Psycroptic – Ob(servant)

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Die vier tasmanischen Teufel von PSYCROPTIC wurden schon an diversen Stellen hoch gelobt und mit ihrem Deal bei Nuclear Blast ist noch eine Welle der Euphorie hinzugekommen. Zugegeben, für Nuclear Blast ist diese Band schon ungewöhnlich technisch vertrackt und hart, was nochmal für besondere Aufmerksamkeit sorgt. Aber das steht auf einen anderem Blatt…

Als bisher PSYCROPTIC-Unbedarfter, gehe ich an die Musik auf dem mittlerweile vierten Album der Band recht unvoreingenommen ran. Das Cover erinnert mich schonmal unweigerlich an „Crown Of Souls“ von Deeds Of Flesh. Aber auch, wenn beide Bands auf hohem technischen Niveau arbeiten, spielen beide Bands in unterschiedlichen Ligen. So finde ich die Tasmanen oftmals wenig songdienlich, sondern einfach nur technisch verspielt zum Selbstzweck!
So beginnt direkt der Opener und Titeltrack von „Ob(servant)“ ziemlich brutal vertrackt, das den Einstieg in das Album für den Hörer ziemlich sperrig gestaltet. „A Calculated Effort“ ist da etwas anders! Mit langsam, schleppendem Anfang und ziemlich cooler, eingängiger Melodie ist der Song definitiv der Hit der Platte mit dem meisten Wiedererkennungswert! Ähnliche Eigenschaften besitzt auch das direkt im Anschluss folgende „Slaves Of Nil„, das eine richtig fette Midtempo-Walze hat und stellenweise sehr songdienlich geschrieben wurde. Erst im Verlauf des Liedes verlieren sich die Ideen ein wenig in sperrigen Strukturen.
Und leider passiert genau dies relativ häufig auf „Ob(servant)„: Die Lieder verlieren sich in Gefrickel und wirren Strukturen. Was eigentlich sehr komisch ist, da die einzelnen Passagen trotz verspielter Riffs einen gewissen Flow haben, der zum Headbangen animiert. Was mich zusätzlich etwas stört ist der Gesang, der mich mehr an einen bellenden Hardcore-Sänger als an ein Death Metal Schwein erinnert! Absolut nicht mein Ding!
Trotz der Sperrigkeit sind die Lieder sicherlich alle auf einem hohen Niveau und das Album als solches ziemlich solide. Aber es mangelt irgendwie an packender Authentizität und Aggression, es wirkt alles eine Nummer zu konstruiert. Und leider sind zwei hervorragende Lieder ein bisschen wenig um den allgemeinen Hype um die Band zu rechtfertigen…

Als zusätzlichen Kaufanreiz versucht Nuclear Blast die CD mit einer Bonus-DVD aufzuwerten, die lediglich ein langweiliges Studio-Tagebuch und zwei Live-Shows enthält. Die eine aus den Niederlanden von 2006 ist von Bild und Ton eher unterdurchschnittlich, derweil der 2008er Mitschnitt aus Tasmanien eigentlich recht brauchbar ist. Leider muss man bis zu diesem Auftritt vorspulen, weil beide Shows einfach aneinander gereiht wurden.
An dieser Stelle auch noch ein Danke an das Label: Danke, dass ihr die Info „On Tour With…“ direkt auf das Slipcase der Scheibe gedruckt habt! Ein abziehbarer Aufkleber könnte ja in Vergessenheit geraten lassen, dass euer neues Pferd im Stall mit The Black Dahlia Murder unterwegs war….

[rating:3.5]

Infos:
Nuclear Blast – 2008
CD/CD+DVD – 9 Lieder / ~ 50 min.
DVD: Studio-Tagebuch, 2 Live-Shows
RC 0, Pal, Stereo, ca, 85 min.