Fleshgod Apocalypse – Oracles


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Die große Ähnlichkeit zwischen der musikalischen Komposition von Klassik und Death Metal sind uns ja bereits seit längerem bekannt. Zumindest wenn wir unsere Vorliebe für diesen extremen Krach einer unbedarften Person auf pseudo-intellektueller Basis näher bringen wollen, haha! Aber im Ernst, gerade in der aktuellen Welle der technischen Death Metal Bands wirken die Grenzen zwischen (Neo-)Klassik, Jazz und Metal so fließend wie nie zuvor. Lediglich durch Gesang und die Blastbeats scheint eine genaue Differenzierung für den Laien noch möglich…

Schlussendlich war es nur eine Frage der Zeit, bis dieser kompositorische Aspekt von einer Death Metal Band weiter in den Vordergrund gehoben wurde. Und bei berühmten Komponisten wie Verdi und Vivaldi verwundert es kaum, dass diese Hervorhebung von Italiener in die Tat umgesetzt wurde. Dezent auf der Myspace-Seite von FLESHGOD APOCYLPSE sichtbar in Noten und Notenlinien, schon stärker hörbar auf dem ersten Longplayer der Band. Als Einleitung für die folgende gute halbe Stunde hört man ein Orchester sich warm spielen, das dann jäh durch brutale Stakkatos unterbrochen wird – und schon findet man sich in deftigem Brutal Death Metal Gekloppe wieder. Eine moderne Grundausrichtung, richtig mitreißende Riffs und Breaks begleiten „In Honour Of Reason“ bis zum nächsten klassischen Intermezzo, bevor zum Schluss des Liedes klassischer Operngesang einer wahrscheinlich korpulenter Frau mit Hörnern dezent im Hintergrund zu der Band gespielt wird. Eine sehr nette Idee, die FLESHGOD APOKALYPSE sehr gut zu Gesicht steht und aus der Masse an Brutal Death Bands raus stechen lässt.

Leider war „In Honour Of Reason“ auch schon der stärkste Song auf „Oracles„. Die restlichen Songs sind zwar technisch einwandfrei gespielt und zeugen von ordentlicher Härte und Brutalität – aber wirken dann in den melodischen Passagen irgendwie unstimmig zur restlichen Musik. Brutal Death Metal mit melodischen Leads? Da muss man wirklich ein Händchen für haben, dass alles wie aus einem Guss wirkt. Auf „Oracles“ wirkt es irgendwo zwischen aufgesetzt und berechnet, ich vermisse ein wenig das Feeling. Und gerade in Zeiten, wo Decrepit Birth ein ultrageiles, technisches, melodisches und hartes Album rausgebracht haben, oder Obscura mit krasser technischer Leistung und der nötigen Verspieltheit ein Publikum in einem eh schon ordentlich übersättigten Markt zu verzaubern wissen, düften FLESHGOD APOCALYPSE sich bald in die Trivialität der Masse ergeben.
Den Deeds Of Flesh– oder Disgorge (US)-Brutal-Death-Fans dürften die melodischen Elemente auf die nerven gehen, die Technik-Freaks bekommen bei genannten Bands wesentlich mehr in wesentlich authentischerem Rahmen geboten und die Freunde von oldschool Death Metal werden sicherlich durch die Stakkatos und die immer wieder auftauchenden Einspieler aus klassischer Musik verschreckt werden. Ich selber halte mich ab und zu für einen musikoffenen Menschen. Aber wenn ich ein Brutal Death Album höre, will ich nicht auf einmal von einem viel zu lange gespieltem Walzer-Outro wie in „As Tyrants Fall“ genervt werden oder mir minutenlang Klavier-Soli antun müssen – Zumal die Verwendung dieser orchestralen Elemente nicht wirklich in die sonstige musikalische Ausrichtung passt. Ich gebe aber natürlich auch gerne zu, dass die Verwendung von Klassik eine angenehme Abwechslung zu Horror-Film-Intros und Porno-Gestöhne ist.

[rating:3.5]

Infos:
Candlelight Records / Willowtip – 23.03.2009
CD – 10 Lieder / ~ 37 Min.