Depression – 15 Jahre Krach

Lange, lange war es geplant. Nun ist es endlich Wirklichkeit. Passend zum 15. Bandjubiläum habe ich eine handvoll Fragen an Kai Sattelkau, Bandleader der wahren Underground-Truppe DEPRESSION, geschickt, die dieser in einem unglaublichen Tempo beantwortet hat. Was zunächst als One-Man-Show mit Kai an sämtlichen Instrumenten und Gesang begann, hat sich zu einer stabilen Einheit aus drei Musikern (Ron und Marc an den Vocals bzw. Bass) entwickelt, die Jahr für Jahr Platten veröffentlichen und sich dabei selbst treu bleiben. Wenn ihr Zeit und Bock habt, sei euch noch die wirklich gute Homepage www.depression-grind.de empfohlen, wo ihr eine ausführliche Biographie, witzige Fotos und MP3s findet. Jetzt aber viel Spaß beim Lesen!


Hallo Kai, alles Gute zu 15 Jahren Groovy Oldschool Grind! Wie geht es deinem Baby Depression nach den all den Jahren? Hat es schon die ersten grauen Haare bekommen oder ist es frisch wie eh und je?

Hallo Martin. Danke erstmal für Deine netten Worte über unser Jubiläum. DEPRESSION geht es nach wie vor gut, oder erfreulicherweise besser den je! Haha, ja, graue Haare haben wir trotzdem bekommen. Neulich ist uns aufgefallen, dass der Altersdurchschnitt innerhalb der Band über 30 Jahre ist, haha. Long live groovy Death/Grind !! Durch unser Jubiläum und die damit verbundenen Aktivitäten kommt auch ein frischer Wind in die Band!

Was hat dich in der ganzen, langen Zeit angetrieben dem Grind treu zu bleiben? Als Musiker hast du doch bestimmt so manchen Schritt nach vorne getan. Werden deine musikalischen Ansprüche genug befriedigt oder lässt du deiner Kreativität noch woanders freien Lauf?

Ich bin dem Grind und dem Death Metal treu geblieben, weil es einfach die ultimative Musik ist!! Mein Herzblut hängt damit zusammen. Ich höre den Krach nun seit 17 Jahren und kann mir nicht vorstellen, die Musik einmal nicht mehr zu mögen. Für DEPRESSION war es schon zu Demo-Tagen klar, dass es keine Stil-Veränderungen geben wird. DEPRESSION steht für groovy Death/Grind, und so soll es auch bleiben. Gegen Weiterentwicklung habe ich nichts, aber es muss im Rahmen bleiben und sollte Fans der ersten Stunde nicht abschrecken. Meine musikalischen Ansprüche werden mit DEPRESSION befriedigt, und wenn ich mal Bock auf was anderes habe, was in all den Jahren natürlich vorkommt, dann mache ich das auch, aber eben nicht unter dem Namen DEPRESSION! Ich habe in der ganzen Zeit auch einfach zu viele Bands und Musiker gesehen, die sich unbedingt weiterentwickeln wollten und zeigen müssen, dass sie immer besser, kreativer und eigenständiger werden. Das bedeutet allerdings meistens einen Stilbruch früher oder später. Ich könnte unzählige Bands hier aufführen, deren Frühwerke genial sind, die sich aber dann „weiterentwickelt“ haben und nur noch Schrott oder sogar peinliche Alben abgeliefert haben. Die Krux an der Sache ist, dass viele Bands durch diese Weiterentwicklung von ihren Roots weg wollen um das große Geld zu machen. Aber das Gegenteil ist der Fall: Die Fans wenden sich ab, und die Band löst sich früher oder später auf. DAS wird DEPRESSION nicht passieren, denn wir bleiben uns und den Fans treu!

Zum Geburtstag haut ihr mit der Agathocles Split und der Neueinspielung bzw. den Originalaufnahmen von „Erinnerungen“ im schicken Digipack gleich zwei Bonbons für die Fans raus. Was hat euch dazu bewogen? Seid ihr öfters danach gefragt worden?

