Ulcerate – Everything is fire

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Eines meiner absoluten Lieblingsalben ist und bleibt der Gorguts-Klassiker „From Wisdom To Hate“ (2001 auf Seasons Of Mist), der mit verdammt fiesen, dissonanten Melodien, unglaublicher Brutalität und einer bösen Grundstimmung eine schier unglaubliche Atmosphäre besitzt, die seines Gleichen sucht. Lediglich im Aspekt der bösen und unglaublich dunklen Stimmung schaffen es Bands wie Immolation oder Ingurgitating Oblivion an die Intensität der Kanadier ranzukommen. Eine wiederholte Kombination beider Elemente, Dissonanz in Extrema und einer grundbösen Attitüde hätte ich eigentlich nicht mehr großartig erwartet, technische Bands neigen in der Regel zum Frickeln in inhumanen Tempi, Melodiebögen oder beidem und richtig böser, dunkler Death Metal ist leider auch eine Seltenheit geworden.
Umso überraschter war ich, als ich das kommende Werk von ULCERATE hören durfte! Auf ihrem gerade mal zweiten Werk „Everything Is Fire“ latzen die vier Jungs aus Auckland da einen schier unglaublichen Brocken an Hass, Misanthropie und Nihilismus hin, dass man meinen könnte, die Apokalypse hätte bereits begonnen. So (!) hört sich der Soundtrack zum Weltuntergang an!

Auf hohem technischen Niveau wird auf den gut 50 Minuten von „Everything Is Fire“ immer in Hinsicht auf die Songdienlichkeit und die Atmosphäre gearbeitet. Die Technik wird nie zum Selbstzweck und zerrt die Lieder in keine gezwungene Progressivität. Eher das Gegenteil ist der Fall: In doomiger Methodik werden die Riffs oftmals so unheilvoll lange wiederholt, dass sich ein weiterer, mehr als verstörender Aspekt zur ohnehin schon sehr verängstigenden Musik gesellt. Dabei werden manche Phrasen und Themen der Melodien geschickt aufgenommen und immer wieder mit Variationen durch das Lied getragen, wie z.B. in „We Are Nil„.
Eine weitere kompositorische Meisterleistung für das Genre Death Metal schaffen ULCERATE mit ihrem geschickten Spiel nicht nur mit dem Tempo, sondern auch der Dynamik. So beginnt der Opener „Drown Within“ beispielsweise relativ leise und steigert sich in einem Cresendo des Grauens immer weiter, bis es in einer regelrechten Blast-Eruption gipfelt. „Tyranny“ wird auch geschickt von einem Ansteigen und einem Abebben umfasst, beinhaltet aber mittendrin auch noch einen Teil, der durch den krassen dynamischen Kontrast beinahe fragil erscheint – bevor es sich in einen dichten Lärm-Teppich wieder überschlägt. Und dieser Teppich findet sich an diversen Stellen auf „Everything Is Fire“ wieder! Die Band erschafft stellenweise einen so dichten und intensiven Sound, dass man es kaum in Worte fassen kann. Und die unglaublich verstörtende Wirkung der Musik zerfällt trotz der unglaublichen Dichte nie eine plumpe Krachwand.

Neben der Musik unterstützt der Sound der CD die böse und unheilvolle Atmosphäre. Die Instrumente an sich haben einen sehr angenehm warmen und organischen klang, besonders das Schlagzeug hört sich nach einem echten Instrument und nicht nach einer Nähmaschine an. So warm und organisch und doch so hasserfüllt und dunkel, es ist ein Genuss!

Neben der unglaublich guten und intensiven Musik fällt mir hier auch das Artwork der CD positiv auf. Auch wenn das Cover sehr abstrakt ist, ist es passend zur Musik und abseits von Totenkopf- und Satans-Kacke-Klischees, die sonst leider immer als Synonym für das Dunkle und Böse gesehen werden. Sehr nette Abwechslung!

Für mich ist „Everything Is Fire“ jetzt schon ein intelligenter Genre-Klassiker, auch wenn mir bisher noch eine Schublade für diesen „Dark Death Metal“ fehlt.
Fans von Immolation, und Gorguts, späten Morbid Angel und Hate Eternal sollten ULCERATE auf jeden Fall antesten. Wer mit dunklem , technischen und dissonanten Metal nichts anfangen kann, sollte auf jeden Fall die Finger von der Scheibe lassen, sie könnte irreparable Schäden hinterlassen…

[rating:6]

Infos:
Candlelight / Willowtip – 23.03.2009
CD – 8 Lieder / ~50 Min.