Poostew – „… ihr habt die falschen Frisuren“

Bereits seit dem ersten Auftritt, denn ich von POOSTEW miterleben durfte (im Vorprogramm zu Japanische Kampfhörspiele und Jack Slater in Mönchengladbach) bin ich von dieser Band begeistert. Ihre Split mit Ripped2Shred hat diese Begeisterung noch weiter geschürt und das fulllength Debüt „Struggle“ weiß auch auf voller Linie zu überzeugen (vielleicht hätte ich doch noch einen Punkt mehr vergeben müssen…)!
Grund genug mir Sänger Chris mal vor den PC zu holen und mit ein paar Fragen zu löchern!


Hi Chris! Alles klar im POOSTEW-Lager?

Moin! Bei uns läuft alles bestens – haben vor ein paar Tagen die Tour mit He Who Corrupts beendet und haben jetzt erstmal einen Monat Konzert Pause.

Noch vor etwas mehr als einem halben Jahr haben sich nur wirkliche Untergrundfreaks für euch interessiert und plötzlich gibt es lauter gute Kritiken aus den Medien. Trotzdem ist euer Name für viele nur ein Wort mit sieben Buchstaben. Kannst du mal kurz das wichtigste über deine Band erzählen?

Poostew wurde 2003 von mir und Guido (Drums) gegründet. Wir haben schon vorher zusammen in der Band Hatemate gespielt und wollten nach deren Ende was Neues auf die Beine stellen. Guido hat dann Paul (Guitar) mitgebracht und so haben wir in dieser Besetzung angefangen Songs zu schreiben und die ersten Shows zu spielen. Einige Zeit später wurde ich von Thomas (Guitar) gefragt ob ich in einem neuen Projekt von ihm singen würde. Ich habe das dann mal ausprobiert und war mit dem Sound nicht wirklich zufrieden. Da wir eh einen zweiten Gitarristen gesucht haben, habe ich dann Thomas gefragt, ob er Lust auf Poostew hätte und er war sofort dabei. Hat sich dann innerhalb von ’ner Woche das ganze Set reingeknallt und gleich mit uns die ersten Shows gespielt. Irgendwann Ende 2004 holten wir uns dann noch Tim von Lt. Mosh an Bord, um endlich eine vollständige Band mit Bass zu sein. Leider musste Thomas Anfang 2005 verkünden, dass er aussteigen muss um sein Studium ernsthaft betreiben zu können… er hat dann noch die Dänemark Tour mitgespielt und ist danach ausgestiegen. Ab nächsten Monat wird allerdings ein neuer Gitarrist eingearbeitet um wieder mit zwei Gitarren auf der Bühne stehen zu können.

Was sind oder waren deine Einflüsse, die du mehr oder weniger Bewusst mit in POOSTEW reinnimmst?

Meinen ersten Kontakt mit Grindcore habe ich Bands wie Assück, Phobia und Pig Destroyer zu verdanken, aber auch Deutsche Bands wie Mörser haben dazu beigetragen, daß ich einen solchen Sound machen möchte.
Heute sind natürlich noch einige Bands hinzugekommen, ich würde mich aber bei bewussten Einflüssen auf Misery Index, Dying Fetus und The Black Dahlia Murder festlegen.

Wie würdest du denn eure Musik beschreiben?

Oh Mann! Das ist die schwierigste Frage überhaupt. Da wir uns bei Poostew nie auf einen Style festlegen wollten, treffen nun mal einige Musikrichtungen aufeinander.
Nimm Grindcore, Death / Black Metal, Hardcore Elemente drück „Shuffle“ und du hast einen Poostew Song. Poostew einem Genre zuzuordnen kann und möchte ich nicht.

Wie wichtig ist Hardcore für Dich und eure Musik? Immerhin seht ihr alle so aus, als ob ihr verdammt tief in dieser Szene steckt, haha!

