11.07.2008 – Under The Pledge Of Secrecy

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Infos:
11.07.2008 / Aachen, AZ
Beginn: 19:00h
Eintritt: 5,– Euro

Bands:
Ding Dong Dead, Misantropicana, Dead Flesh Fashion, Under The Pledge Of Secrecy

„Pi ist genau 3!“ – So oder ähnlich funktionieren Mathematikerwitze. Mathematik ist das menschliche Bestreben, die Welt in Zahlen und Formeln idealisiert darzustellen – wobei sich mir oftmals die Praxisnähe dieser Unterfangen entzieht… Eine wirklich praktische Anwendung von Mathematik ist aber die Musik – auch wenn Drei-Akkorde-Schrammelpunk es beispielsweise nur schwer erahnen lässt, haha! Ersichtlich wird dieser Umstand eher bei technischeren Bands, die mit Taktarten und Rhythmen etwas vom bekannten Schema abweichen. Und genau solche Bands sollten sich am heutigen Abend im AZ in Aachen versammeln um zum einen mächtig Krach zu machen und zum anderen den Geburtstag von UNDER THE PLEDGE OF SECRECY-Sänger Arthur zu feiern!
Vorrausnehmend kann man sagen: Es war ziemlich experimentell und die Nähe vieler der Bands zum Mathcore kann nicht geleugnet werden!

Aber fangen wir vorne bei der Band mit dem ziemlich witzigen Namen DING DONG DEAD an – zunächst fühlte ich mich an den ehemaligen Bassiten des Headliners, später dann an „Die Nakte Kanone“ erinnert, haha! Hinter diesem recht ungewöhnlichen Namen verstecken sich 5 Jungs aus dem Ruhrpott, genauer aus Dortmund / Münster. Stilistisch stand Post-Punk auf der Verpackung, aber bekanntlich ist auch diese Genreschublade ziemlich ausgelutscht. Daher musste man sich schon selber ein Urteil bilden: Es war ziemlich krachig, mit leichten Tendenzen in Richtung Noisecore, aktuell würde mir als vergleich nur WATCHMAKER einfallen.
Ungewöhnlich für uns als relativ „klassische“ Konzertbesucher war der „Bühnenaufbau“: Davon abgesehen, dass die Band einfach nur auf dem Fussboden und nicht auf irgendwelchen Brettern stand, haben sich alle Musiker zum Schlagzeug hin zentriert, standen also mehr oder weniger mit dem Rücken zum Publikum. (Mich erinntere das ein wenig an die alten Viva Overdrive-Shows, haha)

Etwas interessanter für uns sollte die nächste Band werden: MISANTROPICANA aus Amsterdam / Niederlande! Reduziert auf das Basis-Line-Up Gitarre, Bass, Schlagzeug und Vocals hat diese Band mit dem ebenfalls coolen Namen sich mehr der grindigeren Ausrichtung des Mathcores verschrieben! Immer noch verbreakt, viel heiseres Geschreie und schräge Töne, dafür aber super kraftvoll und recht fix vom Tempo her! Durch die ungezügelte Energie des Tiers hinter der Batterie musste sogar ein Becken sein Leben lassen! Ziemlich eindrucksvoller, wenngleich auch anstrengender Auftritt!
Kleine Anmerkung: MISANTROPICANA sind für die leider verhinderten ACTRESS eingesprungen.

DEAD FLESH FASHION kann nun alleine namentlich nicht mit den Vorgängerbands mithalten. Wollen die wohl auch nicht! Musikalisch geht es hier zwar in ähnliche, aber dennoch andere Richtung! Teilweise schleppender und vom Grundtenor hier schon in Richtung krachigen Doom tendierend walzten die Jungs aus NRW durch ihr Set! Wie schon MISANTROPICANA zuvor hat die Band ziemlich viel Gefallen an ihrer Musik und diesen zeigten sie beim Spielen auch recht offen! Leider die war Band immer noch mehr zum Schlagzeuger gewandt, aber der Sänger ist schon ein bisschen aktiver durch das Publikum marschierte!
Wie sich schon beim Probehören der Lieder auf MySpace.com angedeutet hat, konnte mich DEAD FLESH FASHION musikalisch am wenigsten überzeugen. Technisch sind die Jungs aber auf jeden Fall saumäßig fit! Respekt für die Leistung!

Richtig krass technisch sollte es nun bei den Lokalmatadoren UNDER THE PLEDGE OF SECRECY werden! Mit mehr als fähigen Leuten hinter allen Instrumenten und neben den „typischen“ Mathcore-Elementen, hat die Band auch vermehrt Augenmerk auf Geschwindigkeit und Grind gelegt! Dadurch wirkte der ganze Auftritt ultra brutal, war wahnsinnig schnell und bei der Fingerakrobatik der Saitenzupfer konnte einem anders werden! Vom Schlagwerker mag ich gar nicht mal anfangen, DAS ist definitiv eine Maschine!
Neben dem „Der Sänger hat heute Geburtstags“-Bonus und dem Status der Lokalhelden konnte die Band also auch musikalisch den Abend und das Publikum für sich gewinnen! Definitiv krasse Scheiße, die die Jungs da vom Stapel gelassen haben!

Insgesamt war das Aachener AZ ziemlich gut besucht für solch einen Krachabend! Ich habe schon Metalkonzerte und Grindcore-Veranstalltungen hier erlebt, die weitaus weniger Publikum gezogen haben! Wie viele Leute nun von den Bands „mitgebracht“ worden sind, sei einfach mal außen vor gelassen!
Also durch aus netten Bonus zu der Musik gab es Veganes-Futter von 50Foodcombo, das sehr lecker war!

Alles in allem fand ich den Abend sehr gelungen! Die musikalischen Darbietungen waren sehr interessant und haben mir neue Einblicke in ein mir größtenteils fremdes Genre ermöglicht! Ich dachte mal, ich höre krasse Musik. Nun weiß ich, dass ich noch Musik höre, haha!