Obscenity – Gay Edition

OBSCENITY lärmen schon seit gut 17 Jahren in der Szene rum und konnten ihre Fanbasis mit ihren letzten 2 Alben „Intense“ (2000) und „Cold Blooded Murder“ (2002) – beide über Morbid Records – sehr gut ausbauen! Das neue Album „Where Sinners Bleed“ kommt diesemal über das noch kleine Armageddon Music auf den Markt, kann dafür aber sicher noch mehr Fans gewinnen! Über den Labelwechsel, das Coverartwork, die lange Zeit zwischen den letzen beiden Alben und noch vieles mehr gibt Gitarrist Henne Auskunft! Viel Spaß!!


Hi Henne! Alles klar im Norden der Republik? Wie fühlt man sich mit dem ersten Output seit gut 4 Jahren?

Hi, erst mal! Yo, hier ist alles beim Alten. Es ist ’ne ganze Zeit vergangen und es hat sich einiges getan im Obscenity-Lager. mit dem neuen Output haben wir ein gutes Gefühl, zumal wir auch ein neues Label im Rücken haben. Jede neue Scheibe ist natürlich die beste, aber es trifft hier wirklich zu. wir haben nur positive Resonanzen bekommen was die Reviews betrifft.

Warum lag eigentlich eine so lange Zeitspanne zwischen „Cold Blooded Murder“ und „Where Sinners Bleed“? Brauchtet ihr mal eine kreative Pause oder gab es intern irgendwelche Verzögerungen?

Jeder braucht mal ’ne Pause oder Abstand zu gewissen Dingen. Man schaut wie es weitergeht oder welche Richtung man einschlägt. Dazu muss ich gestehen das zB. „Obsessed with slavery“ der erste Song war den wir für „WSB “ geschrieben hatten. Er ist kurz nach Veröffentlichung von“ CBM“ entstanden, er ist also gut 4 jahre alt! Außerdem hatten wir einiges an live Aktivitäten abzuarbeiten. Das war zwar nicht sonderlich viel, aber es ist ja auch eine Frage der Zeit, die man investieren muss, wenn man ein solches Projekt durchzieht.

Warum habt ihr eigentlich von Morbid Records nach Armageddon Music gewechselt? Mal ehrlich: Armageddon ist bisher ja nicht wirklich bekannt für Death Metal Veröffentlichungen….

Sicher, dort sind eher Metal und Thrash Bands ansässig. Aber wir hatten den Mut zur Lücke, und haben uns auf blauen Dunst dort beworben. Es hat geklappt, wie du siehst, und es wird nicht die einzige CD sein die wir für Armageddon aufnehmen werden! Es sei denn „WSB“ floppt so dermaßen, das man und vor die Tür setzt, hahaha.
Ursprünglich hatten wir „WSB “ für Morbid aufgenommen, und nach Fertigstellung der Aufnahmen hatten wir allesamt das Gefühl das sich was ändern muss. Wir hatten fast 10 Jahre lang mit Morbid zusammengearbeitet und irgendetwas sollte nun passieren. Wir hatten quasi das Gefühl auf der Stelle zu treten. Mit Armageddon haben wir ein fähiges Label gefunden die einen guten Background mitbringen. Zudem kannten wir Sabina (Classen – Promofrau bei Armageddon und Sängerin von Holy Moses – Anm. d. Verf.) noch aus alten Zeiten, die immer super engagiert war wenn es um Promotion ging.

Seit ihr den bisher zufrieden mit der Zusammenarbeit? Wie ich jetzt gelesen habe, wird es zusätzlich zu der geplanten CD-Fassung von „Where Sinners Bleed“ auch noch eine Digi-Pak Fassung mit Bonustracks geben… War das euer Wunsch oder ein Angebot vom Label?

Das kam vom Label. Ich glaube sogar es war Sabinas Idee. die Songs hatten wir damals für West Virginia (1. Label) aufgenommen und konnten die Songs somit übernehmen.
Die Tracks wurden dann auch noch einmal überarbeitet, was das Mastering betrifft.
Da die Vorbestellungen für die“ WSB“-CD so gut liefen, hatte man uns gefragt und auch wir waren sehr angetan von dieser Idee.

Was für Bonusmaterial wird denn das Digipak gegenüber der normalen Verison haben? Soweit ich gelesen habe, sind das Tracks von eurem Debütalbum „Suffocated Truth“….

Genau! Es sind fast die ganzen Tracks. Da nur begrenzt Zeit auf einem Tonträger ist, konnten wir selbst entscheiden welche es sein sollten. Es ist außerdem eine Special Edition was das cover Artwork angeht.

Kommt das Debütalbum irgendwann eigentlich noch mal als Re-Release komplett raus oder muss sich der besitzlose Fan mit dem Bonus der neuen CD zufrieden geben?

Hmmm, weiß ich nicht. Ich persönlich reite nicht gern auf altem Material herum. Ich bin da eher produktiv veranlagt und immer auf der Suche nach neuem. Ich habe aber nichts dagegen die Songs noch mal neu aufzunehmen und sie im aktuellen Sound und mit mehr Tempo zu präsentieren.