Ich komme ursprünglich aus der Hardcore Ecke und von daher fühle ich mich nach wie vor dort zuhause. Ohne Bands wie Unbroken, Earth Crisis, Abnegation usw wäre ich niemals in Kontakt mit Metal gekommen. Auch meine oben genannten ersten Kontakte zum Grindcore (Assück, Phobia usw) sind Bands die auch in Hardcore Kreisen einen großen Beliebtheitsgrad haben.
Außer mir steckt aber sonst nur noch Tim „tief drin“. Er hat vor Poostew halt gar nix in der Richtung gehört und kommt jetzt erst durch unsere Shows so wirklich mit Grind und Metal in Kontakt.
Für unsere Musik ist Hardcore sehr wichtig, wir bemühen uns immer wieder Hardcore Elemente mit einzubringen – außerdem spielen wir mehr Hardcore als Metal Shows und auch meine Texte sind eher dort als sonst wo einzuordnen.

Bevor euer Debüt „Struggle“ auf die Menschheit losgelassen wurde, habt ihr eine Split-CD mit Ripped2Shreds veröffentlicht. Nach eigenen Angaben kam das so, weil ihr euch auf einem Gemeinsamen Auftritt wie Arschlöcher benommen haben sollt….

Haha, ja das war nen toller Gig. Jugendhaus in Burg Steinfurt. Ripped 2 Shreds, Poostew und Drown in Blood stehen auf dem Program. Vor der Bühne 40 Mann und alle so richtig schön Metal und 5 Meter Abstand zur Bühne. Irgendwann habe ich mir dann diese riesen Nietenarmbänder vom Ripped 2 Shreds Sänger ausgeliehen und bin dann mit meiner Trainingshose auf die Bühne. Aus einer Laune heraus haben wir dann die ganze Show so übertrieben auf Metal gemacht das wirklich der ganze Laden gedacht hat wir meinen das ernst. Das wir aber neben den ganzen Saufsprüchen auch noch Purzelbäume & Breakdance auf der Bühne gemacht haben, hat dann auch keinen mehr gestört. Naja das so zu erzählen schockt irgendwie nicht so. Geil war nur das der Sänger von Drown in Blood (Martin v. Drunen – Asphyx, Pestilence und Bolt Thrower) zu mir kam und meinte „geile Musik, aber ihr habt die falschen Frisuren“!

Auf dieser Split-CD war aber kein neues Material, sondern die Songs von eurer ersten 7″ Split mit Licht Ung. Da ward ihr aber nicht allzu zufrieden mit Sound und anderen Dingen. Erzähl mal, was da gelaufen ist!

Das ist so nicht richtig. Wir hatten damals 12 Songs im Studio aufgenommen die als Album veröffentlicht werden sollten. Das eine Label ist dann aber damals abgesprungen und das andere nicht aus denn Puschen gekommen.
Also haben wir dem Typen von [licht-ung] 4 Songs für die 7″ gegeben. Der hat die dann aber irgendwo im Ostblock gepresst und der Sound war so „bescheiden“, dass wir uns dazu entschlossen haben sie noch mal zusammen mit sieben anderen Songs von der Aufnahme auf der Split mit R2S zu veröffentlichen.

Auf „Struggle“ habt ihr euch ein wenig weiterentwickelt und bringt etwas mehr Melodie und Technik in eure Lieder. Für mich fällt aber durch die verstärkten Breaks etwas der Groove der ersten Songs in den Hintergrund. Wie siehst du die Entwicklung und was kann man von den kommenden Tracks erwarten?

Bei unseren ersten Songs waren wir noch stark auf Dying Fetus und dieses ganze Kevin Talley Groove Drumming fixiert. Haben uns aber im laufe der Zeit dazu entschlossen unsere Songs flüssiger zu gestalten.
Durch verschiedene neue Einflüsse sind dann Melodie und Technik hinzugekommen.
In Zukunft wird es wohl noch etwas fixer und technischer zur Sache gehen. Wir sind gerade dabei neue Songs zu schreiben und zwischen den bisher geschriebenen fünf ist nur noch ein Groover dabei. Ansonsten wird aber alles beim alten bleiben.

