Ephel Duath – Melodien die wie Sand schmecken

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Interview für das 2009er Album „Through My Dog’s Eyes“ – 15.01.2009
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EPHEL DUATH sind extreme Avantgardisten in der Metal-Szene. Sie machen keinen Halt vor stilfremden Einflüssen aus Blues, (Stoner) Rock, Industrial, Drum’n Bass oder (Post-) Hardcore und ziehen konsequent ihr (!) Ding durch – Was auch schon mal heißen kann, dass sie ihr Konzept radikal umkrempeln und den Hörer extrem überraschen und manchmal überrumpeln!
Grund genug um mal eine eMail nach Italien zu schicken und sehr interessante Antworten zu bekommen! Viel Spaß beim Lesen!


Hallo nach Italien! Es ist wirklich eine große Ehre ein Interview mit so extremen Avantgardisten wie EPHEL DUATH zu bekommen! Kannst du kurz Dich und Deine Band unseren Lesern vorstellen?
Ich bin David Tiso, der Gitarrist von EPHEL DUATH. Das EPHEL DUATH-Projekt startete 1998, wir haben 4 Alben und eine Remix-Scheibe auf Earache Records rausgebracht. Wir spielen irgendwie Extreme Metal kontaminiert mit verschiedenen, unterschiedlichen Einflüssen, hauptsächlich Hardcore, Rock, Blues, Jazz und Elektronik.

Soweit ich das richtig mitbekommen habe, hat Sänger Luciano Gerge Lorusso euch verlassen und wurde durch Guillermo Gonzalez ersetzt. Warum hat Luciano euch verlassen und wie habt ihr Guillermo gefunden? Verschiedene Quellen munkeln, Guillermo Gonzales sei ein professioneller Poker-Spieler…
Luciano hat die Band aus wirtschaftlichen Gründen verlassen. Er hat ein Angebot für einen Vollzeitjob bekommen, das er nicht ablehnen konnte. Die Band alleine erlaubt es den Mitgliedern nicht davon zu leben, meistens ist es eher ein Verlust von Geld. Und es war Lucio nicht möglich so weiter zu machen. Guillermo ist seit langer Zeit ein guter Freund von uns, der erst ein paar Monate zuvor seine Extreme Metal Band nach 15-jährigem Zusammensein verlassen hat. Lucio und Ich waren uns einig ihn zu fragen, ob er als Ersatz einsteigen will und Ghi hat sofort mit großem Enthusiasmus zugesagt. Er ist Chefredakteur eines italienischen Poker Magazins und ein sehr guter Poker-Spieler.

hund Was ist deine Intention hinter dem Konzept von „Through My Dog’s Eyes“? Hast Du selber einen Hund, der Dich inspiriert? Wann hast du die Idee für dieses Konzept entwickelt? Gab es da einen Schlüsselmoment zu der Idee?
Ich habe über dieses Hunde-Konzept direkt im Anschluss an die Aufnahme-Sessions zur „Pain Necessary To Know“ in 2005 nachgedacht. Ich liebe es mit Konzepten zu arbeiten! „The Painter’s Palette“ war ein sehr gutes zum Beispiel und das Album danach, „Pain Necessary To Know“, war zwar nicht wirklich ein Konzept, aber die Stimmung der Texte war fast in allen Liedern irgendwie verknüpft. Also nachdem ich mich für den Titel „Through My Dog’s Eyes“ entschieden hatte, habe ich angefangen kurze Geschichten für jeden Song zu schreiben. Jedes Wort der Texte erscheint in der Form eines Punktes um die Bedeutung jeder Geschichte auf den geringen Platz der Lieder zu komprimieren.
Es gibt eine Parallele zwischen der neuen musikalischen Richtung von EPHEL DUATH und dem Konzept des Hundes, das wir gewählt haben. Beide Teile sind nackt:
– Das neue EPHEL DUATH Album ist frei von den komplizierten Strukturen und den dissonanten Arrangements, die die Band bisher geprägt haben. Dieses Mal entschieden wir uns, uns auf den Kern der Musikrichtungen zu besinnen, die wir in der Vergangenheit angeschnitten haben, mit dem Hauptfokus auf Blues-Rock und seiner Verwendung in „The Painter’s Palette“ und „Pain Necessary To Know“.
– Der Hund ist eines der Tiere, die uns gegenüber ihre Emotionen am besten durch ihre Augen ausdrücken. Hunde können in mancher Hinsicht sogar menschlicher sein als der Mensch selber, wenn es darum geht seine Gefühle anderen mitzuteilen. Ein Hund ist nackt vor seinen Gefühlen, er kann sie nicht verstecken. Hunderte Jahre der Evolution haben die Menschen gefiltert, mit dem Ergebnis, dass man manchmal nur an die Empfindungen einer Person kommt, wenn man in seiner Persönlichkeit wühlt. Bei Hunden ist das nicht notwendig, bei ihnen muss man nur in die Augen schauen um zu sehen, was los ist!
Es gab eine Episode, die mich über all das zum Nachdenken gebracht hat. In 2005 habe ich als Bartender in Venedig gearbeitet und da war dieses Punk-Mädchen, die oft auf einen Kaffee bei uns rein gekommen ist. Sie hatte immer ihren Labrador-Welpen dabei. Versteckt vor meinem Boss habe ich dem Tier immer wieder kleine Stücke Schinken gegeben. Mit jedem Mal wurde dieses kleine Ritual immer wichtiger für den Hund und er begann immer zu vor Freude zu pissen, wenn er mich sah, in der Bar oder auf der Straße. Diese Augen, glücklich vor Freude, haben so viele Dinge erzählt, dass ich sie einfach versucht habe in Musik zu fassen!

