Brutal Truth – Evolution Through Revolution

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BRUTAL TRUTH sind mit einem neuen Album wieder da! Auch wenn die Band sich 1999 nach dem letzten Album „Sounds Of The Animal-Kingdom“ getrennt hat, und erst seit 2006 wieder zusammen auftreten, muss ich wohl niemandem die New Yorker Urgesteine des chaotischen Grindcores vorstellen. Jeder, der sich etwas genauer mit dem Genre beschäftigt hat, ist früher oder später über die Truppe gestolpert, und sei es bloß über den mehr als genialen Song „Walking Corpse„!

Nun habe ich persönlich ein sehr ambivalentes Verhältnis zu der Band. In meinem Besitz befinden sich lediglich die letzten zwei Alben, „Trend Kill Suicide“ (1996) und „Sounds Of The Animal Kingdom“ (1999) und es ist sehr stimmungsabhängig, wann ich mir eines der Alben gebe – sogar noch stimmungsabhängiger als so totaler Krach wie Brodequin oder Last Days Of Humanity. Denn der Unterschied zwischen den genannten Lärmtruppen und BRUTAL TRUTH ist gleichzeitig auch das Markenzeichen der Grinder: dreckiger Groove trifft auf total unberechenbares (!) Chaos! Breakbeats, vertrackte Songstrukturen und wirre aber dennoch rockige Riffs untermalen total hingekotzen Gesang – Wie gesagt, ein Alleinstellungsmerkmal für die Band, die wirklich abseits aller Konventionen, Normvorstellungen und Trends agiert.
Und diese wirre, impulsive und eigenständige Art rechne ich BRUTAL TRUTH hoch an. Hier ist wirklich nichts massenkompatibel, sondern alles intensiv authentisch und einfach nur „Fuck Off“.

Durch den sehr klaren und druckvollen Sound brettert „Evolution Through Revolution“ wesentlich eingängiger durch meine Boxen, als es die beiden Vorgänger tun, man bekommt direkt einen besseren Bezug zu dem Album. Und als Einstieg in die gut 40 Minuten der Platte tut „Suggardaddy“ das Übrige; ab hier ist direkt klar, ob man die nächsten Minuten der Platte übersteht.
Kontinuierlich steigt nun das kontrollierte Chaos der CD immer weiter bis es im Song „Branded“ gipfelt. Nach dieser Hommage an „You Suffer“ von Napalm Death wird das wirsche Chaos wieder durchwachsener mit schleppenden und punkigen Elementen, die ihre Highlights in „Itch“ und „Bob Dylan Wrote Propaganda“ (geiler Titel) finden.

Aber trotz aller Eigenständigkeit, Authentizität und Unkonformität stelle ich mir bei einigen Lieder immer noch die Frage nach dem Sinn und Zweck, wie z.B. bei „Afterworld„. Und meine Launenabhängigkeit verbietet mir gerade das Gefallen der Lieder „Get A Therapist… Spare The World“ bis „Attack Dog„. Die Lieder sind mir zu noisy, chaotisch und wirr – was aber nichts daran ändern wird, dass ein BRUTAL TRUTH-Fan die Scheibe als solches Lieben wird.
Ebenfalls erachte ich „Evolution Through Revolution“ als perfekten Einstieg für Neueinsteiger in die Thematik „Brutal Truth“, da der sehr gute Sound die verquerten Songstrukturen um einiges nachvollziehbarer macht.
Ich persönlich behalte mir das Teil für bestimmte Launen vor, vergebe aber doch noch großzügig 4 Punkte für die Allgemeinheit der Grindcore- und Metal-Fans da draußen.

[rating:4]

Infos:
Relapse Records – 20.04.2009
CD – 20 Lieder / ~ 41 Min.