Soul Demise – (K)ein runtergekommener Kutter auf der Seine?!?

Brilliante Melodien und messerscharfe Riffs treffen auf geile Grooves, zackiges Grundtempo und fette Blastbeats. Der kleinen Hobby-Geograph wird doch glatt glauben, dass Schweden neben Bayern liegt! Der Begriff Melodic Death Metal hat in letzter Zeit stark unter In Flames, Children Of Bodom und Konsorten gelitten. Doch die Süddeutschen SOUL DEMISE zeigen mit „Blind„, dass man melodisch UND hart zugleich sein kann und setzten die Messlatte für andere Bands dieses Genres verdammt hoch und kassierten bei uns die traumhafte Höchstpunktzahl!
Grund genug Gitarrist Alex mal vor den PC zu holen und ein Interview beantworten zu lassen….


Hi Alex! Wie geht es dir?

Grüß Dich! Mir geht’s super, heute Abend steigt unsere CD-Releaseparty und da bin ich natürlich schon mächtig gespannt.

Am 23.05. kommt euer neues Langeisen „Blind“ raus, kannst du unseren Lesern aus deiner Sicht sagen, was ihn erwartet?

Grundsätzlich sind wir natürlich unserem Stil treu geblieben, das heißt, den Hörer erwartet ein ordentliches Schwedenbrett, bei dem weder Melodie noch Härte zu kurz kommen.

Ich persönlich finde, ihr habt verdammt überlegten Kram mit traditionellem Hindergrund und einer fetten Portion Eigenständigkeit abgeliefert!

Danke für das Lob!

Wie siehst du Eure musikalische Weiterentwicklung zum letzten Album „In Vain“?

Wir versuchen nie, uns irgendwelchen aktuellen Trends anzupassen. Deswegen gibt’s es bei uns keine grundlegenden Veränderungen, wir versuchen einfach, unseren Sound weiter auszubauen und immer noch bessere Songs zu schreiben. Im Endeffekt ist unser Ziel die perfekte Verbindung aus Melodie und brachialen Riffs, daran feilen wir auf jedem Album aufs Neue.

In „Still Alive“ schaltet Ihr mitten im Song für ein paar Takte den Verzerrer aus und spielt die Melodie klar zu dem immer noch zackigen Schlagzeugbeat. Wie kommt man auf so Ideen? Hat da irgendwer im Proberaum mal falsch getreten?

Ich fand die Idee einfach cool, eine Akustikgitarre in Verbindung mit heftigem Schlagzeug zu bringen. Und da ich die Klampfe für das Instrumental und den Song „Hallucination“ ohnehin dabei hatte, hab ich es einfach mal ausprobiert. Wenn es uns nicht gefallen hätte, hätten wir es eben verzerrt eingespielt, aber wir waren begeistert. Das sind so spontane Studioaktionen, bei denen oft coolere Sachen rauskommen, als in den ganzen Monaten der Vorbereitung.

Man hört aus jedem eurer Riffs die Emotion heraus, die dahinter steht. Woher nimmst Du Deine Inspirationen für die Riffs?

Ich bin der Meinung, dass jeder Musiker von der Musik beeinflusst wird, die er auch privat oft hört. Diese Stimmungen setzt man automatisch in seinen eigenen Songs um, das passiert aber unwillkürlich und hat meiner Ansicht nach nichts mit Ideenklau zu tun. Niemand erfindet die Musik neu!

Die kurzen Passagen, wo Du und Roman abwechselnd ins Mikro schreien sind einfach nur geil. Aber für meinen Geschmack verwendet Ihr auf „Blind“ viel zu wenig Wechselgesang!

Für den zusätzlichen Gesang ist unser anderer Gitarrist Andy zuständig, ich selbst singe gar nicht. Aber ich bin auch immer für gesangliche Abwechslung, vielleicht findet Deine Anregung auf der nächsten Scheibe Gehör! Cleane Vocals wird’s bei uns allerdings wohl nie geben.

Bei Euch gab es mit jeder Veröffentlichung einen Labelwechsel: „Beyond Human Perception“ kam über Gutter Records heraus, „In Vain“ erschien auf Seasons Of Mist und „Blind“ wird bei Remedy Records veröffentlicht. Wo waren die Gründe für diese Wechsel? Hat etwa keines der vorherigen Label eure Qualitäten erkannt? Oder ist der Wechsel immer von Euch ausgegangen?

Eine Plattenfirma verlässt man natürlich nicht, wenn man zufrieden ist, das ist klar. In beiden Fällen haben wir uns in beiderseitigem Einvernehmen vom Label getrennt. Bei Season Of Mist, unserem letzten Label war das Hauptproblem die Kommunikation. Wenn überhaupt konnten wir uns nur sehr schwer verständigen, handelte es sich doch um Franzosen. Der Kontakt zur Plattenfirma ist für uns sehr wichtig, da sind wir bisher mit Remedy sehr zufrieden!

