Obscura – Cosmogenesis

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Das nenne ich mal eine super Aktion! Derweil andere Label hingehen und Promo-CDs und Promo-MP3 für Magazine noch mit Beeps und Voice-Overs versehen, damit die schreibenden Assozialen, Entschuldigung, die Musik-Redakteure, nicht mal in den vollen Genuss der Musik kommen und das Material im Internet landet, haben sich Relapse für ihr neues Pferd im Stall eine Homepage gekrallt und bieten das neue Album komplett als Stream zum Probehören an! Das nenne ich mal Dienst am Kunden, bzw. am Fan! Darum kann ich nur appellieren: Wenn euch das Album gefällt, unterstützt Band und Label und kauft das Teil!

Aber nun zum eigentlichen, „Cosmogenesis“ von OBSCURA. Derweil das Debüt „Retribution“ der Band noch unglaublich roh, etwas holprig und von vielen Black Metal-Elementen geprägt klingt, hat man sich mit dem neuen Werk in eine komplett andere Liga katapultiert! Insgesamt wirken die Lieder wesentlich ausgereifter und vor allen Dingen technisch anspruchsvoller! Dies kann nicht zuletzt an den neuen Mitgliedern in der Band liegen: Jeroen Paul Thesseling (Bass) ehemals von Pestilence, Christian Muenzer (Gitarre) und Hannes Grossmann (Drums), die beide zuvor bei Necrophagist tätig waren. Und – bitte nehmt mir diesen Vergleich nicht böse – eben diese Einflüsse klingen stellenweise noch durch! Ich finde es auch schade, wenn man Musiker auf eine ehemalige Band limitiert und bestimmte Band immer als Referenz angibt. Aber „Infinite Rotation„, „The Anticosmic Overload“ oder „Universe Monumentum“ haben nunmal viel von Necrophagist.
Dafür gibt es an anderer Stelle noch unglaublich starke Einflüsse von späten Death und Cynic. Gerade letzte dürften nicht sonderlich verwundern, wenn man hört, dass Tymon Kruidenier von genannter Band einen Gastbeitrag auf „Cosmogenesis“ hat. Aber für mich liegt gerade darin auch ein Schwachpunkt der Platte. Teilweise sind die Teile zu sphärisch in ungeahnten Höhen, wie man sie vielleicht eher von ZappasJazz From Hell“ erwartet hätte. So zum Beispiel „Universe Monumentum“ oder „Noosphere„. Da verliert sich etwas die Kraft des eigentlich sehr zielgerichteten und guten Songs. Und genau wie bei Cynic stören mich persönlich auf dem Album die klaren Vocals mit den komischen, spacigen Effekten. Aber das scheint zum progressive Death wohl dazu zu gehören.
Eher sagen mir dann schon die thrashigen Elemente aus „Desolate Spheres“ oder das leicht von Dark Tranquility beeinflusste „Incarnated“ zu.

Schlussendlich bleibt nach ca. 50 Minuten ein sehr intensives, wenn auch mit einer sehr positiven Grundstimmung behaftetes Death Metal Album, das trotz aller technischen Verspieltheit größtenteils songdienlich handelt. Die kleineren Ausbrecher in andere Sphären bieten mir persönlich aber dennoch einen fahlen Beigeschmackt. Genau wie bei Cynics „Focus“ oder Disillusions „Gloria“ denke ich jedes Mal beim Hören: „Sehr geiles Zeug“ – Aber nur, wenn ich gerade offen für die genre-untypischen Elemente bin. Ansonsten nerven mich diese Spielereien eigentlich sehr schnell.

Nichtsdestotrotz dürften OBSCURA mit ihrem zweiten Album einiges an positiven Kritiken einfahren und die Messlatte für deutschen technischen Death Metal wieder etwas anziehen. Solange der Stream noch online ist, empfehle ich jedem auf jeden Fall ein Ohr! Und bei Gefallen: Kauft das Teil gefälligst!

[rating:5]

Infos:
Relapse – 02.03.2009
CD – 10 Lieder / ~50 Min.