Worüber handeln deine Texte und wie wichtig sind sie für dich?

Die Texte für „Struggle“ drehen sich z.B. um Strukturen innerhalb der Wirtschaft, das ruhigstellen vom freien Willen sowie die Manipulation durch Medien.
Mittlerweile sind die Lyrics ein wichtiger Bestandteil unserer Musik.
Ich weiß zwar das sich heutzutage nur sehr wenig Leute für Texte interessieren, aber für diejenigen die sich die Mühe geben Texte zu lesen und darüber nachzudenken möchte ich auch etwas sinnvolles geschrieben haben.

Teilweise sind eure Songtitel sehr ungewöhnlich: „Lipstick Kiss“ oder „Engelmacherin“ sind sicher nicht typische Namen für Hardcore, Metal oder Grind-Sachen…

Manchmal wähle ich extra Songtitel die verwirren bzw. die Aufmerksamkeit des Lesers auf sich ziehen sollen. Dies ist bei „Lipstick Kisses“ so, und auch „Engelmacherin“ ist ein Kontroverser Titel. Engelmacherin war früher die Bezeichnung für eine Frau, die kleine und insbesondere uneheliche Pflegekinder absichtlich sterben ließ („zu Engeln machte“), um sich am Pflegegeld zu bereichern. In der Umgangssprache wird so verhüllend eine Frau bezeichnet, die illegal Abtreibungen vornimmt.

„No Love Lost“ hatten auch schon die Götter von Carcass als Namen…

Ja das stimmt aber außerdem auch ein Songtitel von Joy Division und nun auch von Poostew. Mir persönlich gibt dieser Titel einfach sehr viel und von daher habe ich ihn einfach mal übernommen.

„Tyler Durden“ hat einen klaren Bezug zu Fight Club, wie alleine schon das Intro verdeutlicht. Wie ich aber schon im Review zu der Split gesagt habe, bekommt jeder Hobbycineast Angst, wenn er liest, dass der nächste Titel „Save The Last Dance“ heißt…. Ist da auch die Inspiration durch den Film gekommen?

Nein! „save the last dance“ hat nix mit dem Film zu tun.
Außerdem findet man auf der Split CD noch zwei weitere Filmtitel welche aber auch nix miteinander zu tun haben. Ich denke mal das ist einfach Zufall.
Fight Club allerdings ist einfach ein sehr cooler Film, welcher eine Menge sinnvolle Gedankengänge beinhaltet. Auch auf der „Struggle“ findet man wieder ein Fight Club Zitat mit welchem wir aber nun mit diesem Film abgeschlossen haben.

Wer hat eigentlich beim Guns’N Roses Cover die Kehlstimme übernommen?

Das war ich. Hat ewig gedauert bis Dirk vom Kuschelrock Studio mich dazu überredet hat, aber ist witzig geworden. (Das stimmt! – Anm. d. Verf.)

„Struggle“ ist auf Morde Chai Records erschienen. Bisher ist mir dieses Label aber noch total unbekannt gewesen! Was verbirgt sich dahinter und was machen die Jungs für euch?

MCR das Label eines Freundes bzw. sein Label Standbein im Metal / Grind Bereich.
Ich kenne Lars seit Jahren und er beobachtet Poostew seit Jahren. Von daher haben wir uns sehr darüber gefreut, dass er die Platte rausbringt. Wir wissen das wir mit MCR einen guten Partner haben, denn Lars reist sich echt mal ein Bein aus für seine Bands.