Die alten Demo Aufnahmen wurden immer wieder angefragt, da es das Teil damals ja nur in einer 400er Auflage gab. Ich habe auch in all den Jahren immer mal wieder mit dem Gedanken gespielt, einzelne Song neu einzuspielen und auf regulären Veröffentlichungen zu packen, konnte mich aber kaum entscheiden, haha. Als es dann stramm auf das 15Jährige zuging kam mir die Idee, das KOMPLETTE Demo neu einzuspielen, endlich mal mit dem Sound, der zu den Songs passt. Und da es ja ein Jubiläum ist, sollte es auch für die Fans ein Schmankerl werden, deswegen eben die Original-Aufnahmen auf der Bonus CD. Dann können auch die Leute, die damals kein Demo mehr abbekommen haben, oder schlicht und einfach zu jung waren, heute ein Ohr riskieren wie DEPRESSION vor 10 Jahren geklungen haben. Dazu haben mich die immer wieder kommenden Anfragen nach den alten Tapes bewogen. Das Split-Album mit Agathocles hat ja auch schon seine 9 Jahre auf dem Buckel, und so lange haben die Jungs von AG und wir auch schon die Idee im Kopf, das teil auch als Vinyl zu veröffentlichen. Dass es so lange dauern würde, war nicht geplant, aber ich bin froh, das nun auch die LP-Freaks auf ihre Kosten kommen! Durch das neue Cover und den re-masterten Sound ist die Anschaffung ja auch durchaus lohnenswert.

Wie hat es sich angefühlt die alten Songs nochmal neu aufzunehmen? Wusstest du noch, wie sie gespielt werden?

Yeah, es war ein geiles Gefühl! Ich habe mich sofort in die alte Zeit zurückgesetzt gefühlt. Das war super. Teilweise war ich überrascht, was für Harmonien und Strukturen ich damals so geschrieben hatte, haha. Damit meine ich, dass sich unser Stil doch schon gewandelt hat. Teilweise waren wir früher viel melodischer (für unsere Verhältnisse), teilweise sogar komplizierter, haha. Manche Sachen sind natürlich sehr stumpf, aber das machen wir ja auch heute noch. Musik ist für mich eine Bauchsache, und wenn es knallt und voll in die Fresse ist, dann muss ich den Song nicht mit extravaganten Breaks oder schwierigen Riffings kaputt reparieren. Weniger ist manchmal mehr. Die alten Songs klappten erstaunlich gut, sowohl an der Gitarre/Bass, als auch an den Drums. Wir haben manche Teile ein klein wenig umarrangiert, aber im Großen und Ganzen sollte er Original-Aufbau erhalten bleiben. Ich bin sehr froh, diesen kleinen Traum nun endlich verwirklicht haben zu können!

Wo wir gerade beim Spielen sind… Depression haben sich bis 2004 live sehr rar gemacht. Um genau zu sein habt ihr vorher noch nie auf einer Bühne gestanden. Was hat euch dazu bewegt, das zu ändern? Was brachte der Auftritt beim NRW DEATHFEST für Veränderungen in euer Bandverständnis und -leben? Seid ihr jetzt eine „richtige“ Band?

Ja, wir hatten tatsächlich unseren allerersten Auftritt September 2004 Ganz am Anfang war ich ja alleine, da konnte ich eh nicht live spielen. Als dann Marc dazu kam haben wir wirklich lange nach geeigneten Leuten gesucht, um Live spielen zu können, aber es fand sich einfach niemand. Das lag zum Einen an unserem verschlafenen Kaff, und zum Anderen daran, dass die Leute die Bock auf DEPRESSION hatten einfach zu schlecht an den Instrumenten waren und die Leute, die gut spielen konnten keine Lust auf unseren Krach hatten, haha. Naja, als ich dann in eine andere Stadt gezogen bin hatte sich das Livespielen sowieso erledigt, da wir nicht wirklich proben konnten. Ich habe aber immer häufiger Angebote für Gigs bekommen, und die Fans haben auch immer wieder gefragt, ob wir nicht doch mal auftreten können/wollen. Und da wir ja eine traditionsbewusste Band sind fanden wir das 15 Jährige Jubiläum einen perfekten Augenblick, damit anzufangen! Der Auftritt hat super Spaß gemacht, und es war ein gutes Gefühl, die Songs endlich mal live zocken zu können, denn DEPRESSION funktioniert live sehr gut, da die Songs eingängig sind. Verändert hat sich seit dem, dass wir noch ein paar Live-Gigs angehängt haben und somit auch doch ziemlich regelmäßig proben. Für mein Empfinden waren wir auch vorher eine „richtige“ Band, aber ich weiß, wie Du das meinst. Die Situation hat sich nur für Gigs geändert. Der kompositorische Ablauf, etc. bleibt beim Alten. Das muss auch so sein, sonst wäre es nicht mehr 100% DEPRESSION.