Ich finde das Coverartwork zu „Blind“ um einiges besser als das von „In Vain“. Irgendwie ist es eine Spur tiefgründiger und lässt dem Betrachter viel Spielraum für Interpretation…

Das freut mich, mir gefällt es auch wesentlich besser, als die alten Cover. Aber das ist Geschmackssache, viele Leute fahren auch total auf die alten Bilder ab.

Für „Blind“ wart Ihr ja in den Jacob Hansens Studios in Dänemark, die Alben zuvor habt ihr im Berno Studio/Schweden eingespielt. Trotzdem ist der Wechsel nicht zu bedauern, hat Jacob Hansen doch einen super guten Job abgeliefert und Euer Material in ein druckvolles und organisches Gewandt gepackt!

Jacob ist absolut genial und arbeitet zudem mit modernstem Equipment, was uns die Aufnahmen sehr erleichtert hat. Wir sind nach wie vor sehr mit seiner Arbeit zufrieden.

Wie waren denn bisher die anderen Pressestimmen zu Eurem neuen Album? Oder hat Euch die Plattenfirma bzw. Promo-Agentur darüber noch nicht informiert?

Doch, wir haben schon etliche Reaktionen, und die sind bis auf wenige Ausnahmen super, wenn nicht gar überwältigend!

Ich finde, der Begriff Melodic Death Metal hat in letzter Zeit besonders durch die neueren Sachen von In Flames und Soilwork stark gelitten und bringt vor allem die jungen Hörer stark von der eigentlichen Bedeutung der Musik ab…

Der Begriff gefällt mir ohnehin nicht, aber ich hasse es auch, überhaupt auf Begriffen rumzureiten. Für mich sind In Flames und Soilwork beides klasse Bands, aber mit unserer Musik haben sie nicht viel zu tun. Ich sehe uns einfach als Death Metal Band. Den Rest kann sich der Hörer selbst zusammenreimen.

In Eurer Bandinfo steht eine Kritik von einer Redakteurin eines großen deutschen Metal-Mags (Metal Hammer), die sich scheinbar auf „Blind“ bezieht. Dieser Text soll aber schon im Dezember 2004 geschrieben worden sein. Nun mag sich dem ein oder anderen die Frage stellen, wieso diese Kritik so früh vor der eigentlichen Promoarbeit geschrieben wurde…

Für uns hat ja die Promoarbeit schon im Mai 2004 angefangen, seitdem ist die CD nämlich schon fertig und ab dem Zeitpunkt waren wir auf Labelsuche. Und zu diesem Zweck dachten wir, ein „Empfehlungsschreiben“ von einer unabhängigen Fachfrau macht sich in Bewerbungsschreiben sicher nicht schlecht. Deswegen haben wir uns an den Hammer gewendet.

Was ist Dir eigentlich wichtiger: gute Kritiken in den großen Blättern oder in kleinen Untergrundmagazinen?

Es wäre sicher gelogen, wenn ich behaupten würde, dass uns die großen Magazine egal sind. Sie erreichen einfach die meisten Leser, und wenn man dort schlecht abschneidet, was wir zum Glück nicht getan haben, hat man schon mal schlechte Karten mit der Scheibe. Dennoch sind natürlich die vielen kleinen Magazine sehr wichtig für uns. Denn interessierte Fans informieren sich auch abseits der großen Blätter. Außerdem sind hohe Punktezahlen auch von kleineren Mags cool, das ist doch klar!

Einige Leute wissen es sicher, aber für die anderen: Ihr hießt früher Inhuman. Was verbindest Du heute noch mit Euren Anfangstagen?

Ich persönlich bin erst seit vier Jahren Mitglied der Band. Da ich aber zufällig gerade bei meinem Kollegen und einzigem verbliebenen Gründungsmitglied Andy bin, lass ich ihn für diese Frage mal an die Tastatur:
Ich denke uns verbindet heute mit unseren Anfangstagen, dass wir uns bis heute immer noch Ziele stecken, die wir versuchen zu erreichen. Unserem Stil sind wir ebenfalls noch treu geblieben, mit dem Unterschied das wir heute wissen wie man seine Vorstellungen umsetzten kann, während uns damals das Wissen und die spielerischen Fähigkeiten gefehlt haben.

Ihr seid im Live-Sektor nicht gerade untätig. Da waren neben vielen Einzelgigs auch die Touren mit Vader; Krisiun & Soilwork; Deranged, Immolation & Destroyer 666; Napalm Death; Illdisposed oder kürzlich Dismember. Welche war den für Dich persönlich die beste Erfahrung?

Ohne Zweifel unsere beiden Touren mit Napalm Death. Das war einfach das professionellste, was wir bis heute erlebt haben und es war einfach ein Erlebnis, jeden Abend vor so vielen Leuten zu spielen. Aber auch die anderen Touren sind Erfahrungen, die ich nicht missen möchte.

Und was waren die ausgefallensten Sachen (im Positiven und im Negativen), die Euch unterwegs (Einzelgigs oder Tour) passiert sind?

