Soil Of Decay – Es trieft vor Klischees

Irgendwie war ich ja nicht ganz so begeistert von dem Einstandsalbum „Fear Made Flesh“ von SOIL OF DECAY. Da Sänger Sascha aber auch mit einigen meiner Kritikpunkte und Anmerkungen nicht übereinstimmte, habe ich mir gedacht, wir geben ihm und seiner Band mal die Gelegenheit das zu sagen, was wir nicht gesagt haben.


N’abend Sascha! Alles klar bei dir? Auch mittlerweile die Schnauze voll von Winter?

Och joa, noch is alles im grünen Bereich. Zum Glück hat der liebe Gott ja die Heizung erfunden. Nachts ist halt kälter als draußen.

Oldschool Death Metal im Midtempo scheint ja euer Bier zu sein! Erzähl mal, warum ihr euch für diesen Stil entschieden habt und welche Bands euch so an sich maßgeblich beeinflusst haben! Momentan sind die Trends ja eher in Richtung amerikanischem Froschgegurgel mit Slamgroove…

Wir fühlen uns eher im Midtempo zuhause, weil wir alle nicht auf pausenloses Gebolze klarkommen. Es ist einfach viel angenehmer mit einem guten Groove zu arbeiten, als mit kaum nachvollziehbaren Highspeedlicks. Mich würd’s auch einfach auf Dauer nerven und langweilen. Wir haben bei Konzerten auch die Erfahrung gemacht, dass groovige Stücke besser ankommen als highspeed. Mit Trends haben wir nix am Hut und lassen uns davon auch nicht beeinflussen. Die Musik, die wir spielen, entsteht einfach aus rumjammen. Wir hören alle eher unterschiedliche Musik, haben aber alle die gleichen Vorstellungen wie soil of decay klingen sollen. Das hilft unheimlich.

In meinem Review werfe ich euch ja einen gewissen Hang zu Six Feet Under vor… Damit warst du ja scheinbar nicht ganz einverstanden, willst du nun offiziell unseren Lesern was dazu sagen?

Joa, dieser Six Feet Under „Vorwurf“ begleitet uns schon seid wir unsere Musik anderen Leuten vorgespielt haben. Doch außer mir – und ich hab keinen Einfluss auf den instrumentalen Teil – hört keiner und hat auch keiner Six Feet Under gehört. Aus diesem Grund kann ich halt nicht so ganz einverstanden sein mit diesem Vergleich, vor allem will ich/wollen wir kein SFU-Klon werden/sein wie es andere Bands schon anhaftet. Ich kann aber verstehen, dass Six Feet Under aber eine absolute Größe im groovigen Death Metal sind und sie werden der Einfachheit halber als Vergleich genommen, damit jeder weiß worum es geht. Es ist schade, dass andere gute Bands auf dem Sektor dadurch eher im Schatten dieses „Kolosses“ stehen. Ich glaube aber, ein großer Teil liegt mit Sicherheit an meinen Dreads und das wir auch eine 4 Mann Konstellation haben. Bei unserem ersten Gig kam vor dem Auftritt die Frage: „Welchen Song von Six Feet Under covert ihr denn?“. Von da an waren SFU als Covervorschlag definitiv aus dem rennen. So richtig Pate stand/steht für unsere Musik aber keine Band. Die einzige Band, die wir alle mögen sind Illdisposed. Dann kommen noch vereinzelt Benediction und Exodus dazu. Wieweit uns die beeinflusst haben soll jeder selbst entscheiden.

Was wolltet ihr eigentlich mit „Disciples Of The Dead“ oder „They Die“ ausdrücken? Die Tracks fällen komplett aus dem Gesamtbild der Scheibe raus und letztgenannter ist für mich so gar nicht Death Metal….

Wir fühlen uns dem Death Metal einfach nicht so sehr verpflichtet, dass alles auf Teufel komm raus nach Death Metal klingen muss. Außerdem ist es meines Erachtens immer gut auszubrechen und das Gesamtbild in neue Bahnen zu lenken, ohne diese beiden Songs wäre das Album für mich etwas zu straight gewesen. Die Hauptsache ist natürlich, dass es uns gefällt und wir Spaß haben, wir verdienen damit nicht unser Geld und können uns somit auch erlauben mal anzuecken, hehe. Bei „Disciples of the Dead“ regiert nun mal der Schunkler, womit wir live auch nicht schlecht fahren. Für mich stand im Vordergrund bei dem Lied relativ melodisch zu grunzen, wenn man dass so überhaupt beschreiben kann, dadurch kam auch dein sogenannter „Lalala“-Effekt zustande. Das nenn ich mal MELODIC DEATH METAL. ~lach~ „They Die“ war ursprünglich als Scherz gedacht und sollte der Hiddentrack werden. Doch wir fanden, dass sich 10 Songs besser anhören als 9, deshalb wurde er in die Tracklist aufgenommen. ~lach~ Wir hätten NIE mit so unterschiedlichen und heftigen Reaktionen gerechnet! Für die einen war’s der herausragendste Song und für die anderen der letzte Dreck. Aber als Gag hat’s keiner angesehen und mit uns gelacht. Wir haben jedenfalls unsere Resümee gezogen und werden wohl auf der nächsten Platte wieder so einen Song machen. Wir sind halt Spalter, haha.

Wie wichtig sind euch eigentlich Klischees? Die Songtitel, das Albumcover und der Name des Debüts sind ja wohl total typisch für den alten Todeskrempel! Spielt ihr mit dieser ganzen Guts’n Gore Thematik oder seit ihr alle wirkliche Gorehounds?

