Metal Album hören will… Zumindest relativiert der Inhalt das Cover-Artwork, das für eine harte Metal-Scheibe schon ziemlich erfrischend-außergewöhnlich gewesen wäre.
Ich denke an dieser Stelle verzichte ich auf eine nominelle Punktwertung und überlasse Dir, lieber Leser, selber die Entscheidung: Kannst du mit einem Album was anfangen, was von ALLEM, selbst über die Grenzen des Metal hinaus was bietet?

Infos:
Casket Productions – Mai 2009
Digipak-CD/DVD – 13 Lieder / ~ 49 Min.