Dein Mitstreiter Marc bedient live den Tieftöner. Für die Instrumente auf Platte bist aber nach wie vor du alleine verantwortlich. Möchtest du die totale Kontrolle behalten oder ist Marc einfach ein mieser Bassist, hehe? Darf er auch mitreden, wenn es darum geht neue Bassläufe zu schreiben? Hat Ron eigentlich auch einen Einfluss?

Ja, Marc übernimmt Live den Bass. Und er ist auch ein besserer Bassist als ich! Trotzdem wird es wohl dabei bleiben, dass ich im Studio weiterhin alles selbst einspiele. Es hat sich einfach über die Jahre bewährt, und da ich eine ganz andere Technik habe als er, vom Rhythmus und der Anschlagstechnik, ist es einfacher, wenn ich die Songs im Studio direkt einspiele, dann passt es mit den Gitarren und den Drums so überein, wie ich es haben möchte. Aber Marc ist auch schon im Studio zu Bass-Ehren gekommen. Songs die von ihm sind spielt er auch selbst ein, oft sogar auch die Gitarre. Du hast mit der totalen Kontrolle also gar nicht soo daneben gelegen. Wir nennen das Intern Demokratur, haha. Also eine demokratische Diktatur. Und das klappt perfekt, was Du schon allein daran siehst, das wir noch nie einen Line-Up Wechsel hatten. Marc darf also durchaus mitreden, wenn es um neue Bassläufe geht, wobei er dann schon gleich mit einem kompletten Song ankommt. Die landen dann auch mit auf der nächsten Scheibe. Ron hat auch einen nicht zu verachtenden Einfluss, denn er schreibt mittlerweile die kompletten Texte. Und damit bringt er seine ganz eigene Note zu DEPRESSION. Wer Interesse an den Lyrics hat findet diese alle auf unserer Website.

Wie komponierst du eigentlich Depression-Stücke? Arbeitest du zuerst die Drums aus oder werkelst du zunächst an fetten Riffs oder Basslines?

Ich arbeite zunächst an FETTEN Riffs, hehe ! Naja, also zumindest arbeite ich erst an den Riffs, ob die dann fett sind/werden…? Wenn ich Ideen habe, dann setzte ich es an der Gitarre um und nehme es direkt auf, damit ich es nicht vergesse. Wenn es dann an eine neue Scheibe geht, höre ich die Tapes durch und picke mir die Riffs und Fragmente die mir zu dem Zeitpunkt am meisten zusagen oder die am Besten passen raus und strukturiere einen ganzen Song daraus. Dabei habe ich meistens schon die Drum-lines im Kopf. Die Drums spiele ich dann oft erst direkt im Studio das erste Mal! Das macht die Sache auch spannend, weil ich den fertigen Song erst höre, wenn er bereits aufgenommen ist. Die Basslinien sind zu 98% so wie die Gitarren. Dadurch wird die „Wand“ einfach dicker. Hier und da spiele ich aber auch etwas anders. Der geneigte Hörer kann ja mal drauf achten.

Was hältst du von einem kleinen Spielchen? Was wäre, wenn…

…du dich auf ein Instrument beschränken müsstest?
Dann würde ich die Drums nehmen. Macht einfach am meisten Bock und man kann seine ganzen Aggressionen, seine Wut und den Ärger ablassen. Sich richtig auspowern. Wenn es mal ruhiger oder melancholischer sein soll, dann setzt ich mich ans Klavier.