Von „wir“ kann da glaub ich nicht so die Rede sein, der einzige der wirklich darauf Wert legt bin wohl ich. Das ganze Klischeeüberladene ist also mehr auf einem Mist gewachsen. Ich liebe das Klischeehafte einfach und wollte dieses „Death Metal typische Image“ absolut auf die Spitze treiben. Ich geb‘ mir auch aller größte Mühe, es so abgedroschen wie nur möglich hinzukriegen. *lach* Die Inspirationen krieg ich aus meinen Jugenderinnerungen, wo ich mich tierisch mit Horror- und Splatterfilmen zugedröhnt hab, aber als ich 18 war, hörte es schlagartig auf. Also kann man mich heutzutage auch mich nicht mehr als Splatterfreak bezeichnen, obwohl ich mir noch gerne hin und wieder solche Filme angucke, brauch ich mir aber nicht mehr 3 pro Tag reinziehen.

Was sagst du eigentlich zu dieser ganzen Horror-Remake-Kacke? „Dawn Of The Dead“, „Texas Chainsaw Massacre“, „The Ring“, „The Hills Have Eyes“ und dann noch die Gerüchte um eine geplante Neuauflage von „Evil Dead“? Ich finde das irgendwie zum Kotzen, haben die Leute keine eigenen Ideen? Müssen „Untergrund“ Kultklassiker für die heutigen Kinder unbedingt noch mal als Popcorn-Version neu aufgelegt werden?

Also Remake-Kacke trifft’s ganz genau auf dem Punkt. Ich find Remakes auch zum Kotzen und es stinkt alles tierisch nach Abzocke. Der Hauch des Verbotenen zieht die Kids heute noch genauso an wie mich damals, nur das die neuen Versionen halt scheiße sind. Außer bei „Texas Chainsaw Massacre“, da waren Original und Remake scheiße, haha. (Mein Reden! – Anm. d. Slaughters)

Du machst neuerdings auch bei INVOID den Shouter! Wie bist du an den Posten gekommen? Geht die Musik mit dir an den Vocals nun auch etwas weg von der Core-Thematik, hin zu vernünftigem Metal, haha?

Der Posten ist mehr zu mir gekommen. Als invoid ihren Shouter rausgeschmissen hatten und noch Gigs ausstanden, fragten sie mich, ob ich aushelfen würde. Da mir deren Musik gut gefallen hat und ich mit Claudio (Gitarre) gut befreundet bin, hab ich zugestimmt. Später bin ich dann fest eingestiegen. Zur Core-Thematik: DAS COREZEUG IST KOMPLETT WEG! Ich weiß aber auch nicht, wie viel ich hier verraten darf, da die Jungs doch ein kleines Geheimnis ums neue Album machen ;)

Neben dem Metal hast du scheinbar auch einen Hang zum Punk… Oder habe ich das falsch verstanden, dass du auch noch in einer Punkband bist? Was machst du da und wie siehst du die Beziehung zwischen Punk und Metal?

Das hast du schon richtig verstanden, ich bin noch Sänger und Gitarrist bei Ausgelebt. Wir sind bei Sunny Bastards/Broken Silence unter Vertrag und hatten im Februar unser Debüt „Leben kann tödlich sein“ veröffentlicht. Meiner Meinung nach verwachsen Punk und Metal immer mehr miteinander, es gibt in beiden Lagern genug Bands, die sich vom jeweils anderem Musikstil beeinflussen lassen. Aber wie groß der Graben zwischen den beiden wirklich ist, ist mir relativ egal. Mir gefallen beide Musikrichtungen. Punk muss für mich aber eine politische/sozialkritische Aussage haben, ich kann absolut nix mit Skate-Punk und Konsorten anfangen. Mich haben mehr Bands wie Scherben, Slime, Dritte Wahl, Middle Class Fantasies und Toxoplasma geprägt.

Wie gut lassen sich den all die Bands mit deinem Privatleben und sonstigen Beschäftigung vereinen? Was machst du eigentlich beruflich?

Du hast sogar noch eine Rockband vergessen, in der ich Gitarre spiele. *lach* In so vielen Bands zu spielen, macht mir nichts aus, weil ich mit meiner ersten Death/Thrash Band 6 mal die Woche geprobt hab. Nun probe ich im Höchstfall 4 mal die Woche, das ist schon vertretbar. ;) Beruflich bin ich gelernter Maschinenbaumachaniker, wo drauf ich aber kein Bock mehr hab. Also bin ich momentan auf der Suche nach einer zweiten Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann und vertreibe mir die Zeit auf der Messe Köln um Kohle ranzuschaffen.

Dann darfst du hier noch ein bisschen Werbung für die aktuelle Platte von SOIL OF DECAY machen! Sag unseren Lesern, was ihnen in unserem Review vorenthalten blieb, haha!

Die restlichen 3 Kettensägen, hehe. Jeder hat halt seinen eigenen Geschmack und man sollte selbst urteilen. Unsere Musik ist sicherlich nichts für Fans von Nile und Cryptopy, wer mehr auf Groove und Melodie steht, sollte mal ein Ohr riskieren. Die Promo 2005 und Bloodspree von der aktuellen Scheibe kann man sich ja über Necroslaughter auch runterladen. Ansonsten gilt: www.soilofdecay.de

Jo, Sascha, dann noch viel Erfolg mit deinen Bands und vielen Dank für das Interview! Die letzten Worte gehören dir!
Sascha: Danke, waren wirklich gute Fragen, immer wieder gerne und auch alles Gute für dein Necroslaughter-zine! DEATH TILL FEIERABEND!
(Hört man immer wieder gerne! – Anm. d. Verf.)


Interview: Chris (Necroslaughter) / Sascha (Vocals @ Soils Of Decay) · 19.03./11.04.2006