Läuft den die Promotion von „Struggle“ gut? Ein paar gute Kritiken habe ich ja schon gelesen, aber wie sieht es mit wirklichem Interesse von Seiten der Medien aus? Das Legacy hat zum Beispiel keine eigene Kritik geschrieben sondern eine von einem Internetmagazin kopiert…

Das stimmt so nicht! Das Legacy hat verschiedene Mitarbeiter welche damit beschäffigt sind die Reviews zu schreiben. Der Arne der unsere geschrieben hat, hat nebenher aber noch ein Inet-Mag. auf welchem er eben diese Review auch noch mal veröffentlicht. (War auch wieder eine sehr provokant ausgedrückte Stänkerei gegen das große Mag – Wer mich kennt, weiß, dass ich gerne über die großen Printmedien wetter, haha! … in der aktuellen Ausgabe haben die sogar einen kurzen Bericht über Poostew! – Anm. d. Verf.)

Kannst du schon genauere Verkaufszahlen von der neuen Platte nennen?

Also wir haben unseren ersten Schwung Freiexemplare jetzt bald los und sind froh, dass wir gerade unsere Lieferung an Vinyl bekommen haben. Wie das allerdings beim Label aussieht kann ich dir nicht genau sagen.

Auch wenn die Reviews größtenteils gut aussehen, habt ihr angst, ein wenig in der Welle von monatlichen Veröffentlichungen unterzugehen und weitest gehend von potentiellen Käufern ignoriert zu werden?

Das kann ich dir drei Monate nach dem Plattenrelease noch nicht sagen.
Aber ich glaube nicht das wir Angst haben müssen, denn wir bekommen doch genug Rückmeldungen von Magazinen, Inet-Mag´s usw…

Kann man eigentlich „Struggle“ als Full-Length von POOSTEW bezeichnen?

Ja, so war das gemeint!

Genau wie schon bei der Split finde ich das Coverartwork von der aktuellen CD tierisch geil! Irgendwie mag ich auch diesen neuen Computer-Style! Nur sieht man auf dem Bild kein „Struggle“, sondern einen „Strangle“, haha!

Also Verantwortlich für das Cover von „Struggle“ zeigt sich der Kubassa von www.krakwork.de (u.a. Legacy-CD-Sampler – Amn. d. Verf.). Ich habe zusammen mit ihm die Idee des Cover erstellt und er hat es dann umgesetzt.

Was war eigentlich dein persönliches Highlight mit POOSTEW? Irgendeine Band, wo du stolz drauf warst, mit ihnen auf einer Bühne zu stehen?

Für mich war die letzte Tour auf jeden Fall ein Highlight. Es hat wahnsinnig Spaß gemacht mit den Jungens von He Who Corrupts auf der Straße zu sein.
Außerdem freue ich mich immer wieder mit meinen Freunden bzw. der Band unterwegs sein zu dürfen. Ganz großes Tennis waren natürlich auch die Shows mit Nasum bzw. die Show mit Cephalic Carnage.

Was ist denn 2006 von euch zu erwarten?

Im Moment sind wir dabei neue Songs zu schreiben, da wir ein Angebot für eine Mini – CD haben.
Die ist zwar eigentlich noch für dieses Jahre vorgesehen, ob das allerdings Zeitlich alles noch was wird ist die Frage. Sonst kommt die dann wahrscheinlich Anfang 2006 raus.

Dann vielen Dank für das Interview! Deine letzten Worte für dieses Interview lauten?

Normalerweise steht jetzt hier sicher sowas sinnvolles wie „Hail the Metal Hammer“ oder „Ficken Oi“ aber mir fällt jetzt nichts tolles in der Richtung ein,
also bedanke ich mich nur fürs Interview und Grüße alle die sich für Poostew interessieren und die dicke Delli.
Ansonsten checkt unsere Homepage http://ww.poostew.de und fürs Booking booking@poostew.de.


Interview: Chris (Necroslaughter) / Chris (Vocals @ Poostew) · 15.08.2005/02.09.2005