…Depression über Nacht großen Erfolg hätten? Sagen wir mal auf Niveau von Vader. Wir wollen’s ja nicht übertreiben. ;)
Hm, ich denke, das fände ich gar nicht soo toll. Wäre natürlich eine feine Sache, wenn etwas Kohle hängen bleiben würde, so dass man schon mal das Budget für die nächste Scheibe hätte, und nicht immer in die eigene (private) Tasche greifen müsste. Aber auf das Business Tour/Album/Tour/Album hätte ich keinen Bock. So auf dem Niveau, auf dem sich DEPRESSION gerade bewegt ist es optimal. Unsere Releases verkaufen sich von alleine, man kann veröffentlichen was und mit wem man will und ist da nicht an Verträge gebunden. So soll es bleiben. Der Underground bedeutet mir mehr als ein Rockstar zu sein.

…es Autopsy nie gegeben hätte?
Was?!? Das wäre ein Alptraum!! Autopsy sind Gott! Gerade „Mental Funeral“ ist eine Offenbahrung. Steht nicht umsonst in meinen All-time-faves. Und auch das Debüt „Several Survival“ ist genial. DAS ist Death Metal!! Chris Reifert ist ein sehr geiler Drummer, er hat schon den Meilenstein „Scream Bloody Gore“ von Death veredelt und auch Abscess rocken wie Sau (deswegen auch „Suicide Fuck“ als DEPRESSION_Coversong!), und „Eatmyfuck“ könnten auch gerne noch eine zweite Scheibe rausbringen!

Wenn man sich die Depression Diskographie anguckt, stolpert man hauptsächlich über Split-Veröffentlichung. Unter euren Vinyl-Partnern finden sich so illustre Namen, wie Haemorrhage oder Agathocles. Hättest du eine Wunsch Band mit der du mal gerne eine solche Geschichte veröffentlichen würdest, die nicht aus dem Death oder Grind Bereich kommt?

Ja, wir bringen hauptsächlich Splits raus, da hast Du Recht. Im Grindcore wird das ja gerne gemacht, und es zeigt den Zusammenhalt und die Unterstützung innerhalb der Szene. Wir teilen uns nur ein Release mit Bands die wir mögen und mit denen wir gut klar kommen. Mein absoluter Wunschpartner seit es DEPRESSION gibt waren BATHORY!!!! Quorthon ist mein Lieblingsmusiker und ich verneige mich vor ihm zutiefst. Leider wird aus dieser Split nie etwas. Ansonsten wäre mein Wunschpartner ZEKE, eine völlig kompromisslose Punkrock Band, die wie Motörhead auf Highspeed klingt. Sehr geil.

Aus der Retrospektive: Welcher Release war der Wichtigste für euch? Welche Platte gefällt dir am Besten?

Das kann man so einfach gar nicht beantworten. Das allererste Demo war bereits wichtig, weil damit der Grundstein gelegt wurde. Das „Erinnerungen“ Demo war auch wichtig, da es erstmals einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde und uns den Deal mit Gulli Records einbrachte. Wo wir da gerade sind, unsere erste EP war wichtig, da es die erste Studio-Aufnahme war, und der erste „richtige offizielle“ Release. Tja, was soll ich sagen, die Split-CD mit Agathocles war wichtig, damit haben wir einen großen Schritt nach vorne getan und die Leute wurden plötzlich auf uns aufmerksam. Das waren gerade am Anfang unserer Laufbahn wichtige Schritte. Danach kann man aus kommerzieller Sicht sicher die Split mit Haemorrhage hervorheben, und die Split mit Rot war unsere bisher einzige 10inch. Am besten gefallen mir persönlich die Split-EP mit Gonorrhoeaction, weil wir da etwas back to the grind-roots gegangen sind und der Sound schön underground-räudig ist, aber trotzdem ballert, und das Split-Album mit Mesrine, weil es alle unsere Facetten zeigt und
Der Sound auch so ist, wie es uns am besten zu Gesicht steht.