Auf unserer letzten Tour mit Dismember spielten wir in Paris. Der Laden hieß „Peniche Alternat“. Wenn unsere Französischkenntnisse nicht so miserabel gewesen wären, hätten wir vielleicht gewusst, was uns bevorsteht. Peniche bedeutet nämlich Schleppkahn und genau das war’s. Ein runtergekommener Kutter auf der Seine, maximal fünf Meter in der Breite. Dismember hätte fast der Schlag getroffen, als sie in den Bauch des Bootes hinabgestiegen sind. Der Moshpit am Abend hätte das Schiffchen dann auch fast zum Kentern gebracht.

Gab oder gibt es eigentlich berufliche Probleme, wenn Ihr so viel auf Tour seid?

Da sprichst Du ein schwieriges Thema an. Mit Urlaub für Touren gibt’s eigentlich meist keine Probleme. Doch ich bin Veranstaltungstechniker, also nicht nur privat, sondern auch beruflich auf Rockkonzerten unterwegs, und das führt natürlich häufig zu Überschneidungen. Aber irgendwie kriegen wir es immer wieder hin. So leicht lassen wir uns nicht unterkriegen.

Was befindet sich eigentlich momentan in deiner persönlichen Playlist?

Die neue Aborted ist der Killer! Außerdem bin ich großer Nasum-Fan, die letzten vier Scheiben laufen bei mir alle regelmäßig. Illdisposed ist auch Stammgast in meinem CD-Player. Und auch die letzte Darkane hat es mir angetan.

Worauf freust du dich noch so dieses Jahr? Gibt es da einen bestimmten Release, dem Du entgegenfieberst? Oder ist da ein bestimmtes Festival oder Konzert?

Ehrlich gesagt bin ich überhaupt nicht informiert was heuer noch so rauskommt. Die neue Dream Theater werd ich mir natürlich mal reinziehen, es muss ja nicht immer nur Death Metal sein.
An Festivals besuche ich durch meinen Beruf zwangsläufig nur die, auf denen wir selbst spielen. Die da wären: Das Partysan, das Kaltenbach in Österreich, das Suffering life in Franken, das Metal Bash, das Festival unserer Plattenfirma und noch einige Open Airs in der Tschechei!

Kurz vor Schluss ein kurzes Frage-und-Antwort-Spiel:

Vegan/Vegetarisch
Unser Sänger ist Vegetarier, unser Bassist Veganer. Beides nix für mich, wobei ich auch mal einen Tag ohne Fleisch überlebe. Es darf auch mal Obst und Gemüse sein, ich lebe für einen Musiker relativ gesund.

Markus Mayer
Er war zu der Zeit als wir die Inhuman-Scheibe rausbrachten ein sehr angesagter Künstler. Wie z.B. das Atrocity-Cover von der „The Hunt“ hat uns damals dazu bewegt uns von ihm ein Cover malen zu lassen. Aber nun hab ich leider schon lange nix mehr von ihm gehört!

H.R. Giger
Coole Bilder, unser letztes Cover von der „In vain“-Scheibe sieht ja seinem Stil recht ähnlich. Mittlerweile möchten wir uns allerdings covertechnisch etwas anders weiterentwickeln, wie man auf „Blind“ sieht.

Dragon Design
Er hat die Covers für „Beyond human perception“ und „In Vain“ gemalt, die ich beide nach vor sehr geil finde. Aber wie gesagt wurde es mal Zeit für einen Tapetenwechsel.

At The Gates
Die Götter! Es gibt keine Plattenkritik und kein Interview mit uns, in dem ihr Name nicht mindestens einmal fällt. Das stört uns aber auch nicht sonderlich. Wir sind der Meinung, dass wir unserer Musik trotz aller Schweden-Elemente unseren eigenen Stempel aufdrücken. Aber im Endeffekt muss das ja der Hörer für sich entscheiden.

Chuck Schuldiner
Ein genialer Musiker, sein Tod war damals ein Schock für mich! Aber seine Alben bleiben uns zum Glück erhalten, „Symbolic“ und „Individual thought patterns“ sind unerreicht!

Internet
Ein echter Segen. Gerade zur Zeit denke ich oft an die Zeit zurück, in der ich noch handschriftliche Interviews mit der guten alten Schneckenpost verschickt habe, die dann Monate später mal erschienen sind. Heute ist das eine Sache von wenigen Tage, wenn nicht Stunden. Das ist eine erhebliche Erleichterung.

Wie sehen die Pläne für Euren weiteren Werdegang aus?

Zunächst werden wir die ganzen Festivals im Sommer bestreiten, im Herbst ist dann wieder eine Tour in Planung, da kann ich allerdings noch nichts konkretes sagen. Eine neue Scheibe werden wir wohl frühestens 2006 einprügeln.

Dann ist hier noch Platz für Deine letzten Worte in diesem Interview!

Vielen Danke für dieses interessante Interview, ich freue mich immer, wenn jemand mal ein paar ungewöhnliche Fragen stellt! Mehr Infos über uns gibt es auf www.souldemise.de

Viele Grüße, Alex & Soul Demise


Interview: Chris (Necroslaughter) / Alex (Gitarre @ Soul Demise) · 09.05.2004/23.05.2005
www.souldemise.de/