Ich finde, die Pause zwischen „Cold Blooded Murder“ und „Where Sinners Bleed“ hat euch gut getan! Derweil ich das 2002er Album nicht ganz so gelungen finde, böllert das neue Vieh ja wirklich alles an die Wand: Fetter Sound, groovy Drumming, geile Riffs und verdammt brutaler Gesang! Ein würdiger Nachfolger zum genialen „Intense“, wie ich finde!

Finde ich auch ,hehehe. Allerdings finde ich persönlich CBM um längen besser als die „Intense“. aber das ist ja auch Geschmackssache. Der Sound ist wieder mal spitze obwohl ich persönlich die Gitarren gerne etwas lauter gehabt hätte. Das liegt entweder daran das Jörg (Soundlodge) selber Schlagzeuger ist, oder ich das selber ganz anders höre wie ein außenstehender Metalhead.

Auf „Where Sinners Bleed“ hört man auch sehr stark eure Einflüsse aus Florida heraus! Habt ihr vor dem Songwriting vermehrt altes Zeug gehört oder wie kommt es, dass ihr diese Elemente so bewusst in die Lieder platziert habt?

Es ist nun mal so das zu 99 % die Gitarristen diejenigen sind, die einen Song in eine gewisse Richtung forcieren. Das ganze ist eher unterschwellig gelaufen, da wir doch sehr gemischte Geschmäcker, aber alle ein Faible für Thrash und Florida-Style haben.
Dabei versuchen wir aber immer eigenständig und innovativ zu sein!

„Where Sinners Bleed“ ist ja wieder mal ein sehr klischeebelasteter Titel…. Wurdet ihr eigentlich von Entombed oder Impending Doom bei der Namensgebung beeinflusst oder wie war das?

Wer? Hahaha! Das solltest du Olli fragen. der ist für das textliche verantwortlich. Er hat öfter das Problem das er einen fertigen Text vorlegt und dann auffällt das es den Titel schon gibt. Allerdings ist es nicht aufgefallen das Entombed den schon hatten, und von Impending Doom kenne ich leider gar nichts, sorry.
Wir hatten allerdings im Vorfeld schon über verschiedene Titel diskutiert und abgestimmt. übrigens stand auch “ Return to Flesh“ zur Auswahl , den ich persönlich auch sehr mochte. (Hatten da nicht Defleshed mal ein Album?? – Anm. d. Verf.)

Wo wir schon bei (angeblichen) Beeinflussungen sind: „Mutate To Scourge – Infecdead“ scheint ja auch irgendwo seine (namentlichen) Parallelen in Duisburg bei INFECDEAD zu haben… oder war euch gar nicht bewusst, dass es eine Band mit diesem Namen gibt, als ihr das Stück betitelt habt? Auf jeden Fall ist es ein geiles Wortspiel!

Nein, kenne ich nicht. Machen die auch death metal? Gibts ’ne CD von denen? Würde mich ja interessieren.

Auf dem Cover von „Where Sinners Bleed“ ist ein Haus zu sehen. Ich gehe aber einfach mal davon aus, dass es nicht so etwas profanes wie ein einfaches Haus ist! Und da ich erst kürzlich „Fragmente“ gelesen habe, wo das Cover auch nicht irgendein Haus, sondern die Behausung von Ed Gein zeigt, würde ich gerne wissen, welches Haus ihr darstellen wollt!

Soweit ich weiß, war Ed Gein ein psychotischer Serien Killer. Hat aber mit dem ganzen wohl nichts zu tun. Das Cover hat Björn Goses (KILLUSTRATIONS) entworfen. Er hatte die Vorgabe etwas zu dem Titel “ where sinners bleed “ entwerfen.
Wenn man genau hinsieht , kann man die Blutlachen an den Fenstern erkennen. Vielleicht ist es die moderne Version der Hölle! Zudem hatte er die Idee das ganze Booklet als eine story aufzuziehen, was ihm auch super gelungen ist. (Hmmm… Sieht man leider an der Promo nicht! – Anm. d. Schreibers!)

Mal eine ungewöhnlichere Frage: Glaubst du, bzw. ihr an Außerirdische? Irgendwie legt der Text von „The Arrival“ eine solche Vermutung nahe und nachdem Peter „Alleskönner“ Tägtgren sein Bekenneralbum auch „The Arival“ tituliert hat, würde mich mal deine Meinung interessieren!

Verdammt! Über irgendwas muss man doch singen, hahaha. Nicht immer alles auf die Goldwaage legen oder alles analysieren bitte! Ich glaube solange nicht an irgendwelche Außerirdischen bis ich einen vor mir stehen sehe. Und wenn Peter sich dazu bekennt, liegt das wahrscheinlich an seinem konsumverhalten bewusstseinserweiternden Substanzen, hahaha. (Das denke ich beinahe auch, haha! – Anm. d. Ihrwisstschonwer!)