Denkst du, dass es so wie jetzt immer weitergehen wird für Depression? Kleine Veröffentlichungen von groovigem Grind mit Death Einsprengseln bis in alle Ewigkeit, yeah baby? Nicht, dass es so wäre, aber könnte irgendwann mal der Zeitpunkt erreicht sein an dem es stilistisch nicht mehr weitergeht?

Hm, ehrlich gesagt weiß ich nicht ob es immer so weiter gehen wird. Ich denke mal eher nicht. Als ich damals angefangen habe hätte ich mir nie träumen lassen, dass es uns über 15 Jahre geben wird!! Wir haben auch innerhalb der Band darüber gesprochen und waren uns einig, dass wir so lange weitermachen wie es Bock macht und es geht. Halbgare Sachen sind scheiße, und wenn der Spaß auf der Strecke bleibt hören wir auch auf. Das nächste Ziel ist erstmal das 20 Jährige, haha. Mal sehen, ob wir es bis dahin schaffen. Tja, ob wir stilistisch in einer Sackgasse sind oder kommen werden wird unterschiedlich interpretiert. Manche Leute meinen ja, das wir seit den Demo-Tagen uns nicht weiterentwickelt haben und immer die gleiche Scheibe veröffentlichen. Ich sehe das natürlich ganz und gar nicht so, kann diese Leute aber verstehen, da es bei DEPRESSION ja keine krasse Weiterentwicklung gibt, sondern nur eine Verfeinerung des Stils, wo wir hin und wieder mal andere Facetten einbauen. Die eine Platte ist etwas grooviger, die nächste dafür mit viel Grind, dann die nächste langsamer und heavy, dann wieder eine etwas direkter mit viel Crust. Das ist bei uns eher marginal. Und so wird es auch weiterhin sein! Klar habe ich nicht immer geniale Einfälle, aber nach einer kreativen Durststrecke folgt auch immer ein Kuss der Muse, har, har. Naja, so lange die Leute nicht sagen, dass wir von Platte zu platte abbauen und schlechter werden, weil die Luft raus ist, machen wir weiter mit groovy Death/Grind.

Gibt es ein Leben nach Depression?

Kai: Na klar! Es gibt ja auch ein Leben NEBEN DEPRESSION. Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder und einen normalen Job. Das nimmt natürlich einen großen Platz in meinem Leben ein. Aber solange es DEPRESSION gibt, ist DEPRESSION ein sehr wichtiger Teil meines Lebens, und im Moment kann ich mir nicht vorstellen, einmal ohne DEPRESSION leben zu wollen. Vielleicht bringen mich irgendwann andere Gründe zum Stopp, aber solange ich es bestimmen kann und mein Herzblut im DEPRESSION-Groove fließt wird es auch DEPRESSION geben.“

So, jetzt reicht es aber mit tiefgründigen Fragen. Wir wollen ja nicht so tun als hätten wir Niveau. ;) Was ist eigentlich der Sinn der Depression-Bravo-Poster, von denen du mir netterweise auch eins hast zukommen lassen? Wollt ihr damit neue Zielgruppen erreichen, hehe?

Haha, wir wurden immer mal wieder auf Poster angesprochen, und da uns das Bild sehr gut gefiel und ja auch das Jubiläum war, haben wir uns für dieses zeitlose Motiv entschieden. Bisher waren die Reaktionen sehr gut! Die meisten Fans haben sich gefreut, dass es endlich mal ein Poster von uns gibt. Natürlich gab es auch welche, die lieber ein Cover gehabt hätten, was ich verstehe, aber welches Cover hätten wir dann nehmen sollen, haha?! Es gibt einfach zu viele Cover von uns. Und da wir ja auch gerne die Sachen etwas anders machen als der Großteil. Ich bezweifle, das wir damit eine neue Zielgruppe erreichen, haha. Wenn es Dir nicht gefällt, gib es jemand der es vielleicht aufhängt. (Ich wollte nur ein bisschen sticheln; das Teil wird meine neue Bude schmücken ;) – Anm. d. Martins )

Nach dem Re-release Overkill seid ihr doch bestimmt auch heiß drauf endlich wieder frisches Material raus zu hauen, oder? Wie läuft das Songwriting und was können wir erwarten?

