Afgrund – Vid Helvetets Grindar

 , ,

afgrund-vid-helvetets-grindar
Menschenskinder, wie habe ich mich auf dieses Album gefreut? Nachdem mich die eigentlich Schweden mit ihrem Debüt „Svarta Dagar“ und ihrer Split mit Relevant Few so unglaublich aus den Latschen gekloppt haben, hieß es im Interview zum Jahresende 2008:

„15 Lieder eines furiosen Grindcore-Tornados! Erwartet kein weiteres ‚Svarta Dagar‘, denn das neue Album ist schneller, böser und tighter!“

Entsprechend hoch waren auch meine Erwartungen an „Vid Helvetet Grindar„!

Und dann kommt auch schon die dumpfe Ernüchterung! Alleine das relativ billigem Cover, irgendwo zwischen Photoshop und schwarz-weiß Ästhetik wirkt auf den ersten Blick unpassend zu meinem Bild von AFGRUND. Derweil der Opener „A Future Europe In Flames“ noch direkt an das Debüt anknüpft, wechselt der Grundtenor direkt im nachfolgenden Stück „Noone Give A Fuck Anymore“ schlagartig! Der Crust und die durchweg pessimistische und depressiv-depremierende Grundstimmung des grandiosen Debüts weicht dem in der Tat tighteren, neuen „Vid Helvetets Grindar„. Viele Stellen sind stark groove- und rhythmus-orientiert und zeugen von einer Änderung der Patenschaft hin zum Hardcore. Manche Lieder sind zwar immer noch ziemlich rotzig und roh, wie „A Burning Cross On Your Perfect Lawn“ oder „Kuken Som Vapen“ und haben noch eindeutige Einflüsse aus dem Punk, aber irgendwie fehlt mir das düstere an den Songs. „T(h)rash Vortex“ oder „Borka Fran Noll“ könnten ohne Probleme musikalisch von Exhumed stammen und ansonsten höre ich deutlich Nasum aus der Scheibe heraus.
Erst gegen Ende, mit „The Empire“ beginnend, kommt wieder dunklere Stimmung auf – Kollege Niklas hat dafür mal das Wort „Tragedy-Grind“ in den Raum gestellt – doch im selben Lied findet die Band scheinbar Spaß am Rock und endet auf ein Black Sabbath-Riff. Ähnliche Affinität zum Rock’n Roll zeigen sich dann wiederholt im Rausschmeißer „Loneslavar Sla Tillbaka„. Aber zurück zum Düsteren, in meinem persönlichen Highlight der Platte, „Maskin-Manniska“ finden sich alle Elemente, die AFGRUND für mich zu etwas Besonderem gemacht haben.

In den meisten Aussagen hat die Band recht:

„Erwartet kein weiteres ‚Svarta Dagar'“

Stimmt, „Vid Helvetets Grindar“ ist kein zweites „Svarta Dagar„.

„Das neue Album ist schneller…“

Kann sein, aber Geschwindigkeit ist bekanntlich nicht alles, haha!

„… böser…“

Nein! Der Vorgänger war definitiv böser und dunkler!

„… und tighter!“

Hier hat Enrico recht, tight und sauberer ist das Zweitwerk von AFGRUND auf jeden Fall!

Wenn ich es mir ehrlich eingestehe, dann sind die Lieder insgesamt alle auf hohem Niveau und in absehbarer Zeit dürften AFGRUND in der gleichen Liga wie Rotten Sound, Nasum und Napalm Death spielen. Und bei jeder anderen Band hätte das Album eine richtig hohe Wertung von mir bekommen. Aber ich habe mich in die richtig bösen, fiesen, misanthropischen und durchgehend depressiven AFGRUND verliebt, die den schwarzen Tag musikalisch noch eine Nummer dunkler gestaltet haben. Und von diesen AFGRUND wurde ich doch etwas enttäuscht. Darum gibt es „nur“ 4 Punkte…

[rating:4]

Infos:
Willowtip / Candlelight – 30.03.2009
CD – 15 Lieder / ~ 27 Min.