Warum habt ihr eigentlich so lange nicht mehr bei euch in der Heimatstadt gespielt? Der Ankündigung vom „Northern Death Conference“ nach, habt ich schon 10 Jahre lang keinen Auftritt mehr in Oldenburg gegeben…

Yo, in unserer sogenannten „Heimatstadt“ haben wir Liveaktivitäten immer galant ausgespart. Aus dem einfachen Grunde weil es dort immer Labereien und Missgunst und Neid gab. Außerdem ist Oldenburg nicht besonders kosmopolitisch sondern eher kleinwüchsig und konservativ. Und ich habe keinen Bock vor meinen Nachbarn und Arbeitskollegen aufzutreten, hahaha. Jetzt haben wir ja wieder 10 Jahre zeit bis Oldenburg angesagt ist, muahahahaha.

Ihr habt euch mit „Cold Blooded Murder“ einige gute Auftritte erspielen können: No Mercy Tour 2002, With Full Force 2002, Wacken 2003, Westfalen Festival 2004 und noch eine Tour mit Six Feet Under. Was war bisher das beste Erlebnis? Sei es der beste Auftritt oder sonstige Erfahrungen, die ihr in eurem 17 jährigen Bestehen erlebt habt!

Jede Tour und jedes Festival ist an sich immer etwas besonderes. Für mich persönlich war es die No Mercy Tour. Wir hatten tierisch Spaß und haben Erfahrungen gesammelt. Allerdings lernt man auch auf engstem Raum zusammen zu leben und wenig persönlichen Freiraum zu haben, was auf eine Dauer von 2 Wochen schon anstrengend sein kann.
Eine sehr schöne Erinnerung daran war der Auftritt in Strassburg (No Mercy) wo die Fans dermaßen ausgetickt sind das die Logen fast auseinander brachen. Auch die SFU Tour war super. Die band war sehr nett und zuvorkommend und man hat sich gut verstanden. Trotzdem war es sehr anstrengend, da wir selber fahren mussten, und somit sehr wenig schlaf bekamen weil die Gigs teilweise sehr weit auseinander lagen.
Dieses Jahr sind wir übrigens auch wieder auf dem Wacken zu sehen. – „Leute kommt und macht den Laden voll“! hahahaha!

Müssen wir eigentlich nun auf den Nachfolger von „Where Sinners Bleed“ auch wieder 4 Jahre warten oder wollt ihr euch alsbald möglich wieder ans Songwriting klemmen? Was kann man in näherer Zukunft aus dem Hause OBSCENITY erwarten?

Dieses mal wird’s vielleicht auch 5 oder 6 Jahre dauern, da wir uns wohl zum Ende des Jahres auflösen werden und erst im nächsten Jahrzehnt eine Reunion feiern werden, wie alle Bands das momentan machen um Erfolg zu erlangen, muahahaha.
Nee, Scherz beiseite. Kann man so genau nicht sagen. Wir sind außerordentlich probefaul, weil wir alle beruflich und vor allem auch familiär eingebunden sind, was viele junge Bands nicht sind und nicht verstehen. Aber um die Sache zu beschleunigen werden wir wohl eine andere Herangehensweise vorziehen, indem die Songs nicht gemeinschaftlich entstehen sondern wie einige von WSB aus einer Feder stammen. Das macht den einzelnen Song auch viel flüssiger und eingängiger. Du weißt ja, “ viele Köche…..“ hahaha.

Zum Schluss noch mal eine kurze Frage: Zum Westfalen Festival 2004 habe ich mir eines eurer Shirts gekauft, auf dem ein pinker Aufdruck ist…. Mal im ernst: Pink ist so was von nicht Heavy Metal, haha! Wessen Idee war das eigentlich? Ist euch eigentlich klar, dass man beispielsweise in Köln komisch angeschaut wird, wenn man diesen pinken Aufdruck auf der Brust und einen Cock And Ball Torture Aufnäher auf der Kappe hat, haha!?! Nur Spaß! Aber mich würde schon interessieren, welche Bewandtnis hinter der Farbgebung steckt!
Da hast du wohl eines aus der Gay-Edition erwischt, muahahahaha. Also ursprünglich waren die ja mal blutrot. (Naja, wohl eher lila…. – Anm. d. Shirt-Trägers) aber nach einigen Maschinenwäschen und einem nicht geeignetem Colorwaschmittel konnte es bei dem Produkt zu Verwaschungen kommen.
Aufgrund dieser Tatsachen hatten wir auch das Presswerk gewechselt.

Von meiner Seite gibt es vorerst nichts mehr zu sagen, außer viel Erfolg mit dem neuen Album und vielen Dank für das Interview! Hast du noch irgendwelche Worte an unsere Leser, respektive eure Fans?

Haben wir welche? Naja dann sag ich mal artig Danke für ihre Aufmerksamkeit und das rege Interesse an unserer kleinen Kapelle, hahaha! Hört euch „Where Sinners Bleed “ an und ihr werdet nicht enttäuscht sein, es ist durch und durch ein durchwachsenes Album auf dem für jung und alt etwas dabei ist. Quasi die „Schlachtplatte Oldenburg -Deluxe“!!
Bye, henne!


Interview: Martin (Necroslaughter) / Henne (Gitarre @ Obscenity) · 15.07.2006