Na, so viel Re-releases waren es doch gar nicht?! Nur die Split mit AG, aber die ist ja auch schon seit 9 Jahren ausverkauft. Und auf LP gab es das Teil noch nicht. Die Neueinspielung der Demos ist ja auch kein Re-release und das Demo selbst nun erstmals auf CD. Aber natürlich kann man von uns auch bald wieder was ganz Neues erwarten! Es stehen bereits die Drums für eine Split-EP mit den Mallorkesen STRANGLED, und bereits fest steht, dass im Mai/Juni eine Split-CD mit PAGANIZER erscheint (Geil!!! – Anm. d. Martins). Das ist gerade das Aktuellste. Eine Live-CD wird es auch geben.

Da ihr ja mittlerweile auch live unterwegs seid, frage ich natürlich auch nach geplanten Gigs. Eure Homepage zeigt sich diesbezüglich leider recht pessimistisch… Gibt es Hoffnung für die Leute (mich eingeschlossen), die euch bislang verpasst haben?

Ja, wir werden wohl so 4-6 Gigs pro Jahr spielen, also ruhig hin und wieder mal auf unserer Website nach aktuellen Terminen gucken. Es wird auf jeden Fall mindestens ein Konzert im Sommer geben mit Paganizer. Die Jungs machen eine Mini-Tour durch Deutschland zu der kommenden Split-CD mit uns. Da gibt es vielleicht auch zwei Gigs. Ansonsten sind ein paar Sachen angedacht. Wenn es definitiv und konkret wird, dann mache ich es offiziell.

Jungfräulich, wie das Jahr noch ist, bleibt dir natürlich die Aufzählung deiner Lieblingsplatten von 2005 nicht erspart…

Gerne: Kaamos „Lucifer Rising“, Bolt Thrower „Those Once Loyal“, Nominon „Recremation“, Superchrist „South of Hell“, Axis Powers „Pure Slaughter“, Master „Four more Years of Terror“. Habe jetzt mal nur den GANZ ENGEN Kreis genannt, der mir spontan einfiel. Natürlich gab es noch viel mehr geile Releases, aber 2005 war ja so lang und ich kann mich an das Meiste nicht erinnern, und bevor ich Wichtiges vergesse, hier nur eine kleine Auswahl.

Abschließend noch eine Frage, die Zukunft betreffend. Was würdest du dir für das neue Jahr, betreffend den Underground, wünschen?

Ich würde mir wünschen, dass nicht jede Underground Band nur weitermacht, wenn sie groß und erfolgreich wird. So oft höre ich, dass sich XY aufgelöst haben, weil sie keinen Plattenvertrag bekommen haben. Hallo? Wieso prostituiert ihr Euch? ICH mache Musik weil ich SPAß daran habe!! Wenn es mir nur um Berühmtheit und einen Deal gehen würde, dann hätte ich bestimmt keine 15 Jahre durchgehalten. Das macht mich stolzer als eine Scheibe bei Nuclear Blast zu machen und dann wieder weg vom Fenster zu sein.

Jau, Kai. Freut mich, dass wir das Interview endlich gemacht haben. An dir hat es jedenfalls nicht gelegen. ;) Vielen Dank und noch viel Erfolg mit deiner Krachkombo! Mach weiter so und lass dir bloß nicht reinreden! Die letzen Worte gehören dir!

Jau, Martin, freut mich auch! Das Interview hat Spaß gemacht, weil es auch mal andere Fragen waren. Nice. Danke auch für Deine netten Worte, und ja, jeder will einem reinreden, wie man es anders machen soll. Aber DEPRESSION sind DEPRESSION, und so wie wir sind, so werden wir auch bleiben. Wir haben Die-Hard Fans, die ich nicht enttäuschen werde, und es gibt eh mehr Leute auf der Welt die uns scheiße finden als Freaks die auf old school groovy Death/Grind stehen, haha! So ist das eben und ich kann sehr gut damit Leben. KEEP THE UNDERGROUND SPIRIT ALIVE AND STAY FAST, HEVAY AND BRUTAL!!!!
Checkt: www.depression-grind.de


Interview: Martin (Necroslaughter) / Kai (ALLES @ Depression) · 29.01.2006