Wie würdest Du euer letztes Album „Through My Dog’s Eyes“ beschreiben? Würdest Du sagen, dass es ein typischer Release für EPHEL DUATH ist? Wie würdest du den Stil von EPHEL DUATH im Allgemeinen beschreiben?
Mit „Through My Dog’s Eyes“ haben wir versucht ein sehr hörbares Album zu machen. Das war die größte Aufgabe, die wir bisher hatten! Die Idee war eine CD, die man einfach hören kann und auch den „Repeat All“-Knopf auf der Anlage drücken kann. Zuvor war es eine Herausforderung für den Hörer bis zum Ende einer EPHEL DUATH-CD durchzuhalten. Mit dem neuen Album denke ich, dass die Dinge anders sind. Zu oberst habe ich noch eine weitere, für mich wichtige Aufgabe gehabt: Unser rockigstes Album OHNE Bass zu machen. Nur Gitarren, Gesang und Schlagzeug.
Ich bin richtig zufrieden mit dem Ergebnis, wir hatten noch nie so viel Groove in unseren Liedern, darum auch ein Dank an Marco Minnemann an den Drums!
Was den Stil der Band angeht, würde ich – wie schon zuvor – sagen: Extreme Metal mit Tonnen anderer Einflüsse.

Ich kenne nur eure letzten drei Veröffentlichungen, „Through My Dog’s Eyes“, „Pain Remixes The Known“ und „Pain Necessary To Know“. Aber innerhalb dieser drei Alben deckt ihr ein breites Sortiment an Stilistiken ab: Von Metal, Hardcore, Jazz über Industrial und kürzlich erst Elemente von Blues und Stoner Rock. Was kannst du zu dieser Entwicklung von EPHEL DUATH sagen? Was kann der Hörer als nächstes erwarten? Folk? Ragtime? Bigband? Ska?
Ich habe gerade angefangen über das nächste Album nachzudenken! Momentan ist es zwar nur eine Ansammlung von verschiedenen Ideen in meinem Kopf, aber ich kann schon mal versprechen: Ich sehe ein Album mit enormen Platz und Melodien die wie Sand schmecken!

Um ehrlich zu sein, als ich das erste Mal das Album „Through My Dog’s Eyes“ gehört habe, war ich ein wenig enttäuscht! Ich habe dieses Chaos, diese unglaubliche Aggression von „Pain Necessary To Know“ vermisst. Erst nach einigen Durchläufen in meinem Player habe ich diesen Groove des Albums für mich entdeckt. Denkst du, dass es anderen Hörern auch so ging?
Ja, wir haben erwartet, dass so etwas passiert. Jemanden zu enttäuschen ist Teil des Spiels, und wir akzeptieren das. Wir riskieren mit jedem Album, einfach das zu machen, was unser Instinkt in unser Gehör brüllt, und dieses Mal haben wir wahrscheinlich etwas mehr riskiert, als sonst. Es gibt immer stilistische Spünge von einem EPHEL DUATH Album zum anderen, manchmal können sie sehr hoch sein, wie z.B. vom Debüt „Phormula“, einem Avantgarde Extreme Metal-Experiment, und dem zweiten, „The Painter’s Palette“, Extremer Metal zusammen mit der Freiheit des Jazz. Oder zwischen „Pain Necessary To Know“, einem sehr dunklen und komplexen Album mit leichtem Post-Hardcore-Touch und dem neuen „Through My Dog’s Eyes“, bei dem wir versucht haben unsere Wurzeln mit Blues Rock anzureichern.

