Jack Slater – Blut/Macht/Frei

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Meine Lieblingsbonner sind wieder zurück, und zwar mit einem neuen Klumpen hammer-technischem Death Metal mit eigenwilligen Texten!
Sah es gegen ende letzten Jahres noch alles andere als rosig um JACK SLATER aus, so klingt das im Mai erschienene Album „Blut/Macht/Frei“ durchweg modern, kraftvoll und ziemlich reif! – Ein Endprodukt, dass ich nach der temporären Trennung der Band nicht erwartet hätte!

Die geballte Ladung an technischen, durchweg qualitativ hochwertiger und von Sobo bekannten Riffs durften sicher den ein oder anderen Metaller umhauen und verschrecken. Aber einmal richtig in das Album reingehört, gewinnen die vertrackten Songs und stellenweise sperrigen Riffs und Songstrukturen an Potential!
Der Hammer-Opener und Titeltrack überzeugt durch gelungenes Hauptthema und fetten Drum und Bass Groove in der Mitte! „Töten“ liefert ziemlich viele Bezüge zum letzten Album „Metzgore“ und dürfte den Fan der Osterfetischisten auf keinen Fall enttäuschen. Ein ziemlich geiles Brett!
Einer meiner absoluten Lieblinge auf der Platte ist aber das total geniale und agonische „Amnestia„! Geile, moderne Melodielinie, Brutalität und eine einmalige, verdammt düstere Grundstimmung! Verdammt, so (!) muss moderner Death Metal klingen! Alle verfickten kleinen Metalcore- und Deathcore-Kackbands, hier könnt ihr was von guter Musik lernen! Ein weiteres Highlight ist das bereits als Preview veröffentlichte „Rohrspast“ – hieß das nicht mal „Rohrspatz„? Überhaupt, wo sind „Reihenhaus“ und „Koksnutte“ geblieben? Egal! Der „Rohrspast“ ist genial jazzig zu beginn, alleine durch die chromatischen Schritte im Riffing! Danach geht es total auf die Fresse, vergleichsweise straight zum Rest der CD!
Ungewöhnlich wird es im „Narbe„-Zyklus, mit einem Saxophon und Sobo an der Jazz-Gitarre, welche am Ende des ersten Teils einsetzen. Aber erst im dritten Teil des Zyklus‘ verbindet sich die Jazz-Attitüde mit dem Saxophon und dem Death Metal! Genial! Warum ist vorher niemand auf diese Idee gekommen? Die Atmosphäre ist unglaublich dicht und düster, einfach fantastisch! Vielleicht könnte man das Resultat von der Stimmung her mit Immolation vergleichen…
Du selbst“ ist ursprünglich von der ersten MCD der Bonner, diesmal mit Horn am Mikro und in deutlich besserer Ton-Qualität! Trotz des „Alters“ des Liedes passt es aber wunderbar in den Gesamtkontext!

Nach 10 Liedern und gut 50 Minuten ist „Blut/Macht/Frei“ dann wieder vorbei. Eine durchaus adäquate Zeit für ein so intensives Album! Neben der musikalischen Weiterentwicklung hat auch Horn sich in seinen Texten weiterentwickelt. Sie sind nun weitaus ernsthafter, als auf den letzten beiden Alben und regen wirklich zum Nachdenken an! Hingegen das Artwork der CD finde ich absolut nicht gelungen! Das Cover geht noch halbwegs, aber das Band-Foto hinter der CD erinnert dermaßen an all diese einfallslosen Slam-Death Kapellen… Fehlen nur noch die Wollmützen und ich halte euch für neunzehn, haha! Beim nächsten Mal bitte wieder ein cooles tschechisches Comic-Bild bitte!

Aber solche Kritikpunkte ändern nichts an dieser düsteren, bedrückenden Platte mit verdammt hohem technischen Niveau und musikalischem Hörvergnügen, das weit über 2 Durchläufe hinausreicht! Definitiv wieder ein starker Output der Bonner Hasenköpfe!

[rating:5.5]

Infos:
War-Anthem Recors – Mai 2008
CD 10 Lieder / 49:48 Min.