Anaal Nathrakh – In The Constellation Of The Black Widow

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Kategorie: „Bands, deren Namen man schon häufiger gehört oder gelesen, sich aber nie weiter mit beschäftigt hat“; in dieser Episode ANAAL NATHRAKH, die mittlerweile auch schon seit 10 Jahren lärmen und leider bisher weitestgehend an mir vorbei gegangen sind. Eine wahre Schande, denn nachdem ich das neue Album „In The Constellation Of The Black Widow“ ganz unvoreingenommen gehört habe, werde ich definitiv den Back-Katalog der Band genauer studieren!

Dabei sind die einzelnen Bestandteile der Musik nicht neu. In der modernen Web 2.0-Welt nennt man das heute „Mashup“: Aus bereits bestehenden Ideen und Material etwas neues kreieren. Bei ANAAL NATHRAKH sieht das so aus: Man nehme größtenteils schwedische Death Metal-Gitarren, us-amerikanisches High-Speed-Drumming, fiesestes Grindcore-Gekreische und hier und da noch weitere Elemente wie klaren Gesang oder Black Metal Riffs und man hat ein unglaublich mitreißendes Album!
Obwohl „In The Constellation Of The Black Widow“ ein dreckiger Bastard ist, der sich um Konformität und Massengeschmack einen Scheißdreck kümmert, sind die meisten Riffs sehr eingängig und erschaffen auf Anhieb einen gelungenen Wiedererkennungswert. Der gekonnt eingesetzte klare Gesang überzeugt meist durch sehr dichte und packende musikalische Untermalung und mitreißende Hooklines, die einen weiteren Anker im Gehörgang festsetzen. Dabei mutieren die klaren Passagen nie zum Selbstzweck, sondern werden gekonnt songdienlich eingesetzt. Hauptsächlich leistet Sänger V.I.T.R.I.O.L. aber einen unglaublich fiesen Job im Ultraschallbereich! Verdammt, der Junge frühstückt wohl Glasscherben und gurgelt mit Abflussfrei, anders kann ich mir dieses unglaublich üble Kreischen nicht erklären – ich find‘ das so geil! Doch immer nur dieses krasse Gekreische würde wohl auf Dauer Anlage wie Gehör schädigen und etwas monoton werden. Darum finden sich dezent versteckt auch Frognoise, etwas Gegrunze, moderatere Schreie und Sprechpassagen auf dem Album, die dem Ganzen eine gewisse Vielschichtigkeit geben.

Und vielschichtig ist es auch musikalisch in der Konstellation der Schwarzen Witwe! Auch wenn – wie gesagt – schwedischer Death Metal die Gitarren dominiert, finden sich einige sehr mitreißende und epische Momente, besonders bei den klaren Refrains. Als Kontrast sind aber auch kalte Black Metal Riffs und verstörende Dissonanzen keine Fremden in den Liedern von ANAAL NATHRAKH.
Der Drumcomputer böllert zwar ordentlich auf die Glocke, fällt aber nicht direkt als elektronisches Mitglied der Band auf, dafür ist er zu abwechslungsreich programmiert. Dabei stechen besonders „The Unbearable Filth Of The Soul“ mit seinem dicken Midtempo-Groove und das sehr rhythmus-orientierte „Oil Upon The Sores Of Lepers“ hervor, wo das Gaspedal längerfristig mal Verschaufspause findet. Auch der langsame Teil von „Satanachrist“ ist ein besonderer Leckerbissen in dem Lied.
Im Gesamtbild weichen die letzten drei Lieder generell etwas vom restlichen Album ab. Das ungewöhnliche „Oil Upon The Sores Of Lepers“ und die recht Black Metal geschwängerten „Satanachrist“ und „Blood Eagles Carved On The Backs Of Innocents“ lassen den Hörer zum Schluss der CD nochmals aufhorchen und können ihn nach kurzer, neuer Eingewöhnung wieder so fesseln, wie die ersten Stücke der Platte!

Auch wenn die Mischung auf Anhieb etwas befremdlich klingt, funktioniert „In The Constellation Of The Black Widow“ unglaublich gut! Wer sich nicht von dem extrem krassen Gesang abschrecken lässt – und vertraut mir, mit dieser Stimme kann der Mensch deine Katze töten! – bekommt packende, eingängige und ultra geile Riffs, abwechslungsreiche, aber dennoch homogene Songs und unglaubliche Atmosphäre zwischen Black Metal-kalt, Death Metal-brutal und Dark Metal-episch-düster.
Auf der Platte gibt es keinen einzigen Ausfall, jedes einzelne Lied hat seine eigenen Fassetten und Nuancen, die man auch nach mehrmaligen Hören immer wieder neu entdecken kann. Sicherlich ist die Band nicht etwas für Jedermann. Alleine der derbe Gesang dürfte die Geister trennen, wie Mutter das Gelbe vom Eiweiß. Wer es jedoch unkonventionell mag und gerne Bands wie Ackercocke oder Ephel Duath hört, aber auch gerne eingängigere Musik hört, wird von dem Album sicherlich schon nach wenigen Sekunden gebannt sein! Doch sollte man die CD definitiv auf einer guten Anlage und in guter Qualität hören. Billige Boxen und schlechte MP3s lassen die extreme Musik und den krassen Gesang ziemlich schnell in einen verzerrten Klangmatsch zerfallen…

[rating:5.5]

Infos:
Candlelight Records – 25.05.2009
CD – 10 Lieder / ~ 34 Min.