Welche Bands haben Dich am meisten beeinflusst? Welche Bands würdest du unseren Lesern empfehlen, die total auf EPHEL DUATH stehen?
Als wir angefangen haben, war ich sehr in EMPEROR, LIMBONIC ART, ARCTURUS. Mit der Zeit habe ich dann CONVERGE, DEP, NEUROSIS, ISIS, FANTOMAS, MESHUGGAH entdeckt und kürzlich DOWN, POISON THE WELL, QUEENS OF THE STONEAGE, CORROSION OF CONFORMITY, TOMAHAWK, MELVINS, PELICAN, RED SPAROWES.
Deinen Lesern kann ich nur empfehlen mal das italienische Trio (Drums, Bass, Saxophon) ZU anzutesten! Aktuell sind sie auf Ipecac und machen eine Art akrobatischen Punk-Jazz. Sie sind einfach nur fantastisch!

Kannst Du unseren Lesern noch ein paar Infos zu eurem Remix-Album geben? War dieses Album geplant oder mehr spontan? Hast du Eraldo Bernocchi nach den Remixen gefragt, oder war es seine Idee?
Vor zwei Jahren hat uns unser Label Earache gefragt, ob wir in einem Remix unseres 2005er Album „Pain Necessary To Know“ wären. Ich war wirklich aufgeregt über dieses neue Abenteuer und dachte sofort an Eraldo Bernocchi. Zu dieser Zeit hat EPHEL DUATH mit der experimentellen Industrial-Band SIGILLUM S zusammengearbeitet, wir haben zusammen an einem Lied für ihre 20th Anniversary-CD geschrieben. Ich habe Eraldo gefragt, ob er interessiert wäre und er hat zugesagt. Er hat großartige Arbeit geleistet, „Pain Remixes The Known“ ist ein kranker und verstörender Trip in die Dub-Noise-Felder!

Denkst du EPHEL DUATH funktioniert genau so gut live, wie auf CD? Ich denke, es kann für den Hörer schon ziemlich anstrengend werden euren Songs live zu folgen… Wie waren denn bisher die Reaktionen auf eure Auftritte?
EPHEL DUATH kommen live wesentlich schneller auf den Punkt, als auf CD. Ich liebe es, die Lieder für jede Tour die wir machen, neu zu arrangieren und der Öffentlichkeit etwas einschlagenderes und weniger kompliziertes zu liefern! Die Reaktionen auf unsere Shows sind immer interessant und unterschiedlich. Manche Leute stehen unbewegt, manche bewegen ihren Kopf und wenn es der Song zulässt, gibt es manchmal brutale Mosh-Pits.

ephel-duath-bandPlant ihr auch, „Through My Dog’s Eyes“ live zu promoten? Können wir EPHEL DUATH dann auch hier in Deutschland erwarten?
Ich stelle gerade ein neues Live-Line-Up zusammen und wir werden bald schon das neue Album mit Live-Shows promoten! Und Deutschland ist definitiv ein Land, das wir besuchen werden! Ich liebe das deutsche Publikum! Die Leute dort hören was die Band macht und kommen nicht nur zu den Konzerten um Bier zu trinken.

Danke nochmal für Deine Zeit und Deine Antworten! Ich wünsche Dir und Deiner Band alles gute mit dem neuen Album! Die letzten Worte gehören Dir:
Ich danke Dir vielmals für deinen Support und wünsche Dir und Deinen Lesern das Beste! Letzte Worte? Kauft CDs, Downloads töten tonnenweise großartige Bands, die es verdient haben, sich auszudrücken!
(Dieser Aussage kann ich mich nur voll anschließen! – Anm. d. Verf.)


Interview: Chris (Necroslaughter) / David Tiso (Gitarre @ Ephel Duath)

© Bilder:
Band-Logo: ka@MySpace
Band-Bild: Ephel Duath@MySpace
CD-Cover: Ephel Duath / Earache Records